Datum: 12. Oktober 2019
Position: Tiessenkai, Kiel, 54°22.1’ N, 010° 09,1’ E
Etmal: 25 nm
Wetter: 1007 hpa, SW, 3 Bft, bedeckt, Luft 13°C
von Leo
„Können wir noch in der 0-2 Wache die Tagesmeldung schreiben?“ Es ist kurz nach Mitternacht und ich schreibe aufopferungsvoll noch meine Tagesmeldung auf der Brücke. Bei Regen, weshalb es jetzt wohl doch aufs Bett verlegt wird. Gestern war’s ja nochmal den ganzen Tag Sicherheitseinweisung in Eckernförde, bei dem wir einmal die Erste Hilfe nochmal verfeinert haben, eine gruselige Puppe wiederbelebt und einem aus der Runde eine Windel aus dem Tragetuch angezogen haben, um Tragetechniken zu demonstrieren. Außerdem durften wir den größten unserer Gruppe die Außentreppe des Infocenters in einer Trage hinuntertragen, was fast dazu geführt hätte, dass wir einen weniger an Bord mitnehmen. Aber Lukas hat’s tatsächlich überlebt und wir ihn sicher nach unten gebracht. Zum Trost durfte er in der darauffolgenden Einweisung in die Überlebenssicherungen an Bord den Überlebensanzug ausprobieren, der ihm halt echt gut steht! Und der Anzug ist „One size fits all“, also von 1,40 m bis 2 m Körpergröße! Ich persönlich wäre drin versunken, aber was soll’s. Zum krönenenden Abschluss durften wir alle in wundervollem Pieselregen in Rigg – Knoten auf, wieder zu, Knoten auf, wieder zu mit kalten Händen und Ölzeug – dem ich ja im Rigg mal garnicht vertraue. Aber auch das haben wir alle gut überstanden – manche ganz oben auf dem Mast gewesen, ich eher so nur unteres Mittelfeld auf dem Mast. Das wird aber bestimmt noch…
So genug zu gestern – heute wird’s ja erst spannend. Also eigentlich nur anstrengend, nicht spannend, aber schon so irgendwie cool. Wir haben eine richtige Rettungsinsel aufgeblasen und durften drinnen Gruppenkuscheln veranstalten. Und da wurde uns quasi nochmal eine Zusammenfassung/Vereinfachung (Erweiterung/Wiederholung) aller Themen bis jetzt vorgetragen, die Navi erklärt und zumindest versucht, mal dieses Schott vom mittleren Niedergang zu schließen. Wer sich denkt: ja ne olle Falltür zufallen lassen und auf die Haxn aufpassen… Nene. Ich hab das fette Teil nicht zudrücken können, geschweige denn überhaupt bewegen können. Aber zuversichtlich und gleichsam motivierend wurde uns gesagt: „ihr werdet das im Laufe des Törns alle lernen…“ Na sowas. Was ne Freche aber auch :-). Gut, so viel zum Vormittag.
Nach einem flotten Mittagessen ging es dann endlich ans Proviantieren. Und das hieß dann Kette bilden, weiterreichen, fest weiter, halt, langsamer, macht mal stop, okay weiter… Und das geschlagene drei Stunden lang, nur um dann ein undurchquerbares Chaos in den Gängen unten zu haben. Aber inzwischen ist alles pico bello für das „Open-Ship“ morgen. Über das Verholen nach Kiel kann ich tatsächlich wenig sagen, ich hab nämlich in der Zeit nmein ganz persönliches, undurchquerbares Chaos in der Kammer durchquerbar und ordentlich gemacht. Und dann wurden Rufe laut und Leute eilen hoch. Schnell angezogen im Ölzeug und an die Reling stellen. Und da seid ihr alle auch schon! Gut, das Anlegen hat dann n`bissl lang gedauert und die Zeit mit euch (also euch Eltern, Verwandten, Freunden) war leider nur kurz, aber schön. Und jetzt hocke ich im Bettchen, bin fertg mit Faseln und wünsche allseits eine ordentliche…„Gude Ruh“!
Leo
Moin, heute war der große Tag! Wir starteten um 12:00 Uhr Ortszeit offiziell unsre sieben-monatige Reise auf der Roald. Der Tag begann mit Frühstück in der Messe, es gab Brötchen. Danach bereiteten wir uns darauf vor, dass unsere Eltern, Verwanden und Freunde das Schiff besichtigen können (im Klartext: Wir haben unsere meist verwüsteten Kammern aufgeräumt). Natürlich waren wir MEGA aufgeregt unsere Liebsten ein letztes Mal zu sehen. Natürlich standen sie sich schon mindestens eine Stunde vor Beginn des „Open Ship“ am Kai die Beine in den Bauch, was der ganzen, ohnehin schon angespannten Atmosphäre noch eine gewisse Nervosität hinzufügte. Nach dem Frühstück versammelten sich die Schüler noch einmal in der Messe, um einen Schülervertreter zu wählen. Herzlichen Glückwunsch an Constantin, unseren neuen Schülervertreter. Um 10:00 Uhr stand dann das Treffen mit den Eltern an. Sie durften dann für eine Stunde (bis um 11) an Bord kommen und sich noch ein letztes Mal (oder auch ein erstes Mal) das Schiff und die Kammern ihrer Kinder begutachten. Das bedeutet: eine Stunde lang war das Schiff brechend voll und man kam keinen Meter voran, ohne auf irgendeine Person zu treffen. War aber dennoch sehr schön, noch ein letztes Mal mit seinen Liebsten zusammen zu sein, mit ihnen reden und sie in die Arme nehmen zu können.