Eine kritische Betrachtung unserer Besteigung des Pico del Teide

Datum: 11. November 2016, (Tag 35)
Position: Santa Cruz, Teneriffa
Etmal: –
Wetter: „eiskoid bis sau hoaß“, dünne Luft, Traumwetter
von Michael

t_michaelSchön, dass solch ein monumentaler Berg wie der Pico del Teide mitsamt der ihn umgebenden, wunderschönen, aber auch größtenteils lebensfeindlichen Natur seit 1954 in Form eines Nationalparks (vor dem Menschen) geschützt wird und 2007 von der UNESCO sogar in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen wurde. Wohl oder übel muss sich der Mensch deshalb an gewisse Regeln halten. Beispielsweise dürfen die Serpentinen des breiten, nur mäßig ansteigenden und somit als „Hatscher“ einzustufenden Fahrweges auf den Montaña Blanca nicht abgekürzt werden. Hinweisschilder machen dies an den entsprechenden Stellen deutlich, wofür man noch nicht einmal der spanischen Sprache mächtig sein muss. Schade, dass sich nicht alle daran halten. Auch einige unserer Schüler nicht. Und dies, obwohl wir Lehrer ausdrücklich betont haben, sich an diese Regel zu halten.

Abgesehen von den Abkürzern, die sich als deutlich sichtbare Linien in der kargen, gar wüstenähnlichen Landschaft verewigt haben, erscheint die Natur unberührt. Bei genauerem Betrachten entdeckt man links und rechts des Weges allerdings – wie leider so oft – Müll, Müll, Müll. Meist aus Plastik. Hinter den großen, schwarzen Lavabrocken natürlich auch die ein oder anderen organischen Hinterlassenschaften. Dazu Klopapier, Klopapier, Klopapier. Warum zum Teufel kann der Mensch seinen Müll zwar auf den Berg, nicht aber wieder mit ins Tal schleppen? Oder zumindest so verbergen, dass sich andere nicht daran stören? Leider musste diese eigentlich selbstverständliche Regel auch unseren Schülern noch einmal deutlich gemacht werden.

Das Refugio de Altavista ermöglichte uns, mit einem leichten Rucksack unterwegs sein zu können, eine gemütliche Nacht in einem richtigen Bett zu verbringen und v.a. einen atemberaubenden Sonnenunter- sowie -aufgang erleben zu dürfen. Leider hat besagtes Refugio den Charme einer Bahnhofshalle, überaus verwirrende, keinen Sinn machende Öffnungszeiten und statt einem kühlen, durchaus wohlverdienten Bier das, was ein richtiger Bergsteiger am allerwenigsten auf einer auf über 3.200 Metern hoch gelegenen Berghütte braucht: WLAN – noch dazu kostenlos. Natürlich verschwende auch ich im Tal viel zu viel kostbare Zeit in der virtuellen Welt. Umso mehr freue ich mich, wenn ich in den Bergen – wenn auch nur vorübergehend –, den Alltag und dessen Sorgen hinter mir lassen und einfach nur sein kann – im Hier und Jetzt. WLAN auf einer Berghütte hindert den Menschen daran, diesen von mir so erstrebenswerten und immer wieder gesuchten, Gott sei Dank auch gefundenen, Zustand zu erreichen. Unseren Schülern wurden WLAN und Smartphones praktisch in die Wiege gelegt, weshalb sie natürlich auch auf einer Berghütte niemals freiwillig darauf verzichten würden. Anstatt einfach nur zu sein – wie ich schon sagte, im Hier und Jetzt –, werden sofort die ersten Fotos mit den Daheimgebliebenen geteilt… Bleibt nur zu hoffen, dass sie trotzdem irgendwann einmal das Nirwana erreichen!

Zu guter Letzt sei noch das Teleférico, also die Gondel, zu erwähnen, die tagtäglich Massen an Halbschuhtouristen von 2.356 auf 3.555 Meter in nur acht Minuten bringt. Zum Glück fährt diese jedoch erst ab 9:00 Uhr… Wir waren bereits um 6:45 Uhr auf dem höchsten Punkt Spaniens und somit weitestgehend alleine.

Trotz meiner kritischen, oft negativen Worte, die nicht allzu ernst genommen werden dürfen, war die Besteigung des Pico del Teide sowohl für unsere Schüler, als auch für mich ein unvergessliches Erlebnis, das ich nicht missen möchte, und im wahrsten Sinne des Wortes der erste Höhepunkt unserer Reise! Zudem bin ich sehr zuversichtlich, dass die Schüler im Laufe der nächsten sechs Monate noch ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein entwickeln werden!
Michael

El Teide

Datum: 10. November 2016, (Tag 34)
Position: Santa Cruz, Teneriffa
Etmal: –
Wetter: Luft 23°C, 1023 hPa, bewölkt
von Damaris

damarisMein Tag begann mit einer schweren Entscheidung darüber, was ich zur Wanderung auf den „El Teide“ anziehen sollte. Nach dem Frühstück holten uns zwei Busse ab, die uns nach Montana Blanca bringen sollten. Während der Fahrt hielten wir kurz an. Zuerst waren Lea und ich etwas geschockt, weil wir dachte, wir würden von da aus loswandern, der El Tiede aber noch in einer guten Entfernung lag. Manuel beruhigte uns aber schnell und meinte wir hätten nur angehalten, um Fotos zu machen. In Monatana Blanca angekommen ging es erstmal über einen etwas breiteren Weg, der noch relativ flach war, durch eine trockene orangenfarbene Landschaft. Nach der ersten Pause teilten wir uns in 3 vom Tempo unterschiedliche Gruppen auf. Als wir nach ca. 2 Stunden an einer Gabelung ankamen, wo der Weg sehr steil über einen schmalen Weg mit Geröll nach oben ging, dachte ich mir erstmal: Super, jetzt können wir viele Höhenmeter auf kurzem Weg erledigen. Nach den ersten 10 Schritten dachte ich aber gleich anders darüber, denn es war wirklich sehr anstrengend. Als wir höher kamen und die Luft dünner wurde, wurde der steile Weg immer mehr zur Belastung. Pausen wurden dann immer mehr nötig, um wieder einen ruhigen Atem zu bekommen. Der wunderschöne Ausblick, den wir während den Pausen genießen konnten, belohnte einen immer wieder und motivierte zum Weitergehen. Melanie sagte uns auch bei jeder Pause, wie viele höhe Meter wir zurück gelegt hatten, dies motivierte einen auch nochmal.

Zwischendurch legten wir einmal eine stille Minute ein, um zu gucken, wie es ist, mal einfach gar nichts zu hören. Wir alle hatten dann ein Summen auf den Ohren, als würden wir gar nichts um uns herum hören. Nach 850 Höhenmetern und 4 Stunden Wandern haben wir endlich die Hütte gesehen. Dort angekommen zogen wir uns erstmal unsere Schuhe aus. Dies war ein sehr erleichterndes Gefühl. Zu unser Überraschung gab es dort oben ein sehr gutes WLAN. So konnten wir uns die Zeit ein wenig vertreiben, während wir zwei Stunden bis zur Öffnung der Hütte warten mussten. Um 18:00 gab fingen wir dann an zu kochen. Wasser kochen dauert auf der Höhe schon viel länger. Es gab Couscous mit Tomatensoße. Nicht das coolste, aber es war essbar und nach 4 Stunden Wandern mag man glaube ich alles. Am Abend, als wir in unseren Betten lagen, unterhielt ich mich mit Zora nochmal über den Tag. Wir fanden den Tag im nachhinein beide sehr schön, auch wenn man zwischendurch echt unmotiviert war, während man über loses Geröll auf allen Vieren versucht hat, zurück zu einem sichtbaren Weg zu finden oder wenn man wegen der dünnen Luft schon nach 5 Minuten wieder völlig ausser Atem war.

Am nächsten Morgen wurde ich um 4:30 geweckt. Zum Frühstück gab es Müsli gemixt mit dem restlichem Couscous von gestern und Kakao. (man soll ja neue Erfahrungen machen) Um 5:30 gingen wir dann los Richtung Gipfel. Nach den ersten 10 Minuten merkte man schon wieder, wie einem die dünne Luft zu schaffen machten. Als schon ein orangenfarbener Rand am Horizont zu sehen war bevor wir überhaupt an der Bergstation waren, fühlte ich mich richtig unmotiviert, weil ich davon überzeugt war, dass wir es nicht mehr rechtzeitig für den Sonnenaufgang zum Gipfel schaffen würden. Es wurde auch ein bisschen heller und man konnte den Gipfel sehen, dies machte mich dann nochmal unmotivierter, weil es einem noch unglaublich lang vorkam. Es war dann zum Glück doch nicht mehr so weit. 5 Meter vor dem Ziel musste ich nochmal anhalten, um Luft zu holen. Endlich oben angekommen war es ein unbeschreiblich tolles Gefühl. Meine Sorgen von zuvor waren gar nicht nötig, denn wir haben es noch genau rechtzeitig geschafft. 5 Minuten nachdem wir angekommen sind, war die Sonne hinter den Wolken zu erkennen. Am Anfang spürte man die Kälte vor Erleichterung gar nicht. Mit der Zeit wurde es aber immer kälter und man freute sich sogar über die stinkenden, aber warmen Schwefeldämpfe. Schnell machten wir uns dann aber auch wieder fertig zum Abstieg. Der ging dann aber recht schnell, war jedoch auch nicht so einfach, wie ich dachte. Bei den steilen Wegen musste man nämlich wirklich aufpassen, um nicht abzurutschen.

Insgesamt bin ich sehr dankbar diese erfahrungsreiche Wanderung gemacht zu haben, auch wenn meine Mutter sich wahrscheinlich niemals vorstellen könnte, dass so etwas mal aus meinem Mund kommt.(vielleicht bin ich ja schon etwas erwachsener geworden (-:). Ich meine es aber wirklich ernst. Es ein unglaublich tolles Gefühl zu wissen, dass man es auf den Gipfel geschafft hat obwohl man zwischendurch nicht mehr an sich geglaubt hat. Ich denke, dass wir alle während dieser Wanderung an unser persönlichen Grenzen gestoßen sind, und zum Teil unterwegs nicht recht wussten, ob wir es bis zum Gipfel schaffen würden oder nicht. Es war auch für mich noch mal etwas anderes mit der Gruppe zu wandern als mit der Familie. Wenn man mit der Familie wandert meckert man oft schneller rum, dass einem der Weg z. B. zu anstrengend ist. Dadurch, dass man zu der Gruppe aber doch noch eine andere Bindung hat, als zu der Familie, hat man es sich nicht immer getraut zu meckern. Dies war glaube ich aber gut, denn so hat man auch nicht so viel darüber nachgedacht, dass es einem teilweise zu anstrengend war. Denn aufgeben war nie eine Option. Zumindest am ersten Tag hatte man keine andere Möglichkeit, als es eben hoch bis zur Hütte zu schaffen.
Damaris