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Datum : 17. Oktober 2018
Position: 51° 09,7′ N, 004° 27,9′ E
Etmal: 144 sm
Wetter: 15°C, bedeckt, Wind aus W/SW, 3Bft.
von Charlotte

Ich wurde heute pünktlich um Viertel vor Zwei von Flo zur Wache geweckt. Die Nacht war – im Gegensatz zur vorherigen – sehr ruhig und die meisten von uns haben die Seekrankheit jetzt auch überwunden. Das von uns frisch gebackene Brot zum Frühstück hat das Resultat bestimmt maßgeblich beeinflusst. Wir verlassen heute die Nordsee und kommen unserem Etappenziel Guernsey immer näher. Wir sitzen an Deck, trinken kühle Fanta oder Sprite, sehen an Steuerbord die englische Küste und an Backbord Frankreich.

Wir kommen vermutlich am Freitag in Guernsey an, wo dann ein neuer Steuermann auf uns wartet. Da ich im Team für die Planung der Landgänge bin, habe ich eben mit Max ein paar Ideen für unseren Aufenthalt in Guernsey gesammelt. Leider fahren wir derzeit nicht wirklich unter Segeln, da der Wind ungünstig steht, aber das ändert sich heute Abend wieder! Es ist schon erstaunlich: Wir sind jetzt schon fast eine Woche unterwegs und es fühlt sich an, als wären es nur ein paar Tage gewesen. Gleichzeitig hat man den Eindruck, dass wir alle uns schon lange kennen und nicht erst seit einer Woche.
Locke

P.S.: Liebe Grüße an meine Lieblingsschwester Johanna
Grüße an Anougi, Katha und Anton von Johanna; Phillip fragt: Julian liest du das?

 

Auf in den Westen

Datum: 16. Oktober 2018
Position: 52° 28,8`N, 003° 18,8` E
Etmal: 64 sm
Wetter: Wasser 16°C; Luft 17°C; Wind S 4 Bft.
von Severin

Wir liegen im Vorhafen von Rotterdam und unter der Bedingung, dass wir Klarschiff machen und alle dabei helfen, dürfen wir noch einmal kurz an Land. Also machten sich alle eifrig an die Arbeit. Die Kombüse wurde klar gemacht, die Toiletten geputzt, Müll weggebracht und Decksarbeiten verrichtet. Der lang ersehnte Landgang wurde reichlich dazu genutzt, den privaten Süßigkeitenvorrat aufzufrischen und sich gehörig die Beine zu vertreten. Um halb elf hieß es dann „Leinen los!“. Unser Steuermann Fred ist leider schwerer verletzt als wir es erwartet hätten und muss im Krankenhaus bleiben. Bis wir einen neuen Steuermann gefunden haben, übernehmen unsere Steuermänner Sigi und Ulli abwechselnd Freds Wachdienst.

Wir nehmen Kurs Richtung der Straße von Dover. Uns begleitet schönes Wetter. Leider können wir aufgrund des Gegenwindes keine Segel setzten. Wir haben unsere erste Pokerpartie bei Seegang gespielt und ich bin jetzt um eine Cola reicher. Am Nachmittag haben wir die Mette Marsk am Horizont gesichtet. Das 399 m lange, 88 m breite und 64 m hohe Containerschiff ist eines der größten Schiffe weltweit. Dazu passierten wir viele Bohrinseln und wieder ein Menge Windräder.

Wir sind zwar erst ein paar Tage unterwegs, aber man merkt jetzt schon, dass man das Leben an Bord nicht auf die leichte Schulter nehmen kann. Wir müssen verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, dazu kommt der neue Schlafrhythmus und die eingeschränkte Privatsphäre. Wir müssen vermehrt Rücksicht auf die anderen nehmen und wenn Not am Mann ist auch mal das Wohl des Schiffes vor unsere eigenen Interessen stellen. Doch die Vorfreude auf die schönen Orte, die wir entdecken werden, gibt uns Ansporn.
Severin

P.S.: Fynn grüßt seine Familie und alle die in Gedanken bei uns sind!