Uns geht’s gut…

Datum: 29. März 2020
Position: 36° 01,0′ N, 039° 09,1′ W
Wetter: Wind SSE, 3 Bft., Luft 18°C, 1016 hpa
Etmal: 107 nm
von Mike

Aus der Sicht der Wache 1 einige Infos zur Lage: Sie ist hoffnungslos aber nicht ernst. Es geht uns gut (allen an Bord). Befindlichkeiten soll es und würde es auch an Land, zu Hause gegeben haben, also bilden sie keine zusätzliche Belastung. Covid 19 berührt uns zur Zeit nur über die Probleme an Land. Unser gesundes „Splendid-Isolation-Spacecraft“ segelt zwischen den von den Admins vorgegebenen Grenzen mit erheblich weniger Stress, als wir ihn aus den Nachrichten und den Bergen von angeforderten Absicherungspapieren herausfiltern, übrigens am unterrichtsfreien Sonntag unter der selbständigen Leitung seitens der Kids.

Gewisse Sorgen um das Wohlbefinden der Lieben (Landlubber) bleiben dennoch…. Wir befinden uns fast in der Situation des Entdeckers Magellan, welchen Luisa für den Deutschunterricht erwählt hatte, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Voraus das nun unbekannte Europa, achteraus die Erinnerung an die gastlichen Americas… Die charakterliche, nautische und seemännische Aus- und Weiterbildung der Kids (das polcor SuS gleicht mir zu sehr einem SOS) läuft inhaltlich und vom Verstehen gut. Wir haben in den langen Wachen, tags und nachts, zueinander vorsichtiges Vertrauen entwickelt.

Weil wir weder TV noch belastbare Radionachrichten empfangen, halten wir uns an Tatsachen und schaffen uns unsere Welt selbst. Dazu gehört, dass Luisa mit ihrem Proviant- und Backschafts-Team auf der Grundlage der von Stefan P. vermittelten Fähigkeiten ein sehr essbares Futter zaubert, welches allen wechselnden Ansprüchen genügt. – gelegentlich verstärkt durch die Kombüseneinbrüche von Isa und Kpt. Uli, die zu durchaus geniessbaren Zimtschnecken und Kuchen führen. Die formale Schule geht auch weiter und die vier Lehrer lassen es sich nicht nehmen, die 8-12-Wache vormittags und teilweise abends zu verstärken.

Zum positiven Schluss eine Bitte an „de Lüd’ an Land“: Ständige Anfragen über neue Planungen und Alternativen sind wenig hilfreich. Wenn wir Hilfe brauchen, werden wir uns melden. Die Vorgaben und Infos von den Admins ändern sich schnell und wir haben noch fünf Wochen bis zum 1. Mai. Vor drei Wochen kannte nur ein kleiner Kreis von Fachleuten den Begriff Covid 19… Ich wiederhole mich gerne: Uns geht es gut, wir sind gesund…und hoffen das Gleiche von und für Euch.
Cheers, Mike

P.S.: Wer gelegentliche Ironie oder gar Satire findet, darf sie behalten. Wohl bekomm’s.

Luki grüßt seine Familie und alle Ahoi’s. Ich freue mich schon euch so bald wiederzusehen.
Caro grüßt ihre Familie und Freunde Zuhause. Bleibt gesund! 😉
Carlodda grüßt ihre Familie und Freunde! Hab euch lieb! Und ganz, ganz liebe Grüße an Schönerich und Simon! Ihr fehlt uns!


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Richtung Azoren

Datum: 28. März 2020
Position: 36° 54,2′ N, 041° 17,2′ W
Wetter: Wind S, 3 Bft., Luft 18°C, 1021 hpa
Etmal: 118 nm
von Dani

Willkommen an Bord dieses Segel- … äh… Motor …. Äh, nee, Segelschiffes, liebe Wache! Nachdem ich gestern Nacht das Deck bei einem stabilen schwachwindigen Ostkurs und unter gesetzten Segeln verließ, startete der Tag der Wache 3 heute mit dem Bergen aller gesetzten Segel. Glücklicherweise verzichteten wir angesichts eventuell bald wieder einsetzender Winde auf das Packen und es konnte binnen weniger Stunden „ordentlich beigefangen“ und die Maschine in Gang gesetzt werden. Tucker, tucker, tucker …. Eine tolle Gelegenheit für den Schüler-Toppsgasten Tim und Schüler-Steuermann Consti, ihre Kommandosprache zu üben, bevor (Trommelwirbel) die HSHS-Crew morgen weitestgehend eigenständig die Arbeiten an und unter Deck (natürlich mit dem Support der Roald-Stammcrew) für 24 Stunden selbst koordinieren wird!

Tucker, tucker, tucker ….. Wir bewegten uns in den folgenden Stunden unter Motor und bei strahlendem Sonnenschein weiter den Azoren entgegen. Beim Kaffee wurden von Schülersprecherin Jelka die Rollen für den kommenden Tag verteilt und wir vier Lehrer freuten uns über das 7-3-1 auf den HSHS-Unterricht 😊. Danke! Winter im Nordatlantik? Zumindest am heutigen Tag bei über 20 Grad nicht spürbar! Wie in diesem Seegebiet üblich, wird der Wind aber nicht lang auf sich warten lassen. Erste Vorboten des neuen Tiefdruckgebietes wurden bald schon sichtbar, Cumulusbewölkung setzte ein und man wird im Logbuch der Roald nachlesen können, wie der Bewölkungsgrad im Tagesverlauf immer weiter zunahm. Jetzt wo Windeinfallswinkel und Windstärke wieder stimmen, können auch endlich wieder Segel gesetzt werden. Tucker,…. Tucker…. Tuck…tuck….Tu… In meiner Koje im sogenannten Hospital hört das Rattern und rhythmische Klopfen unserer lieben „Emma“ (Maschine an Bord) auf und ich merke, wie ich bei der Ruhe, die dann folgt, tief durchatme!

Für eure Geo-Lehrerin der an Bord reisenden High Seas High School ist es faszinierend zu sehen, welche Phänomene der atmosphärischen Zirkulation 😉 uns hier auf dem Nordatlantik begegnen. Und während sich unsere Roald Amundsen gerade Seemeile um Seemeile den äußeren Grenzen des Schengenraums nähert, befängt mich immer mal ein mulmiges Gefühl, wenn wir uns Gedanken darum machen, wie der letzte Monat dieser High Seas Reise aussieht. Mmmh, es duftet herrlich nach Popcorn aus der Kombüse, ich denke, da schaue ich mal nach, wer sich da was Leckeres ausgedacht hat.
Dani

P.S.: Selbige grüßt ihre Familie und heute auch die Geos aus Potsdam

Grüße:
Anja sendet salzige Geburtstagsgrüße vom Atlantik nach Berlin! Alles Gute zum Geburtstag, Florian!! Ich hoffe, Corona hat dich feiern lassen! Passt gut auf euch auf KGBs


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