Goodbye Tenerife

Datum: 19. November 2019
Position: 28°19,1′ N; 016°13,8′ W
Etmal : 0
Wetter: Wind WSW 3Bft, Bewölkung 1/8, Luftdruck 1020 hpa, Luft 20°C
von: Bene

Hallo Welt, ich stehe gerade achtern an Deck und schaue schon seit einiger Zeit auf das orangene Lichtermeer zwischen den vielen Berggipfeln Teneriffas. Vor ein paar Stunden haben wir den Hafen von Santa Cruz verlassen und unser neuer Törn Teneriffa-Martinique hat begonnen. Im Mondschein kann man zwischen den Wolken den Teide recht gut erkennen, auf dessen Gipfel wir gestern früh noch standen. Alle 28 Schüler*innen haben es zusammen mit uns vier Lehrerkräften pünktlich zum Sonnenaufgang hoch auf 3.718m geschafft. Das hat selbst einen erfahrenen Bergführer der Region ins Staunen gebracht, der meinte, er könne sich nicht daran erinnern, dass bei so einer großen Jugendgruppe ausnahmslos alle (!) den Gipfel erreichten. Dementsprechend erschöpft aber stolz waren die Gesichter der jungen Bergsteiger*innen und dem bergführenden Lehrerteam, in die man schaute, als wir mittags nach 1.300m Abstieg alle wieder wohlauf unten angekommen waren – und das Fluchen, Streiken und die ein oder andere Träne des Aufstiegs waren vergessen.

Vor uns liegen nun rund 2.000 Seemeilen bis wir wieder Festland sehen. Es ist sternklare Nacht und wir haben schon wieder die ersten Segel gesetzt. Auf dem ganzen Schiff herrscht eine ganz eigenartige, magische Atmosphäre gemischt aus Vorfreude, Anspannung, Wehmut, Ehrfurcht und einem Gefühl der Geborgenheit – die gesamte Besatzung und die Roald selbst sind eben auch mittlerweile für uns zu einem Zuhause geworden. Und nun haben wir die große Atlantiküberfahrt vor uns. Heute Morgen stand daher Proviantieren auf dem Programm. Die Roald Amundsen ist nun bis in die hintersten Ecken und Nischen voll gepackt: Die Melonen haben in einer Hängematte in der Messelogis ihren Platz gefunden und in der Dosen- und Trockenlast waren die reinsten Tetris-Genies am Werk. Jetzt ist alles da und das große Abenteuer kann beginnen. Und wenn man eines von der Besteigung des Teide lernen konnte: Egal wie steinig, unwegsam oder anstrengend es manchmal sein kann: Gemeinsam schaffen wir auch die nächste Etappe. Bei dieser Gruppe bin ich mir da sicher!

Ich für meinen Teil gehe jetzt langsam von Deck und in meine Koje um ein bisschen Schlaf nachzuholen. Morgen wird wieder ein langer Tag: Manöver, Meetings, Unterricht planen, in der Kombüse helfen und nebenbei für alle Sorgen, Nöte und Belange ein offenes Ohr haben. Gute Ruh und bis bald,
Bene, Lehrer an Bord der Roald

Grüße:
Laura (Lehrerin) schickt herzliche Grüße nach Berlin an die Kolleg*innen und Schüler*innen der Lina-Morgenstern Schule 🙂

Justus grüßt seine Familie und Bailey

Tamara grüßt Sophia und bittet um Fotos

Last but not Least:
Die gesamte Besatzung der Brigg Roald Amundsen sendet herzliche Grüße an alle Freunde und Familien an Land!


Neu auf dem HSHS-Blog:

HSHS-Bildergalerie No 2: Auf Teneriffa

Von Leonie

Hallo, ich muss schon sagen, mein Körper war schon so ein bisschen verwirrt, als er gar nicht geweckt wurde. Um kurz nach vier bin ich diese Nacht aufgewacht und niemand war da und niemand kam zum Nachwecken. Ungewohnt irgendwie auch der viele Platz, bis ich mich dann zurückerinnert habe an die schöne Verabschiedung am letzten Donnerstag in Vigo. Das hier ist jetzt also quasi meine letzte Tagesmeldung aber auch schon ohne richtige Tagesmeldung, da ich mich eigentlich nur noch verabschieden möchte und einmal noch schreiben möchte, weil es schon Spaß macht.

Tatsächlich ist es nämlich jetzt so, dass ich die Reise für mich abgebrochen habe, nach vielem hin und her überlegen. In einigen Tagesmeldungen wurde ja vom Fische füttern gesprochen, und leider muss ich sagen, dass ich da eigentlich immer mit von der Partie war, und auch wenn das so ganz nett klingt, so war es leider echt übel und nicht nur ein bisschen Kotzerei. Bereits auf der Etappe Eckernförde-Portsmouth hat mich die Seekrankheit ziemlich erwischt, nur war es eben nicht nur die Affäre mit dem Schanzkleid sondern eine enge und feste Beziehung auf dem besten Weg zur Hochzeit, die ich jetzt um ehrlich zu sein nicht so reizend fand. Ich wurde in der Zeit fantastisch von allen Seiten umsorgt, die Lehrer, die anderen Schüler, auch der Kapitän und mein Topsi, die sich immer wieder Gedanken gemacht haben, was mir fehlt und was mir helfen könnte, nur leider wurde nichts gefunden, und auch alle anderen Tricks haben gar nichts geholfen.

An dieser Stelle möchte ich trotzdem noch einen ganz großen Dank an meine Kammerkameradinnen aussprechen, falls sie das lesen: Ihr wart die fantastischsten Kotzhelferinnen, die ich mir jemals hätte vorstellen können. An Ilka meinen größten Respekt und Dank, weil sie so tapfer immer neben mir gesessen hat, wenns mal wieder hochkam, zu wirklich jeder Zeit, die Haare zurückgehalten hat und auch selbst solidarisch mitgekotzt hat, und sich trotzdem immer wieder neben mich gesetzt hat, und einfach weiter die Treue und den Eimer gehalten hat. Als nächstes natürlich für die psychologische Arbeit gebührt Nina ein großes Dankeschön, und meine Bewunderung, für jedes Mal, dass sie sich an mein Bettchen gesetzt hat und mit mir geredet hat, mich einfach abgelenkt hat und Dinge gesagt hat, die wirklich herausragend und ungewöhnlich sind, für einfach mal so ausgedacht. (Also ich hätte für solche Gedanken länger gebraucht!). Ich empfehle ja ganz dringend, Therapeut oder Seelenklempner zu werden, da sehe ich gar kein Problem! Natürlich darf man auch die Trink- und Ess-Partnerschaft zwischen uns nicht vergessen, die wir eingeführt haben, an der sich auch Fenja beteiligt hat und mir immer meine Semmel mit Butter gebracht hat, und zwar egal wann ich gefragt habe, meine Flasche wieder aufgefüllt haben und mich auch immer freundlichst ans Trinken erinnert haben ☺ , auch wenn einfach alles wieder hochgekommen ist und es somit auch nur so halbseiden funktioniert hat. Ihr habt es trotzdem gemacht, und dafür musste ich mich einfach nochmal ganz dicke bedanken!

Ebenfalls noch an alle der Dank für die wirklich schöne Verabschiedung nach dem Abendessen. Auch wenn ich nicht weinen wollte musste ich natürlich wieder genau das die ganze Zeit, aber eure Ade und Lebe wohl-Einlage war so wunderschön und dass so viele nochmal da waren und sich einzeln verabschiedet haben. Vielen Dank dafür.

Tja, und jetzt ist mein Abenteuer schon so frühzeitig beendet, ich bin zuhause und ich erinnere mich an euch und vermisse all das Schöne auf der Roald und was sie so mit sich bringt jetzt schon (außer das Geschaukel, aber das ist klar). Wenn man sich dann auch denkt, dass ich verrückt sein muss, jetzt schon ausgestiegen zu sein, man vielleicht meine anderen Tagesmeldungen gelesen hat und meint, dass doch alles recht gut klingt, auch mit mir – ich habe nun mal die schönen, leider wenigen Tage für mich genutzt, an denen sogar ich mich mal an Deck hatte blicken lassen können, weil ich nicht über dem Eimer gehangen bin und nicht mit Bauchweh, Kopfweh oder sonst etwas im Bett gelegen bin, um meine Tagesmeldungen zu schreiben, da niemand die Tagesmeldungen aus der Koje lesen möchte, an denen ich vielleicht die Rettungswesten beschrieben hätte, die über mir gehangen sind. Ihr habt mich also an den schönen Tagen gelesen, und das ist gut so.

Jetzt hoffe ich, schnell in mein Leben zu finden, alle die mich gerade losgeworden sind wieder mit meiner Anwesenheit zu beglücken und euch auf der Reise eben von hier aus zu begleiten. Schreibt schöne Tagesmeldungen und macht schön viele Fotos! Ich wünsche allen eine grandiose Reise- und das wird sie werden- viele krasse Erfahrungen und andere Einblicke, unvergessliche Momente und viel Neues, mit dem ihr lernen könnt umzugehen.
Eure Leo


Neu auf dem HSHS-Blog:

HSHS-Bildergalerie No 1: Von Kiel nach Teneriffa

Wo befindet sich die „Roald Amundsen“?

Verfolgt die Position der HSHS über den AIS-Internet Service von „Vesselfinder“. Dieser Link wird  ab sofort im Seitenmenue angezeigt. Wenn das Schiff sich außerhalb der AIS-Ortung befindet kann es sein, dass das Schiff nicht angezeigt wird!