Datum: 14. April 2020
Position: 47° 01,0′ N, 013° 35,0′ W
Etmal: 83 nm
Wetter: Wind E, 7 Bft., Luft 12°, 1021 hpa
von Mike
Wir sind auf SE-Kurs 350 nm westlich Ile d´Ouessant bei dem bisher erfolgreichen Versuch, ein südlich ziehendes Sturmtief mit Oststurm in unserem Seegebiet zu meiden. Die Winde haben von Bft 10 auf Bft 7 abgenommen, aber Dünung und Windsee machen uns noch zu schaffen. Seit drei Tagen ohne Sonne, wie mühselig wäre die Navigation ohne GPS. Zum Glück funktionieren alle unsere Systeme. Der schwatte Kahn macht unter kleinen Segeln schlingernde Bewegungen, aber das Leben ist gut erträglich. Die Kombüse funktioniert durch wach- und ressortübergreifende, gegenseitige Hilfen und die Routine der Wachablösung und Wache folgt den Notwendigkeiten des Seebetriebes bei schwerem Wetter. Das hielt uns auch nicht davon ab, heute morgen, bei Wachwechsel 20-24 auf 00-04, Justus ein kurzes Geburtstagsständchen zu bringen. 16 Jahre jung ist er geworden, möge die Reise und das Erleben ihm zu weiterer Reifung beitragen… Die Kids der ersten Wache (von den andern mag ich nix sagen) ziehen mit, in den allgemeinen Schiffsdiensten und in herausgehobenen Positionen (Toppsgast, Navigation) und in der Nautik sind wir so weit, dass einige, noch unter Anleitung, eine Sonnenhöhe nehmen können und die Schüler-Steuerleute ein Kollisionssituation im Radar beurteilen und vernünftig-vorschriftsmäßige (KVR-) Ausweichmanöver vorschlagen können.
Mike
Mike grüßt „seine“ Leute und freut sich auf eine Flasche CNdP mit Mme U in memoriam Tante Eugenie.
Mika wünscht Moritz nachträglich alles Gute zum 17. Geburtstag. Hab die Meldung gestern leider verpasst, daher heute doppelte Glückwünsche.
Unser Tag begann um 0330 Uhr mit der Nachricht, dass wir zur Wache aufstehen dürfen. Auf die Frage, wie kalt es denn draußen sei, antwortete Fenja uns nur, dass sie es mit sechs Lagen Ski-Unterwäsche nach draußen in die Kälte bei neun Grad gewagt habe. Als wir dann gerade noch pünktlich, aber später als an den anderen Tagen an Deck standen (ihr glaubt gar nicht, wie lange es dauert, sich in eine Zwiebelschicht zu schmeißen, das Ölzeug neben all dem anderen triefnassen Zeug wieder aufzufinden und nach draußen zu kommen), begrüßte uns die Wache 1 mit einer Wasserfallgischt, und schon waren wir alle hellwach. Der Wind fegte mit eisigen Böen über unserer Köpfe (wirklich sehr ordentlich starker Wind – aber was erwartet man auch im Winter auf dem Nordatlantik 😉 )
Einmal erwischte uns eine Megawelle und das Wasser prasselte nur so auf uns nieder. Wir alle sind deshalb spätestens jetzt sehr dankbar für unsere dicken und warmen Ölzeugsachen, denn das schöne warme Klima haben wir vorerst hinter uns gelassen. Trotz allem können wir auch super dankbar sein, denn das Wetter war bisher das perfekte Segelwetter und die kommenden Tage wird uns auch hoffentlich erstmal kein starker Wind mehr treffen. Die Ostertage haben wir hier mal so ganz anders als sonst erlebt und sehr genossen! Wir freuen uns schon sehr auf euch zuhause und von allen an Bord geht ein lieber Gruß an die Liebsten! Passt auf euch auf!