Cayman Island

Datum: 20. Februar 2017 (Tag 136)
Position: 19° 05,3′ N, 081° 36,4′ W
Etmal: 150 sm
Wetter: Luft 29°C, Sonne, 1016 hPa, Wind NE, 2-3 Bft.
von Jaron

jaronDer Tag begann für die eine Hälfte von uns mit Unterricht und für die andere mit Wache. Es herrschte also wieder ein ganz normaler Bordalltag. Bis zum Kaffee und Kuchen lief alles wie gehabt ab, als wären wir auf hoher See. Aber dann wurden die Segel geborgen, denn wir liefen gerade Grand Cayman Island an. Im Unterricht sah ich dann plötzlich durchsichtig blaues Wasser und dann ging es ganz schnell. Ich sah die Pier. Danach spürte ich einen Ruck durchs Schiff gehen. Wir schienen gegen die Pier gekommen zu sein. Sofort hörte ich laute Rufe: „Zurück! Zurück!“ Doch es passierte nicht viel – erst nach einiger Zeit. Und dann lagen wir auch schon an der Pier, ein ziemlich schnelles Anlegemanöver.

Dann fand wieder das übliche Einklarieren und das Schiffaufklaren statt, allerdings nur von denen, die Wache hatten, denn die anderen bekamen in der Messe noch Unterricht. Um 17:45 Uhr war dann Schulschluss, um 18:30 Uhr Abendessen. Von 19:45 Uhr bis 21:30 Uhr hatten wir Landgang, den wir schon echt vermisst haben, nach unserem langen Landaufenthalt in Costa Rica. Als wir an Land kamen, freuten wir uns, da es wieder sehr europäisch aussah. Anhand der vielen Kreuzfahrtschiffe, die in der Bucht lagen, erhofften wir uns eine belebte Insel. Doch das war leider nicht der Fall. Wir fanden einen sehr kleinen und sehr überteuerten Laden. In dem kaufte Johann sich einen Deo-Roller, da er seinen am Tag zuvor verbraucht hatte. Das Schlimme war nur, dass er an dem Tag Backschaft hatte und es der Tag ist, an dem man immer sehr viel schwitzt. Liebe Grüße
Jaron

Endlich wieder auf See

Datum: 19. Februar 2017 (Tag 135)
Position: 17° 03,0′ N; 082 °52,1′ W
Etmal: 190 sm
Wetter: Luft 28°C, Sonne, 1015 hPa
von Carlo

carloSeit ein paar Tagen sind wir nun wieder auf See. Das erfreut mich ungemein. Auch wenn der Landaufenthalt durchaus seine Reize hatte und ich von dem Land Costa Rica sehr begeistert bin, fühle ich mich auf unserer altvertrauten Johnny deutlich wohler. Wenn wie jetzt gerade, um 08:00 Uhr, die Sonne noch nicht so stark scheint, die 04-08-Wache gerade ihren letzten Minuten absteht und uns die Breitfock mit Vortopsegel auf schöne 6,5 kn befördert, geht mir das Herz auf. Doch da gibt es eine kleine Sache, die unsere Idylle hier leicht stört: UNTERRICHT!!!

Dies soll gar keine Kritik an unseren Lehrern oder sonstigem sein. Ich bin sehr davon beeindruckt, wie manche Leute hier an Bord trotz scheinender, tropischer Sonne immer noch so unglaublich motiviert sein können. Dies erschließt sich mir nicht ganz. Dadurch will ich aber die Notwendigkeit von Schule um keines Willen leugnen. Und noch was verstehe ich nicht ganz: Wir sind gestern fast den ganzen Tag über einen sehr flachen Patch mit etwa nur 30m Wassertiefe gefahren. Ich habe fast den ganzen Tag bei optimaler Geschwindigkeit mit tiefgehenden Ködern, sowie Oberflächenködern geschleppt und TROTZDEM NICHTS GEFANGEN!!!

Da an dem Tag ansonsten nicht arg viel mehr passiert ist, erzähle ich euch jetzt, was ich so den ganzen Tag als Schülermaschinist mache. Morgens gibt es immer einen Kontrollgang, bei dem in die Bilge geschaut und überprüft wird, ob alles so ist, wie es sein sollte. Dann vormittags Reparatur- und Wartungsarbeiten. Um 12 Uhr werden alle Betriebsstunden und die Tankstände aufgeschrieben. Nachmittags wieder Wartungs- und Reparaturarbeiten. Abends dann noch die Fäkalientanks abpumpen. Mhhm lecker. 4.800 Liter Scheiße sehen so wieder das Freie. Das ist so das, was jeden Tag ansteht. Dann kommen aber auch noch andere Aufgaben hinzu. Heute habe ich zum  Beispiel den Schmierölfilter, den Kraftstofffilter und den Kraftstoffvorfilter vom Backbord Hilfsdiesel (Dieseldrehstromgenerator) gewechselt. Danach noch Ölwechsel. Demnächst kann ich auch als KFZ-Mechaniker arbeiten. Ist nicht arg anders. Nur das Motoren an Land für gewöhnlich nicht mit Seewasser gekühlt werden.

So das soll’s jetzt auch erstmal gewesen sein. Ich muss jetzt das Schutzgitter von der Welle am Backbord-Hilfsdiesel wieder anschrauben und danach die Filter von der Umkehrosmoseanlage wechseln und wenn die Hauptmaschine wieder steht, bei ihr einen Öl- und Filterwechsel machen.
Carlo