Ein Stück Zuhause auf den Ohren

Datum: 19. März 2019
Position: 28°56,0’N, 067°11,9’W
Etmal: 101 sm
Wetter: Luft 23°C, Wasser 21°, Wind SSW, 3 Bft.
von Johanna

Hallo ihr Lieben, da ihr unsere Umfragen bestimmt schon mächtig liebgewonnen habt, habe ich mich heute mal für euch zur Frage umgehorcht, welche Liedzeilen unsere Schüler hier an Bord oft begleiten, inspirieren, irritieren, in die Herzen schießen, nerven oder zum Lachen bringen oder eben einfach inzwischen ein Stück Zuhause geworden sind… Hört doch mal rein 🙂

  1. „Mach es gut Cherie, als dein Iphone so grazil in den Landwehrkanal fiel, wusste ich: Schöner wird es nie, tut mir leid, doch ich bin raus, sag Bescheid, wenn du mich brauchst.“
  2. „…und Berlin war wie New York, ein meilenweit entfernter Ort… to fall always my mind hey hey.“
  3. „one day baby we’ll be old, baby we’ll be old and think about all the storys that we could have told.“
  4. „Auf St. Pauli brennt noch Licht, da ist noch lange nicht Schicht, denn im Großen und Ganzen haben wir alle Grund zum Tanzen.“
  5. „Der Himmel in grau, dunkle Wolken ziehen auf, ich atme den Regen, ertrage das Leben.“
  6. „Und wenn sie tanzt, ist sie woanders, ist alles gut, nur für das Gefühl.“

Dies war nur eine kleine Auswahl. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass Musik für die meisten an Bord eine große Bedeutung hat. Mit ihr kann man abschalten und Privatsphäre finden. Wenn man Musik hört, kommen einem Erinnerungen an Momente in den Sinn, die man mit diesem Lied assoziiert und man kann in Gedanken da sein wo man möchte. Oder man kann einfach den Krach von Motor oder Hilfsdiesel überhören und Ruhe finden. Und in der Backschaft ist Musik natürlich ohnehin überlebenswichtig! So oft zelebrieren wir kleine Partys in der Kombüse. Denn dank richtiger Musik wird man dynamisch und kann sich ins Abwaschen und Kochen stürzen. Musik ist und bleibt halt doch ein Stimmungsträger. In den Kammern wird natürlich auch ab und zu Musik gehört. Das ist allerdings etwas schwieriger, denn gerade im Wachbetrieb gibt es ja meistens jemanden, der schlafen möchte. Mit lieben Grüßen,
Johanna und Jo

PS: Jo sendet liebe Grüße an ihre Eltern <3 Es fiel mir echt schwer, am Telefon auflegen zu müssen.

Bordroutinen

Datum: 18. März 2019
Position: 28° 44,1′ N, 068° 57,5′ W
Etmal: 122 sm
Wetter: Luft 25°C, Wasser 24°C
von Robin

Mein heutiger Tag startete mit der 0-4 Wache. Nachtwachen sind eigentlich ganz lustig: Irgendwie passieren immer lustige Dinge, während man die Zeit totschlägt. Zum Beispiel fallen einem dann lustige Lieder ein, die man aus verschiedenen Texten zusammenbastelt, auch, weil man hier auf See ja nicht die neueste Musik empfangen kann. Nach unserem Wachwechsel um 04:00 Uhr konnte ich dann endlich ins Bett gehen und bis zum Mittagessen schlafen. Als ich hörte, dass es zum Mittagessen Currywurst geben sollte, beschleunigte sich meine Aufstehprozedur um ein Vielfaches. Am Tisch traf ich dann auch wieder meine Wachkollegen von der Nacht und wir setzten unsere Gespräche über das Bordleben und ähnliches fort. Hierbei stellten wir auch fest, dass unser Humor an Bord langsam echt abnimmt, da man jeden Witz inzwischen gefühlt schon mehrfach gehört hat.

Nach dem Mittagessen traten wir die Wache an und wurden draußen von drei Meter hohen Wellen und von Regen begrüßt. Hierbei trug ich auch zum ersten Mal wieder mein Ölzeug, was auf jeden Fall eine gute Entscheidung war, denn kurz nach Wachbeginn spülte auch schon eine Welle über Deck, die mich komplett erwischte. Dank meines Ölzeugs blieb ich aber schön trocken. Die Wache schleppte sich wegen des ungemütlichen Wetters ganz schön. Und die Ruderschichten waren schwieriger als sonst, da die Wellen es einem ganz schön schwer machten, auf Kurs zu bleiben. Nach der Wache habe ich ehrlich gesagt bis zum Abendbrot geschlafen und dann nach dem Abendbrot gleich wieder, sodass ich gerade etwas ideenlos bin, was diesen Tagesbericht angeht. Der Alltag besteht eigentlich aus Wache gehen, schlafen und essen. Aber immerhin: Hierbei fühlt man sich echt seemannsmäßig! 🙂 Und irgendwie fühlt es sich auch ganz schön an, dass wir wieder so eine Art Bordroutine entwickeln, wie wir sie ja noch von unserer ersten Atlantiküberquerung kennen. Mit lieben Grüßen
Robin