Auf dem letzten Stremel…

Datum: 24. April 2021
Position: 47°24,6‘N, 016°56,8‘W
Wetter: sonnig, vereinzelte Wolken
von Norbert, Kapitän JS

Liebe Eltern, Verwandte und Bekannte der Schüler*innen auf der jetzigen HSHS-Reise! Homebound sind wir nun schon auf dem Atlantik zwischen den Azoren und dem Englischen Kanal. Ein lokales Sturmtief war so freundlich uns in seinem etwas ruhigeren Kern ein gutes Stück mit nach Osten zu nehmen. Nun entlässt es uns und wir werden unseren Weg weiter ohne es finden. Womöglich über Schottland? Ihr habt uns Euer Liebstes mit auf die Reise gegeben. Eure Kinder. Danke für Euer Vertrauen. Vielen von Euch ist es vielleicht nicht leichtgefallen, sie ziehen zulassen. Aber Ihr bekommt mehr zurück: Tolle, junge, selbständige Erwachsene. Sie haben viel erlebt inzwischen. Auch wenn Corona nicht immer alles, was sonst vielleicht zu machen gewesen wäre, zugelassen hat. Sie haben sich überall auf der Reise gut zurechtgefunden. Ihr habt ja immer mitgelesen und mitgefiebert. Es ist eine prächtige Truppe geworden. Mir hat es schon auf der Ausreise ganz viel Freude gemacht mit allen zusammen zu arbeiten.

Jetzt auf dem letzten Stremel lasse ich mich von ihnen fahren. Auch wenn jetzt nicht jeder Schülerkapitän werden kann, sind doch alle begeistert bei der Sache. Man merkt ihnen sehr an, dass sie zeigen wollen, was in ihnen steckt, was sie gelernt haben und was sie damit leisten können. Die Segelmanöver und die Bordorganisation zum Beispiel klappen ohne viele Worte. Es ist mir eine Freude, ihnen dabei zuzuschauen.

Den tollen Lehrer*innen und dem Stamm von Clipper möchte ich hier ganz herzlich danken für das ganze Herzblut und all die Mühen, die sie in diese Reise gesteckt haben. Alle sehen es sicher so wie ich, dass es sich gelohnt hat, zu erleben, wie sich die jungen Menschen entwickelt haben. Sicher haben sie auch ganz viel Freude dabei gehabt und ebenso viel erlebt. Noch ist die Reise ja nicht zu Ende. Davor ist noch der SBF, für den jetzt alle fleißig lernen. Schauen wir, wie Corona unsere Ankunft in Kiel zulässt. Freuen wir uns alle auf ein gesundes, fröhliches Wiedersehen mit all unseren Lieben.
Grüße von Bord, Norbert

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Datum: 23. April 2021
Position: 45°33,5’N, 018°44,2’W
Wetter: windig & wellig
von Merle

Moin ihr fleißigen Blogleser*innen, am heutigen Tage schreibe ich erneut Blog. Yeyyy! Was gibt’s zu berichten? Nichts! Ok, dann tschööö mit ööö. Spaaaaß, ich finde bestimmt irgendwas, das ich euch erzählen kann wie zum Beispiel, dass wir in den letzten 48h praktisch dauerhaft 9-10 kn gefahren sind. Wir kommeeeen Freunde! Aber dafür, dass wir so unglaublich faaast sind, haben wir eine recht hohe Dünung, durch die wir die ganze Zeit am Rollen sind…… „They see me rolling, they hate it…“….. Das heißt für einen Teil der Besatzung, zu dem auch ich leider gehöre, Übelkeit. Räudig, seid froh, dass ihr ruhig in euren breiten, nicht schaukelnden, warmen, trockenen Betten die Nacht durchschlafen könnt. Aber ich muss sagen, es hat was von 00:00 bis 04:00 mit den besten Freunden draußen zu sitzen, egal welches Wetter, gemeinsam zu lachen, die volle Breitseite von irgendwelchen monströsen Wellen zu bekommen und gemeinsam über die sieben Monate verteilt, alle möglichen Manöver zu Sechst, mit der folgenden bzw. vorherigen anderen Wache zu fahren. Das ist ein Gefühl, das kann man, glaube ich, nicht wirklich nachvollziehen, wenn man es nicht selbst gemacht hat.

Nachricht an kommende High-Seas-Schüler*innen: Das ist alles Fake. Noch ist es nicht zu spät, meldet euch ab! Jetzt!!! Kotzeritis kickt! Die Klabautergeister suchen die Johnny heim! Ich habe sie selber gesehen *hust *hust (kluger Rat vom weisen, fast gehirnlosen Frederick und der weisen Merle *bei Meeresleuchten mutiert Fredo zum Werpottwal :‘)).

Aber nun zurück zum Schiffsgeschehen. Gestern morgen nach dem Frühstück haben wir den Schoner geborgen. Es hat sich ausgeschont, denn nun kommt ordentlich Wind! Nachdem wir den Schoner also nun geborgen haben, hatten wir betreute individuelle Lernzeit. Ich habe die Zeit genutzt und was für die Feuerwehr gelernt, da ich noch vorhabe im Herbst meine Truppmann I Ausbildung zu machen. Mal schauen, ob Corona mir da nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Der SBF ist bei mir nicht sooo akut, da ich genau 14 Tage zu jung bin; wie Noah dazu so treffend sagen würde: „Der Fachbegriff dafür ist ‚reingeschissen’“.

Am Nachmittag hat die ganze Unterrichtsgruppe bei Jürgen und Wolfgang die Kartenaufgabe 2 für den SBF bearbeitet und Kartenaufgaben haben was. Also mir machen sie richtig Spaß und ich freue mich auf morgen, wenn wir die dritte Kartenaufgabe machen. Dazu kommt das vorletzte „normale“ Großreinschiff, da hält sich die Freude wiederum in Grenzen. Aber hey, was gemacht werden muss, muss gemacht werden. Gestern Abend haben wir dann noch zwei Dokus gesehen, eine über den Menschheitstraum Fliegen und die andere über Hokkaido. Um 00:00 Uhr hatte ich dann Wache und ich muss sagen, die Temperatur in der Karibik ist angenehmer, als hier Mitten im Nirgendwo auf dem Atlantik! Leute, wir haben sogar gerade eine komplett weiße Seekarte, wenn das nichts zu sagen hat, dann weiß ich auch nicht weiter. Spaß, sie ist bloß weiß, weil die Karte ein sogenanntes „Plotting sheet“ ist. (Googlet es, wenn es euch interessiert!). Nun, ich war also sehr froh, als ich endlich in meiner Koje lag, nachdem ich Fredo aus dem Bett schmeißen durfte. Sowas macht doch Spaß. Deine Freunde um 04:00 nachts aus dem Bett zu werfen, das werde ich zuhause vermissen. Naja, ich habe ja noch zwei große Brüder, bei denen macht das bestimmt auch Spaß ;). Heute wurde ich dann wieder um 11:00 Uhr geweckt (da ich mal wieder verpennt habe, wurde ich von Selma um 11:30 Uhr zum Mittagessen nachgeweckt … ooopps, danke Selmo).

Um 17:00 Uhr haben wir Groß und Schoner ausgerefft und den Schoner gesetzt. Der Schoner ist jetzt auch genug geschont worden. Die neue Schülerstamm lebt sich auch gut ein. Die Manöver funktionieren unter ihrer Führung immer besser. Naja, und nun sitze ich hier neben dem fast gehirnlosen Werpottwal Fredo und schaukle so vor mich hin, in der Hoffnung einen amüsanten Blogeintrag zu schreiben. Die letzten zwei Wochen beginnen nun. Viele bemühen sich, die Zeit nochmal richtig zu genießen, so auch ich. So Freunde, jetzt muss ich mich aber wieder verabschieden, um wieder Klabautergeister jagen zu gehen, oder auch einfach, um mit dem fast gehirnlosen Werpottwal Fredo das Meeresleuchten zu bewundern, welches wir nicht mehr so oft sehen werden. Tschööö! Das war mein letzter Blog-Text.

An folgende HSHS-Schüler*innen: Genießt es! Es ist eine einmalige Zeit, die euch nie wieder loslässt. Macht nichts Falsches, denn wenn ihr das tut, habt ihr den gnadenlosen Fluch auf euch, der euch bis in eure tiefsten Träume verfolgt! 🙂
Merle

Grüße:
Selma grüßt die anderen fünf Orgelpfeifen: „Wir haben heute gaaanz viel ABBA in der Backschaft gehört und ich musste an euch und Mamma Mia denken! Freu mich schon auf euch und natürlich Pierce Brosnans Engelsgesang 🙂 !!“
Merle grüßt ihre Familie. Bis in 14 Tagen. Dann sehen wir uns ja ganze 18h…… freue mich auf euch!
Wehe du kommst nicht Tom, hab dich lieb! Außerdem grüße ich Ananas. Freue mich, dich wieder zu sehen. Habe verpennt, dir die Briefe zu schreiben, sorry!!!
Anabel grüßt ihre Familie: „Hab euch lieb und freue mich auf euch!!!“, ihre Großeltern: „Hoffentlich kann ich euch trotz Corona bald mal wieder besuchen.“, Ludo: „Ich hoffe, dass du weiterhin die Blogeinträge liest, nachdem Opa dir meinen super tollen Blog zu lesen gegeben hat. Ich hoffe der Brief, den ich dir geschrieben habe, kommt an.“, Emma: „Wir müssen in Kalle zusammen Mamma Mia gucken, weil ich heute die ganze Zeit während Backschaft mit Selmo Abba gehört habe!“
Der fast gehirnlose Werpottwal Fredo grüßt Pauli. Ich vermisse dich und ich hoffe alle Pullover von mir sind noch da!;)