Time goes by

Datum: 11. Januar 2021
Position: Grand Anse Bay, Grenada, 12°02,5´N, 061°45,6´W
Wetter: Luft 27-29°C, meist sonnig, ab und zu Schauer
von Timana

Sonntag, 10. Januar | Die Hitze ist niederschmetternd, wie immer. Doch wie immer wird dann demnächst auch ein kühlender Schauer kommen, alle werden sich irgendwo verziehen und wie immer etwas zu spät merken, dass die Bulleyes noch offen sind. Man könnte meinen, wir hätten das Tageszeitenklima langsam verinnerlicht. Und das haben wir auch, es ist nur unwichtig, da wie immer die Sonne in 20 bis 30 Minuten alles getrocknet haben wird. Die einzigen Gründe, dass meine Sachen den ganzen Tag an der Reling hängen, sind erstens Faulheit und zweitens die sehr schnell danach greifende Vergesslichkeit. Anders als den Beginn eines solchen Schauers, kann ich das Ende noch nicht so gut vorhersehen. Gemein haben sie nur, dass sie alle recht kurz sind und sich meist mit einem Regenbogen verabschieden. Dann stehe ich wie immer auf Deck und starre hinterher. Eines der wenigen Sachen, von denen ich wohl auch an schlechteren Tagen nicht die Nase voll haben werde.

Einige werden es wohl bereits gemerkt haben: Wenn man übers Wetter spricht, hat man sich eigentlich nichts zu erzählen. Und tatsächlich habe ich nicht die leiseste Ahnung, was ich sagen soll. Als ich vor langer Zeit das Datum gesehen habe, wann ich wieder mit Blogschreiben dran bin, habe ich mich sehr gefreut, dass wir zu der Zeit bereits in der Karibik sein werden und nicht mehr auf dem Atlantik. Jetzt grade wünschte ich, es wäre nicht so, denn der Atlantik hatte was! An sich genieße ich es hier ebenso, wenn nicht sogar noch mehr, doch zwischen diesen schönen Momenten bin ich einfach taub, da ich endlich aus dieser verdammten Quarantäne raus will!

Nun gut, wo war ich? Ah richtig: Es ist heiß. Ich stehe ganz vorne am Klüver und suche mit dem Fernglas die Bucht von St. George ab. Eigentlich ist suchen hier das falsche Wort, denn ich suche nichts, ich finde nur. Mein Blick gleitet die vielen kleinen Häuschen, die sich die bewaldeten Berge hinaufziehen, entlang. Bewaldete Berge! Was würde ich dafür geben, dort zu sein! Man kann jeden Baum erkennen, die Blechhütten und die Villen dazwischen, die wenigen Autos auf den viel zu steilen Straßen, die Vögel am Himmel und die Leute am Strand. Morgens und abends kann man sowohl die Stadt mit ihrem Verkehr, als auch den Wald mit den Grillen und Vögeln gleichermaßen hören.

Während ich quasi beim Träumen eingehe, springen die anderen um mich herum ins Wasser und schwimmen ein bisschen. Ich gebe ihnen gedanklich noch 15 Minuten, denn am Gipfel ist bereits der nächste Schauer aufgetaucht. Wegen meinem Unfall darf ich nicht mitschwimmen, weshalb ich etwas schmolle, doch das ist schon okay so. Was mich mehr stört, ist der Fakt, dass wir seit einigen Tagen aus Wasserspargründen nicht duschen dürfen. Das ist eben der Nachteil, wenn man als Quarantäne vor der Stadt ankern muss. Die Wasserqualität hier in der Bucht ist nicht gut, das bringt die Menschennähe nun mal leider mit sich. In dieser Bucht verdrecken unsere Filter vom Wassermacher zu schnell, darum können wir ihn nicht wie gewohnt benutzen. Riesige Mengen Salzwasser filtern konnten wir noch nie, doch da die Filter verdammt teuer sind, füllen wir hier keine Wassertanks auf. Um trotzdem mit dem Wasser zurecht zu kommen, müssen wir nun eben noch sparsamer sein. Insbesondere solange wir nicht wissen, wann wir in den Hafen einlaufen dürfen. Und waschen können wir uns mit dem Salzwasser hier auch noch ausreichend genug.

Wirklich viel verpasst man hier grad nicht, da alle die Theorie für den Tauchschein lernen. Immerhin müssen wir das über unsere Handys tun, so werden natürlich auch überall nebenbei Hörbücher, Podcasts und Musik gehört. Endlich! Ich mag die Quarantäne genau aus diesem Grund nicht. Es gibt unglaublich viel zu tun, aber in meinem Fall nichts Spannendes. Während einige andere bei den Schiffsarbeiten helfen, oder Schlauchboot fahren üben. Doch durch meine Schiene bleibt mir nicht viel:

Aufräumen – nicht erledigt
für den Tauchschein lernen – erledigt
für die Schule lernen – naja, immer mal wieder angefangen

Tatsächlich habe ich den Großteil der Quarantäne-Tage verschlafen. Meine neue Koje ist verdammt bequem und es tut so gut – nach so langer Zeit. Ich weiß, dass es nicht die produktivste Beschäftigung ist, aber ich weiß auch, dass es einfach grad die Beschäftigung ist, die sich mit Abstand am besten anfühlt. Doch – Gott sei Dank – sind die fünf Tage nun vorbei. Für den Coronatest morgen dürfen sogar alle heute Abend maximal fünf Minuten richtig duschen – Yay! Gestern haben wir außerdem die Panem-Trielogie weiter geschaut. Und weil wir eben „dumme“ Jugendliche sind, haben wir natürlich direkt den dritten nach dem zweiten Teil weitergeschaut. Spätestens jetzt ist auch der letzte Rest Schlafrhythmus erfolgreich zerstört worden. Aber das war‘s wert.

Montag, 11. Januar | In kleinen Grüppchen werden wir an Land gefahren, um dort den Coronatest zu machen. Überraschenderweise immer noch unglaublich unangenehm! Durch dieses verdammte Stäbchen in meiner Nase habe ich Höhlen in meinem Gesicht kennengelernt, auf deren Existenzbeweis ich lieber verzichtet hätte. Unserem Kapitän Volker gefällt die alte Wunde an meinem Bein immer noch nicht, weshalb er mir Badeverbot erteilt. Natürlich macht es Sinn, das Wasser kann nicht gut für die Heilung sein, wenn die Filter damit schon nicht zurechtkommen. Doch somit habe ich jetzt doppeltes Badeverbot, was meine Lage zwar nicht im Geringsten verändert, aber eben auch nicht sehr aufmunternd ist. An alle, die sich an die Stickersammlungen in der Grundschule erinnern: Langsam lohnt es sich zu tauschen. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Immerhin sind nun offiziell die fünf Tage Quarantäne vorbei. Ich hoffe einfach nur, dass Grenada, nicht wie Barbados, ebenfalls vier Tage braucht, um die Tests auszuwerten. Es fühlt sich alles ewig an und zieht sich hin, doch mein Lichtblick ist, dass die zwei Wochen seit meinem Sturz endlich vorbei sind. Diese Zeit ging überraschend schnell vorbei – nun gut, das meiste hab ich verschlafen: ab heute darf ich die Schiene von meiner gebrochenen Hand immer mal abnehmen, in zwei weiteren Wochen bin ich sie ganz los. Auch hier wieder: Das einzige, was ich fühle, ist diese verdammte Taubheit. Zwei Wochen lang keinen bis kaum Schmerz, einfach innerlich und äußerlich taub.

Mit etwas Glück erhaltet ihr den nächsten Bericht schon von der Gewürzinsel. Nun habe ich wirklich nichts mehr zu erzählen. Grüße gehen raus an alle, die mich stets unterstützt haben, gerade jetzt vermisse ich euch sehr. Versteht mich nicht falsch: Ich möchte nicht bei euch sein, viel mehr möchte ich, dass ihr mit hier seid. ;P
Timana

Grüße: Und weil sie es sich gewünscht haben, grüße ich besonders Martha, Lea und Kea und natürlich Milana. „Das ist gar nicht böse gemeint, ihr wisst doch, dass ich euch unglaublich lieb hab, ihr Idioten“ Ti <3
Selma wünscht Emi einen supertollen Geburtstag! „Feier schön, ich hab dich lieb und du wirst sehr vermisst my dear!“
Fredo wünscht seiner Mutter alles Gute zum Geburtstag! Ich hoffe du hattest einen schönen Geburtstag.
Hannes grüßt seinen Brudi Bruder Noah: Alles Gute zum Geburtstag. Du bist jetzt 11. Die erste Schnapszahl. Schnaps… Feier schön und bis bald im Mai.
Jasmin grüßt alle die sie lieab hat und gibt ihnen ein Bussi!!
Lara grüßt ihre Eltern ,,hab euch lieb und schade, dass eure jährliche Fete dieses Jahr ausfallen muss..“

Seit 3 Monaten unterwegs

Datum: 8. Januar 2021
Position: Grand Anse Bay, Grenada, 12°02,5’N, 061°45,6’W
Wetter: 29°C, meist sonnig, ab und zu Nieselregen
von Clara

Vor genau drei Monaten standen wir morgens mit Rucksäcken, Reisetaschen und Seesäcken bepackt in Hamburg-Harburg vor dem Clippergebäude und haben uns von unseren Familien verabschiedet. Wir haben uns gefreut all die lieben Leute vom Probetörn wieder zu sehen. Nach ein paar Stunden Unterricht bei Norbert und zwei negativen Coronatests sind wir fünf Tage später losgefahren, die Elbe hinunter. Wir haben eine letzte ruhige Nacht auf Reede vor Glücksstadt verbracht. Am folgenden Tag haben wir Segel gesetzt und sind auf die Nordsee hinausgefahren. Die nächste Nacht ist in meiner Erinnerung die schlimmste, die ich je auf der Johnny verbracht hatte. Fast alle von uns waren seekrank und die, denen es relativ gut ging, hatten mindestens doppelt so viel Arbeit. Die Seekrankheit hielt unterschiedlich lange an. Einigen ging es schon nach wenigen Tagen wieder besser. Andere verbrachten noch fast bis Teneriffa die meiste Zeit in der Koje. Wir fuhren teils mit Motor teils unter Segeln durch den Ärmelkanal und die Biskaya.

In der Biskaya haben viele von uns zum ersten Mal Delfine gesehen. Ich hatte in dieser Nacht 5-8-Wache. Es war wunderschön; über uns der völlig klare Sternenhimmel und neben uns die von Leuchtalgen erleuchteten, spielenden Delfine. Während wir an den Bergen der Nordküste Spaniens vorbeifuhren, stieg bei uns die Vorfreude auf La Coruña. Doch dieser Hafen blieb uns durch Wind und Wetter verwehrt. Stattdessen ankerten wir ein paar Tage und kämpften uns dann um das Ende der Welt herum, bis wir endlich Richtung Süden fahren konnten. In dieser Zeit war die Stimmung etwas weiter unten, aber mit dem Kurs Richtung Süden besserte sich auch diese wieder und der Mangel an Mehl und die verstopften Toiletten wurden verkraftet. Von Madeira sahen wir leider auch nur ein paar Lichter in der Nacht. Dann haben wir bei spiegelglatter See und mitten auf dem Atlantik die Eugen Saiboldt getroffen. Zum ersten Mal seit Wochen hatten wir Kontakt zu anderen Menschen.

Und dann erreichten wir Teneriffa. Dort verbrachten wir zehn schöne Tage, gingen wandern und an den Strand. Auf Teneriffa haben uns leider auch Norbert, Siggi, Peter und Gerhard verlassen. Stattdessen konnten wir Volker, Ingo, Reinhard, Winrich und Leon neu an Bord begrüßen. Schließlich begann die nächste Etappe. Diese war allerdings deutlich kürzer als die erste, denn schon nach einer Woche sind wir bei relativ dunstigem Wetter in Mindelo eingelaufen. In den kommenden vier Tagen haben wir die Schüler*innen der Escuela Salesiana getroffen, waren auf der Schrimpfarm und im OSCM und morgens vor dem Frühstück am Strand von Mindelo schwimmen. Bevor wir wieder losgefahren sind, mussten wir uns leider von Nathalie verabschieden.

Dann sind wir über den Atlantik gefahren. Während dieser Zeit kehrte eine Routine an Bord ein. Immer abwechselnd Wache und Unterricht. Ein Highlight auf dieser Etappe war unser Mann über Bord Manöver. Nach 20 Tagen sind wir am Abend auf Barbados angekommen, allerdings mussten wir einen Coronatest ablegen und noch einige Tage warten, bis wir endlich dieses Land auf der anderen Seite des Atlantiks betreten konnten. Im Hafen von Bridgetown hat uns auch der Weihnachtsmann besucht. Auf Barbados haben wir zum ersten Mal auf dieser Reise nicht auf der Johnny geschlafen. Bevor wir zum Campingplatz gefahren sind haben wir uns noch von Andreas, Reinhard, Winrich und Leon verabschiedet, die am selben Tag zurück nach Deutschland zurückgeflogen sind. Dann haben wir erstmal fünf Tage auf einer großen Wiese mit hohem Gras gewohnt. Von dort aus waren wir schwimmen, schnorcheln und im Regenwald. In der fünf Minuten entfernten Strandbar haben wir Silvester gefeiert. Am nächsten Tag sind wir wieder zurück auf die Johnny gegangen. Dort konnten wir Siggi, Robert, Michael und Max (wieder-) begrüßen. Dann haben wir uns zwei Tage später auf den kurzen Weg nach Grenada gemacht, wo wir jetzt vor Anker liegen.

Gestern hatten wir am Vormittag Unterricht. Die eine Gruppe hatte Geschichte und Mathe bei Friederike und die andere Gruppe hatte Spanisch bei Stefan und Geo bei Raphael. Nach dem Mittagessen standen ein paar Schiffsarbeiten an und wir konnten Dinghi fahren üben. Danach haben sich alle gefreut, sich von der Johnny aus ins salzige Nass stürzen zu können. Nach dem Abendessen, bei dem es Pizzettas und Vanillepudding mit Karamellsoße gab, haben Jan und ich einen Vortrag zum Wetter und Klima in der Karibik gehalten und Leni und Lara haben uns etwas über die Fauna unter Wasser erzählt, um uns auf unseren Tauchkurs vorzubereiten, der bald kommt. Heute wurden wir schon etwas eher geweckt, denn wir konnten noch vor dem Frühstück schwimmen gehen. Am Vormittag haben wir an unseren Physikprojekten weitergearbeitet. Die ehemalige Backbord-Gruppe hat ihre Wassermacher sogar heute schon vorgestellt.

Zum Mittagessen hat die Backschaft ein superleckeres Buffet auf den Tisch gezaubert. Danach stattete uns Neptun einen Besuch ab. Aber über dieses Geschehen werden wir für immer und ewig schweigen. Der Rest des Nachmittags wurde von allen wieder zum Baden genutzt. Jetzt sitze ich in der Messe und denke über die letzten drei Monate nach. Wir haben schon viel erlebt und gelernt. Mal hatte man einen schlechten Tag, aber im Großen und Ganzen waren es tolle letzte drei Monate. Und ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir froh sind, hier mitfahren zu dürfen. Vielen Dank an alle, die uns bei dieser Reise unterstützen. Wir grüßen alle, die einen Teil der Reise mit uns unterwegs waren und im Moment leider nicht hier sind und die vielen lieben Leute, die wir schon kennenlernen durften.
Clara

Grüße:
Selma wünscht Clara Happy Birthday!
Anabel grüßt ihre Familie, Miri und Emma, hab euch lieb!
Clara grüßt NeustArt