Neues aus dem Keller oder warum Emma auf Wolke 7 schwebt

Datum: 30. März 2016
Position: 36°19,0’N, 047°20,0’W
Etmal: 134 nm
Wetter: Wasser 17°C, Luft 20°C, Wind 5 Bft.
von Verena

Nun haben wir beinahe die halbe Strecke von den Bermudas zu den Azoren zurück gelegt. Ca. 1000 Meilen liegen noch vor uns. Halbzeitfazit: Es wird kälter und kälter, dafür hatten wir aber die letzten Tage schönen Wind. Im Maschinenraum war es daher bis auf das tägliche Brummeln der Generatoren sehr ruhig. Wobei ruhig? Emma hat geschwiegen. Mehr und mehr technikbegeisterte Schüler allerdings ließen sich die verschiedenen Aggregate erklären und können sie nun zum Teil auch schon selbst bedienen. Als Maschinist ist jetzt also die größte Herausforderung, die vielen Fragen zu beantworten und Wissen zu vermitteln. Die regelmäßige Wartung ist natürlich spannend….solange man schrauben darf und z.B. mal ein Filter gewechselt wird, dann ist das Highlight des Tages schon erreicht! Der Wind war zwar wie schon gesagt in den letzten Tagen recht gut zu uns, aber er soll leider nachlassen.

Deshalb ist heute das Hauptthema: Wie geht die Maschine an, wenn der Wind uns ganz im Stich lässt? Maschinist (erklärend): „Um einen Dieselmotor zu betreiben, braucht man eine WOLKE:

W asser (alle Kühlwasserventile auf???)
O el (Ölpumpe an, Öldruck vorhanden?)
L uft (Maschinenraum ausreichend Luftzufuhr?)
K raftstoff (Tagestank voll? Schieber alle auf?)
E nergie (Pressluftventile auf, Flaschen voll?)

Alles soweit klar. Um aber eine solche Schönheit wie Emma zu betreiben, braucht man zusätzlich ganz viel Liebe!!!“ Maschinenassistent daraufhin: „Also nicht Wolke, sondern Wolke 7!!!“ Womit er eigentlich recht hat….

Auf Wolke 7 schweben dann allerdings die Assistenten, wenn sie mal selbst starten dürfen und sich alles dreht, wie es soll. So hoffen wir denn, dass die angedrohte Flaute nicht zu lang anhält und Emma keine Dauerschicht schieben muss. Wir lieben zwar ihr wunderschönes Geräusch… aber wir sind ja nunmal ein Segelschiff und hoffen daher auf weiterhin guten Wind. Viele Grüße aus dem warmen Keller von der Mitte des Atlantiks an alle daheim und die Kollegen unterwegs!
Maschinistin Verena

Grüße: Ich grüße ganz ganz dolle Carlotti und Mucki! Ich vermisse euch so sehr 🙁

Noch ’ne Woche Schule- – endlich

Datum: 29. März 2016
Position: 36°08,5’N, 052°57,0’W
Etmal: 136,5 nm
Wetter: Wasser 19,5°C, Luft 21°C, Wind 5-6 Bft.
von Judith

Zu Hause morgens: Der Wecker klingelt, man guckt auf die Uhr, man will eigentlich weiterschlafen (ich schlaf auch wieder ein). Hier an Bord ist es eigentlich ein bisschen anders. Man wird zwar jeden Morgen (auch viel zu früh) mit unterschiedlichen Informationen geweckt. Dann startet aber der innere Monolog: Steh ich auf, bleib ich noch liegen, ignoriere ich einfach, dass ich geweckt wurde… Inzwischen steht man auf, schläft dafür aber fast beim Frühstück wieder ein.Wie auch zu Hause warten wir sehnsüchtig auf die unterrichtsfreie Zeit und wollen in unsere Ferien, also wieder in den vollen Wachen fahren. Jedoch wird im Gegensatz noch mal in der letzten Woche Schule voll angezogen, Klausuren werden angekündigt, das Tagespensum an Stunden wird angezogen. Man guckt also nicht informierende und bildende Filme oder Serien, wie die Simpsons oder „Fuck yu Göte“. Dementsprechend versucht man zu lernen.

Die Bedingungen werden inzwischen aber wieder anstrengender. Wann muss man lernen und vor allem wo? Natürlich, wenn man Freiwächter ist, aber die Frage des Ortes bleibt weiterhin kritisch. Es gibt vormittags Unterricht in der Messe, in den Kammer schläft eigentlich immer jemand und außerdem sind sie nur zum Schlafen eingerichtet. Man kann nicht darin aufrecht sitzen und dabei den Seegang ausbalancieren. Vor Costa Rica und Kuba setzte man sich dann auf Deck und bräunte sich gleichzeitig (Ich blieb dann beim Bräunen hängen und wunderte mich dann, wie viel Zeit schon vergangen ist). Jetzt rette ich mich schon vor Regen und Brechern (diese Witterungen habe ich überhaupt nicht vermisst), sodass das Deck auch wegfällt. Meine Prognose zum Lernen: Knapp oder gar nicht.

Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr gut auf sehr hohen Niveau meckern kann. Die Schulzeiten sind netterweise sehr an uns Schüler angepasst und wir bekommen selten Hausaufgaben auf, die man aber auch innerhalb von 10 Minuten erledigen kann. Also empfehle ich allen Schülern, denen ihr Schulalltag zu stressig ist, mit bei HSHS mitzufahren, um den entspannendsten Unterricht zu haben. Dies sollte aber nicht nur der einzige Grund sein. Ich grüße alle meine Freunde und meine Familie und freue mich euch wieder zu sehen. Angeblich sind es noch 40 Tage, andere meinen es seien nur noch 39 Tage.
Judith

P.S.: Robin muss wohl krank sein. Heute hatte er nicht den Satz für mich: „Hey Judith, du schreibst heute Tagesmeldung.“ Ich glaube, dass das dann meine letzte war.

Grüße:
Johannes freut sich über den Wind und genießt den Bordalltag mit den wissbegierigen Schüler*innen. Ich freue mich aber auch schon wieder auf den Frühling bei und mit all meinen Lieben! PS: In den Grüßen vom Ostersonntag gibt“s auch ein Osterei!
Josha wünscht seiner kleinen Schwester alles Gute und Gottes Segen zum Geburtstag, grüße auch den Rest meiner Familie! lieb euch<3