Datum: 14. Januar 2021
Position: 11°59,8’N, 061°46,1’W, True Blue Bay, Grenada
Etmal: 7 sm (seit St. George’s, Grenada)
Wetter: Luft & Wasser 28°C, 1013 hPa, Wind ESE 3 Bft.
von Robert Ventzki (Steuermann)
Liebe Freunde der Seefahrt! Heute hat die Johann Smidt hier in der True Blue Bay an der Südwest-Spitze Grenadas ihren Anker ausgeworfen. Eine Woche wollen wir nun hier bleiben und die hiesige bunte Unterwasser-Welt bei unseren Tauchgängen bewundern. Dieser Aufenthalt gibt uns Gelegenheit, einmal das an Bord neu gelernte maritime Vokabular zu wiederholen: Recht voraus und achtern, querab und mittschiffs, kieloben und Land unter, dieses und anderes Kauderwelsch stiftet seit je her Verwirrung unter Landratten wie Seeleuten aller 7 Weltmeere. Während die Bedeutung von voraus und achtern sich dem nautischen Laien eben noch erschließt, werden die Begriffe Steuerbord und Backbord von alten Seebären gerne genutzt, um als eingeschworene Gemeinschaft der Wissenden auf die Unkundigen herabzuschauen. Letztere wundern sich jedoch nicht ohne Grund, warum sie an Bord unserer Johann Smidt nicht einfach „rechts“ und „links“ sagen dürfen. Nicht gerade einfacher wird die Sache dadurch, dass Steuerbord und Backbord leicht zu verwechseln sind.
Während nämlich unsere Blickrichtung das Vorne und Hinten festlegt und unser Oben und Unten durch die Schwerkraft bestimmt wird, die Newton‘s berühmten Apfel entsprechend fallen lässt, gibt es für Rechts und Links kein solches Kriterium. Ganz im Gegenteil: Auf unserem Erdenball läuft alles rechts wie links herum gleichermaßen rund, wie wir bei unseren Landausflügen auf Barbados und Grenada am Straßenverkehr gut beobachten können. Auf diesen schönen Karibik-Inseln wird nämlich, der britisch-kolonialen Tradition folgend, links gefahren. Ja, so eine Seereise bildet, und der eigene Augenschein überzeugt immer noch am besten!
Um das gesagte zu verdeutlichen, stellt Euch einmal vor, Ihr telefoniert mit Euren außerirdischen Freunden. Sie sind genau so hübsch und klug wie Ihr und ebenso gesprächig und neugierig noch dazu. Dank intergalaktischer Flatrate könnt Ihr endlos mit ihnen plaudern. Nun versucht mal, ihnen den Unterschied zwischen Steuerbord und Backbord, rechts und links zu erklären! Ebenso wenig können wir Euch Daheimgebliebenen im fernen Deutschland den Geschmack der herrlichen tropischen Früchte beschreiben, die auf den von uns besuchten Inseln gedeihen. Auch die Kenntnis, dass bei uns Erdenkindern das Herz auf der linken Körperseite am rechten Fleck sitzt, hilft Euch nicht bei Euren Erklärungs-Versuchen. Unsere außerirdischen Freunde könnten nämlich genau anders herum gewachsen sein und friedlich in ihrer umgekehrten Welt in der Nachbargalaxie leben und alles würde bei ihnen ganz genau so funktionieren wie bei uns. Wirklich alles? Ja, alles! Ist das nicht merkwürdig?
Diese beachtenswerte Tatsache ist der Physik als Paritätsprinzip bekannt. Erst in jüngerer Zeit wurde eine Ausnahme davon entdeckt, und zwar beim radioaktiven Beta-Zerfall (wer’s nicht glaubt, möge mal googlen). Diese Verletzung des Prinzips ist jedoch nur für Kernphysiker sichtbar und verständlich. Uns Weltbewohnern wie auch unseren Freunden in der Nachbargalaxie bleibt sie verborgen. Jetzt, da wir uns einmal darüber Gedanken gemacht haben, können wir auch verstehen, dass sogar gestandene Salzbuckel wie wir gelegentlich unter dem gängigsten Symptom der Landkrankheit, der sogenannten Steuerbord-Backbord-Schwäche leiden und die beiden Seiten unserer Johann Smidt verwechseln. So entsteht an Bord schon mal Konfusion, wenn bei unseren Segelmanövern das Kommando „Hol dicht an Backbord!“ fällt, aber eigentlich das andere Backbord (also Steuerbord) gemeint ist. Nachdem ich Euch nun vollends durcheinander gebracht habe, kann ich Euch beruhigen: Unseren lieben Freunden, die auf ihrem spiegelverkehrten Ozean in ihrer fernen Galaxis segeln geht es auch nicht besser!
Robert (Steuermann)
Guten Morgen, Tag und Abend an alle Landratten! Bei uns passiert in den letzten Tagen nicht wirklich viel, wahrscheinlich mehr als bei euch wegen Corona, aber auch nicht viel mehr. Wir stehen auf, haben Unterricht, essen Mittag, gehen Schwimmen und machen Schiffsarbeiten wie zum Beispiel das Segel nähen, das Mülllager auf dem Achterschiff aufräumen, den Ankerkasten und Anker putzen und lenzen (von Hannes der dabei war: „Es war eine sehr schwierige und anstrengend Angelegenheit“ und den Bootsmannstore aufräumen. In unserer Mittagspause liegen wir öfters auf dem Vordeck und hören einen Podcast (Mordlust), wobei wir so gut wie immer direkt einschlafen. Doch weil wir für den Tauchkurs lernen müssen, hatten wir auch nicht mehr so oft Zeit zum Podcast hören. Beim Tauchkurs müssen wir auf dem Handy, in einer App, sechs Kapitel durchlesen und nach jedem Kapitel einen Test machen. Dafür braucht man echt viel Zeit, weil es alleine schon mindestens eine Stunde braucht um ein Kapitel zu lesen. Aber wir freuen uns sehr auf den Tauchkurs und haben dadurch eine hohe Motivation.
