Ein Tag in der Koje

Datum: 21. März 2019
Position: 31°14,1’N, 065°30,7’W
Etmal: 109 sm
Wetter: wolkig, 20°C
von Doreen

Hallo ihr Lieben, ich gebe es gleich zu: vom heutigen Tag habe ich leider nicht allzu viel mitbekommen. Eigentlich hätte ich Backschaft gehabt, musste aber, da ich an diesem Tag krank war, die Koje hüten. Aber auch diese Tage gibt es hier an Bord: Tage, an denen nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Mitbekommen habe ich, dass der Seegang an diesem Tag ziemlich stark war und es deshalb zum Mittag Nudelsuppe in Tassen gab. Durch den starken Seegang läuft vieles an Bord erschwert ab und ich verbrachte den Tag hinter meinem hochgeklapptem Leebrett, schlafend oder eben die Wände anstarrend. Könnte man währenddessen meine Gedanken lesen, wäre man wohl verwirrt. Sie drehen sich meistens wie ein Karussell: Wenn man einen Gedanken hat, verliert man ihn schnell wieder aus dem Blickfeld und der nächste kommt an.

Zum Beispiel denkt man an das leckere Essen zuhause (Ich vermisse meine geliebten Spinatnudeln, die Lauch-Creme-Hackfleisch-Suppe und Leberkäse mit Knödeln und nicht zu vergessen Käsespätzle! -Mum – I don’t want to say anything but maaaaybeeee you get the hint;)). Oder man macht sich Gedanken über Tanzchoreos, denn gerade in solchen Kojenmomenten vermisse ich Sport extrem. Oder man denkt darüber nach, ob es sich lohnen würde, den Schrank in der Kammer auszuräumen und Sachen neu zu sortieren. Bei einem ganzen Tag in der Koje ist man auf jeden Fall manchmal kurz davor, die eigenen Socken nach Farben zu sortieren. Was ich dann aber doch nicht tat, weil ich über diese Gedanken eingeschlafen bin.

Immer wieder haben heute übrigens ganz wundervolle Leute nach mir geschaut, was mich zum Teil echt überrascht hat. Ich bin so dankbar, diese Menschen hier kennengelernt zu haben. Durch solche Personen wird so ein mieser Tag doch gleich viel wertvoller, weil man ihn mit so besonderen Leuten teilen kann. Ich hab euch ganz dolle lieb!
Eure Dori 🙂

P.S.: An meine Lieben zuhause: Es tut mir wirklich furchtbar leid, wenn ich euch nicht so regelmäßig schreibe und in Kontakt bin, aber diese Aktivität geht leider extrem leicht unter in dem täglichen Gewusel. Ich hab euch trotzdem lieb und freue mich schon auf zuhause!

Neuer Tag, neues Glück

Datum: 20. März 2019
Position: 29°44,3’N, 065°16,0’W
Etmal: 117 sm
Wetter: Luft 20°C, Wasser 22°
von Max

Es ist vier Uhr morgens und wie jeden zweiten Tag trete ich meine Wache mit Steuermann Uli an. Robin und Phil aus der vorherigen Wache sind zum Wachwechsel dank Kaffee völlig wach, doch Josi, welche diese beiden durch den Kaffee quirligen Jungs eine ganze Wache „ertragen“ musste, scheint sich schon sehr auf die Koje zu freuen. Nach dem Wachwechsel stehe ich nun also am Ruder, eingepackt in mein Ölzeug, umgeben von rauem Wetter, das uns das nicht so weit entfernte Sturmtief unterhalb Bermudas beschert hat. Die Johnny schaukelt und stampft nur so auf den bis zu zehn Meter hohen Wellen hin und her. Ab und zu besuchen uns Wellen auf dem Deck und der Wind pfeift uns ohnehin ordentlich um die Ohren. Doch da die Wetterkarte uns ja bereits zwei Tage zuvor schon vor dem Sturmtief gewarnt hatte, sind unsere Sturmsegel natürlich längst gesetzt und alles ist sturmfest gesichert.

Nach weiteren zwei Stunden Wache stehe ich wieder klitschnass am Ruder. Doch nach einer Weile höre ich etwas Seltsames. Ein Klatschen, ein Schlagen? Ich schaue an unserem Sturmsegel hinauf, doch kann nichts erkennen.. Kurz drauf scheint auch Steuermann Uli etwas zu bemerken und dann sehen wir das Elend: Der Sturmklüver ist im Mittelbereich an einer Naht gerissen und ein vier Meter langes Loch klafft uns entgegen. Wir reagieren sofort, indem Bianca mich am Ruder ablöst, Uli zwei weitere Deckshände an Deck holt und wir das Segel bergen und für den Rest der Etappe festbinden. Für Bermuda bedeutet dies, dass nun bereits drei Klüver dort beim Segelmacher repariert werden müssen.

Kaputt gehen übrigens nicht nur Segel: Justus hat sich gestern seinen kleinen Finger in einer mit der Welle schlagenden Tür etwas eingequetscht. Doch um Justus‘ Eltern und alle sonstigen Leser zu beruhigen, kann ich euch sagen, dass es Justus inzwischen schon wieder blendend geht! Er wurde sofort verarztet und konnte kurze Zeit später schon darüber lachen.
Max