Die Anreise

Datum: 11. Oktober 2018
Position: Überwinterungshafen Harburg
Etmal: –
Wetter: 20° C, sonnig
von Robin

Heute sind alle angekommen, denn bis 14 Uhr galt es unser neues Zuhause – die Johnny – zu beziehen. Jeder hat viel mitgebracht: In manchen Kabinen waren so vielen Taschen, dass man kaum stehen konnte und jeder war darum bemüht, seine Sachen möglichst logistisch clever zu verstauen. Nach dem ersten Auspacken gab es dann eine Sicherheitseinweisung, in der uns gezeigt wurde, wie sich das Notsignal anhört und wie man die Schwimmwesten anlegt. Nach dem Mittagessen (lecker Linseneintopf) wurde uns die Crew vorgestellt und Charlie ging mit uns noch einmal die Projektregeln durch. Anschließend gab es dann noch einmal Freizeit, die von einigen Schülern zum weiteren Auspacken genutzt wurde. Nach dem Abendbrot wurden dann noch wichtige Verantwortungsposten gewählt, wie etwa der Posten des Maschinenassistenten, des Schülervertreters oder des Wäscheverantwortlichen. Während am Abend und in der Nacht bereits die ersten Schüler ihre Hafenwache antraten, träumten die anderen in ihren neuen Kojen von der bevorstehenden Reise und den tollen Erlebnissen, die ihnen bevorstehen. Liebe Grüße an alle! Uns geht es gut 😊 Robin
Robin

Und jedem Anfang …

Datum: 8. Oktober 2018
Position: 52° 39,8’N, 013° 03,4’E
Etmal: 10,256 Schritte
Wetter: Wasser: 13°C, Luft: 11°C, Windstärke 4
von Claudi

Eigentlich ist es ja schon so, dass ich die Art von Unvorhersehbarkeit gern mag, die man vor bevorstehenden Reisen empfindet. In diesen Tagen vor der Abreise zu einer 6,5-monatigen Reise merke ich dennoch, dass meine Vorfreude auch von ein wenig Wehmut begleitet wird. Ihr kennt das bestimmt: wenn man etwas zum vorerst letzten Mal für eine lange Zeit sieht oder macht, dann sieht oder macht man es auf einmal mit sehr viel höherer Wertschätzung. Mein Kopf jedenfalls wollte in den letzten Tagen auf einmal alle möglichen Situationen noch einmal so richtig auskosten (die letzte Chorprobe, das letzte Treffen mit Freunden und Familie, der letzte Gang durch das Lieblingsviertel…), obwohl die Gedanken doch im Grunde schon eingenommen waren von Impfungen, Unterrichtsreadern, Packlisten…

Ob wohl die alten Seefahrer, auf deren Spuren wir reisen werden, vor ihrem Aufbruch auch immer etwas zögernd über die Schulter geschaut und etwas Zeit gebraucht haben, um sich innerlich vorerst zu verabschieden von vertrauten Personen, Landschaften und Routinen?

Ich ahne, dass sie mich angesichts der heutigen Möglichkeiten – nach erfolgreicher Atlantiküberquerung erst einmal zu Hause anrufen zu können – auslachen und mir zurufen würden: „Ach – deine Chorproben, deine Familie und deine Freunde, dein Lieblingsviertel – all das wird doch noch da sein, wenn du wiederkommst! Carpe Ventum!“

Recht hätten sie wohl, denke ich und möchte rufen: Leinen los! Die Herausforderungen einer solchen Seereise, die Insiderwitze unserer Bordgemeinschaft, das Meer jeden Tag zu sehen und doch immer woanders zu sein und die Nachtwachen unterm Atlantikhimmel werden es sein, von denen wir uns dann tatsächlich verabschieden werden müssen – zum Glück erst in einem halben Jahr.
Claudi