Ein ganz normaler Tag im April

Datum: 1. April 2016
Position: 36°23,8’N, 045°06,6’W
Etmal: 116 nm
Wetter: Wasser 18°C, Luft 22°C, Wind 3 Bft.
von Melinda

Glücklicherweise hatten wir heute volle Wachen. Normalerweise gibt es dann immer viel zu bereden. Statt einer Stunde Ruder und einer Stunde Ausguck pro Person gibt es nur noch 20 Minuten pro Person, allerdings gibt es eben auch nicht nur drei, sondern gleich 8 andere Schüler*innen, mit denen allerlei zu bereden ist. Heute gab es aber außerordentlich viel zu tun. Wir, die 0-4 Wache, setzten alle Segel bis auf die Royals und die Brigg und das in nur zehn Minuten inklusive auspacken und brassen.

Es war das Ziel nach langem Kampf und großer Jagd. Halb zwei morgens. Voll in Ölzeug bekleidet und mit Bommelmütze getarnt. Ich gehe mit Übermut den Niedergang runter, enttäuscht wurde ich in der Kombüse, doch als ich in das Marmeladenfach schaute wurde ich angelächelt. Plötzlich steht Stella vor mir und fängt an zu lachen. Mist jetzt muss ich mein Essen teilen. Beide hatten wir in fünf Minuten Abstand unserem Toppsi erzählt, dass wir uns eben nur ein Brot holen würden. Doch jetzt erhielt die Vorstellung eines Brotes eine neue Dimension. Wir fischten den heiligen Apfel-Birnen-Bananen Mark aus dem Fach, fingen gerade an, ihn in uns hineinzuspachteln, als plötzlich der Wal wieder auftauchte. Jetzt wussten wir, womit wir es zu tun hatten, deswegen war er heute gekommen. Stella und ich schauten uns an, packten unsere Schälchen und schlichen den Gang runter. Ohne Ziel, bis sich plötzlich die Dosenlast in unser Blickfeld schob. In Windeseile schraubten wir die Verschlüsse auf und verschwanden unter der Klappe. Durch diesen Eingang würde unser großer, ehrfurchterregender Verfolger es nicht schaffen. Wir waren in Sicherheit und vor uns eröffnete sich noch ein viel größeres Glück. Eine ganze Kiste voll mit Apfelmus. Aber jetzt war es zu spät. Mein allbeliebter Magen meldete sich wieder. Aber im weiteren Kampf gegen eine Apfelmusübelkeit war der Wal uns überlegen…

Heute gab es zu Kaffee und Kuchen Schoko-Haferflockenkekse. Hier das Rezept, denn Nachbacken ist empfehlenswert:

3/4 Tasse weiche Butter
3/4 Tasse braunen Zucker
1/2 Tasse weißen Zucker
1 Ei
2 EL Wasser
2 EL Vanilleextrakt
3/4 Tasse Mehl
1 EL Zimt
3/4 EL Backpulver
3 Tassen Haferflocken
1 1/2 Tassen (am besten Zartbitter-) Schokoladenstückchen
Ergibt etwa 30 Stück.

Den Backofen auf 180° vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen. Butter, Zucker Ei, Wasser und Vanille schaumig schlagen, dann den Rest der Reihe nach dazu. Die Masse mit 2 Esslöffeln aufs Backblech geben, dabei nicht zu flach verteilen, sie laufen beim Backen noch auseinander. Etwa 15 Minuten in den Ofen und fertig!

Bei der Wachübergabe wurden wir erst einmal durch Ruhestörung aufgeweckt. Die 8-12 Wache hat einen Chor gebildet! Aufgestellt in verschiedenen Stimmen – oder war es doch die Wachaufstellung?! Auf jeden Fall war ich dann wach. Gute Nacht

Für mich als 4-8ler verlief der Tag sehr unspektakulär, da ich einen riesigen Aufstand um den 1. April erwartet hätte. Klarsichtfolien auf den Toiletten, an den Türen der Lehrer, Salz und Pfeffer vertauschen, Unterwäsche hissen? Nein, ein ganz normaler Wachtag ohne jegliche Aufregungen. Ich glaube ich bin die einzige, die an dem heutigen Tag auf die Schulter genommen wurde. Beim Deckspulen: „Melli, zieh mal die Bordwand ab, aber bitte gründlich, das ganze Salz muss weg!“ Ich natürlich stell“ mich mit dem Abzieher an die Bordwand und ziehe ab. Dumm bin ich mir schon vorgekommen, aber auf die Idee gekommen, dass das totaler Schwachsinn ist, bin ich auch nicht. Nach meiner brillanten Aktion wurde ich dann mit schallendem Gelächter meiner Mitwächter empfangen! Danke Jorge und Anton, der unlustigste und einzige Aprilscherz an diesem Tage. Ah doch nicht der einzige… Vitus, Robo und Robin haben sich ganz originell die Hälfte ihres Bartes abrasiert. Jetzt sehen alle 10 Jahre jünger aus, insbesondere Vitus 🙂 Alle Ereignisse haben sich genau so zugetragen wie hier beschrieben. Tag der Skeptiker, nicht Scherztag, wäre passender.
Melinda & Die Wache 0-4

Grüße: KP grüßt seine Sippe.
Stella grüßt ihre Suppe 😉
Johannes auch. Sehr lecker.
Melli grüßt die Bordwand

Genieße den Tag

Datum: 31. März 2016
Position: 36°19,0’N, 047°20,0’W
Etmal: 134 nm
Wetter: Wasser 17°C, Luft 20°C, Wind 5 Bft.
von Ana

In fast allen Tagesmeldungen geht es um den langweiligen Bordalltag oder über andere langweilige Dinge. Ich will euch was über die schönen Dinge hier an Bord erzählen , die viel zu selten beschrieben werden. Natürlich ist es blöd mitten in der Nacht geweckt zu werden, aber Wache ist eines der Dinge auf die ich mich am meisten freue. Denn wenn man Glück hat, kann man in der richtigen Wache sowohl Sonnenaufgang als auch Sonnenuntergang beobachten. In der Nachtwache kann man außerdem auch fast immer die Sterne sehen, und vielleicht sieht man auch die einen oder anderen Sternenbilder. Der Ausguck ist die Zeit des Nachdenkens. Man ist alleine, hat Zeit für sich und man kann den Himmel sowie das Meer wunderschön beobachten. Das Meer hat ebenso viele Besonderheiten, mal kleine, mal große Wellen, das Meeresleuchten, welches mich immer wieder beeindruckt und die vielen Meeresbewohner, von denen wir auch manchmal welche zu Gesicht bekommen.

Am Ruder fühlt man sich stark, denn man hat die Kontrolle über das Schiff, aber wehe man fährt in die falsche Richtung. Toll ist es, wenn man dann Segel setzt und man merkt, wie schnell wir sind und mit was für einer Leichtigkeit die Roald übers Meer gleitet. Der Seegang lässt zwar die einen oder anderen erkranken, aber wie langweilig wäre denn der Unterricht, wenn keine Unterlagen durch die Gegend fliegen. Dann die Abende, an denen man Filme guckt oder einfach in der Messe sitzt und sich miteinander unterhält. Und wenn man dann mal in der Nacht nicht schlafen kann, sind immer genug Leute wach mit denen du reden kannst. Die Lehrer, der Stamm und alle Schüler sind wie meine zweite Familie für mich und die Roald ist unser gemeinsames Zuhause. Hier fühle ich mich so geborgen, dass ich gar nicht mehr gehen möchte, aber in Deutschland erwartet mich meine richtige Familie (nicht dass ich die weniger lieb hab). Ich weiß jetzt schon, dass ich auf jeden Fall wiederkommen werde nach der Reise. Ich vermisse meine Familie zuhause ganz doll und hab euch genauso, wenn nicht mehr lieb. Grüße an alle in St.Tönis und Krefeld.
Ana

Grüße: Karo sendet endlich mal wieder ganz viele Grüße nach Lindenberg.
Grüße an die Seeseilschaft.