Tiefgang zu Weihnachten

Datum: 25. Dezember 2018
Position: True Blue Bay, Grenada
Etmal: –
Wetter: badetauglich
von Max S

Heiligabend ist vorbei und die ersten müden Gestalten lösten sich heute wie immer um 7:00 Uhr aus ihren Kojen. Aus der Kombüse hörte man Backschaftsklimpern und draußen den Wind spielen. Wie fast jeden Morgen saß ich schon vor dem Klingeln in der Messe und wartete sehnsüchtig auf das Frühstück. Beim Essen wurden wie immer die Pläne für den heutigen Tag besprochen und Besonderheiten angekündigt, doch diesmal hieß es nicht „Segel setzen!“, sondern: entspannen und tauchen!

So wie der Rest meiner Tauchgruppe machte ich mich zum Shutteln bereit, während der Rest – also der Teil der Gruppe, der heute nicht zum Tauchen ging – sich auf die faule Haut legte und die große Weihnachtüberraschung auspackte: unser Riesen-SUP, auf welchem 3-4 Personen gleichzeitig stehen können und mit welchem die Schüler bald anfingen, die True Blue Bay zu erkunden. Wir hingegen bereiteten mit unseren Tauchlehrern Robin und Mirko unsere Tauchgänge vor. Hierzu gehörte es, Tauchausrüstung zu holen, an Bord zu bringen, Flaschen zu montieren und Tauchgänge zu besprechen. Nach letzter Kontrolle und letztem Toilettengang an Land ging es dann auch bald los zu unserer Tauchlocation. Dort angekommen, gruppierten wir uns zusammen mit unseren Tauchbuddys und erhielten letzte Sicherheitseinweisungen zu Fischen und potenziell giftigen Unterwassertieren, bevor wir ins Wasser stiegen.

Bei unserem ersten Tauchgang an diesem Tag tauchten wir auf 12 Meter herunter, wo ein kleines Wrack auf uns wartete. Ein paar Druckausgleiche später trafen sich dann alle an der Schiffsschraube des Wrackes, wo wir erstmal einige Skills unter Beweis stellten, wie zum Beispiel das Ausblasen von Wasser aus einer Taucherbrille. Doch was wir dann zu sehen bekamen, das war atemberaubend: Überall bewegte sich etwas. Kofferfische schwirrten um unsere Köpfe, Seeigel und Korallen verzierten den Boden und Muränen schlängelten durchs Dickicht, während über unseren Köpfen Fischschwärme Tango tanzten. Wir fühlten uns wie in einer anderen Welt und kamen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, bis mein Finimeter plötzlich 50 bar (Reserve) anzeigte und ich mich deshalb wieder auf den Weg gen Wasseroberfläche machen musste.

Chris, unser Tauchlehrer, brachte mich also ganz gelassen an die Wasseroberfläche, wo wir auf die anderen warteten, mit denen wir uns dann auf den nächsten Tauchgang begaben. Dieser fand an einem großen Hang vom Korallenriff „Purple Rain“ statt, wo wir diesmal auf unsere tiefste Ausbildungstiefe von 18 Metern heruntertauchten. Schon von der Wasseroberfläche aus sah man die Korallen noch schöner und dichter blühen als beim vorherigen Tauchgang, was vor allem Michis Augen glänzen ließ. Alle waren wir aus dem Häuschen und erkundeten wie wild das Riff, welches voller verschiedener Tierarten war: Wieder sahen wir viele Muränen und Seeigel und auch Kugelfische, Papageienfische und Rochen, die unsere Taucherherzen höherschlagen ließen. Doch den absoluten Höhepunkt bildeten die Sichtung einer Schildkröte und eines Ammenhaies, die anmutig durchs Wasser glitten. Überglücklich und erschöpft kamen wir wieder zurück an Bord und ließen den Tag mit Luxusgetränken und Badegängen ausklingen. Euch allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch!
Max S

Rosinenstollen

Datum: 24. Dezember 2018
Position: Grenada
Etmal: –
Wetter: weihnachtliche 28 °C
von Phil

Den Vortag verbrachte ich hauptsächlich mit Rosinenstollen, gell? Heilges Blechle, des war a Sauerei. Pfui daibl, da stand ich glatt bis 3:00 Uhr in da früh bis i ma Stolle für des Christkindl fertig hatte. Leider gab es keine Brezn zum Frühstück und von a Maß kann i nur träumen. Upsala, jetzela red i normal. Da kam kurz der Bayer raus. Auf jeden Fall war ja heute Weihnachten und wie vielleicht alle fleißigen Blogleser und -leserinnen mitbekommen haben, befinde ich mich im Moment nicht Zuhause im gemütlichen Niederbayern, sondern genieße meine Zeit auf einem Segelschulschiff, der Johann Smidt, welche gerade an der karibischen Insel Grenada vor Anker liegt.

Weihnachten wird hier etwas anders gefeiert und das Feeling leidet vor allem wegen des fehlenden Schnees. In der Hotelbar am Meer laufen zwar karibische Weihnachtssongs in Dauerschleife, aber das ist natürlich trotzdem was anderes als zu Hause. Das ist außerdem das erste Weihnachten, das ich ohne meine Familie verbringe und vor allem jetzt wird mir klar, dass ich die Crew dieses Schiffes als meine neue „Familie“ akzeptieren sollte. Und das fällt bei unserer meistens guten Stimmung an Bord glücklicherweise nicht so schwer.

Und wer macht eigentlich schon an Heiligabend seinen ersten Freiwassertauchgang in karibischem Gewässer? Ich absolvierte diesen nahe „Glover Island“. Das ist ein cooler Tauchspot, zu dem meine Tauchgruppe und ich vorher mit einem Motorboot gefahren sind. Bunte Fische, Korallen und sogar ein paar Rochen verbreiteten weihnachtliche Unterwasserstimmung und sorgten bei mir für Lust auf mehr Tauchgänge. Zurück daheim auf der Johnny fingen meine Backschaftskameraden und ich an, ein Weihnachtsmenü zu zaubern. Hierbei hatten wir einige fleißige Helfer in der Kombüse, die uns halfen, einen schmackhaften Traum auf den Tisch zu bringen. Unser Kapitän Norbert höchstpersönlich schob für uns beispielsweise köstliche Weihnachtstruthähne in den Ofen.

Mit vollen Mägen empfingen wir anschließend eine richtig tolle Überraschung: die Stimmen unserer Eltern im Radiobeitrag „Gruß an Bord“ vom NDR! Die ganze Besatzung wurde dort von fünf Eltern unserer Schüler gegrüßt. Es war toll, eure Stimmen in unserer Messe abzuspielen! Anschließend nahmen wir dann sogar noch ein Megageschenk der Elternschaft entgegen: ein SUP-Bord, das wir natürlich schon am nächsten Tag austesteten. Außerdem gab es noch Wichtelgeschenke und Flo schenkte mir eine selbstgemachte Backschürze, auf der in epischen Lettern das Wort „BACKFISCH“ stand. Danke Flo! Das Weihnachtsfeeling wurde von Weihnachtssongs und von weihnachtlicher Post von der Family unterstützt.

Obwohl dieses Weihnachten a bissl anders war, habe ich es genossen und freue mich über die Briefe und Geschenke von zu Hause! Grüße gehen raus an Lara, Lutz und Scholz und natürlich an die Familie. Frohe Weihnachten!
Phil

P. S.: Michi grüßt alle, die an ihn denken, freut sich auf seine Weihnachtskekse und denkt an alle.
Hannes grüßt Norderney und wünscht frohe Weihnachten an alle, die an ihn denken!
Robin grüßt den Ballermann und vor allem grüßt er seine Familie und freut sich über die Geschenke.
Jonathan grüßt alle.
Justus grüßt Hamburg und vor allem die, die er kennt.
Robert grüßt alle Freunde der Seefahrt