Horrorbackschaft und Papageifische

Datum: 8. Dezember 2018
Position: 19° 07,4 N , 040° 25,1′ W
Etmal: 167 sm
Wetter: Luft 26°C
von Severin

Heute hatte ich zusammen mit Tom C. und Phil Backschaft. Zum Mittag standen Reibekuchen auf dem Essensplan. Wir haben am Vortag die Kartoffeln geschält, um keinen Zeitdruck zu haben, hatten ihn dann aber trotzdem. Es dauerte anderthalb Stunden, um die zwei mit geschälten Kartoffeln gefüllten Eimer zu reiben. Um 10:00 Uhr fingen wir an, die ersten Reibekuchen in die Pfanne zu hauen. Um schneller zu sein, arbeiteten wir mit vier Pfannen gleichzeitig. Es brachte uns einen netten Einblick ins Fegefeuer. Die Belüftungsmöglichkeiten der Kombüse kamen nicht hinterher. Wenn ich sage: “Wir haben geschwitzt wie ein Schwein am Spieß“ ist das noch untertrieben.

50 Liter Schweiß und einen Feueralarm später servierten wir die Reibekuchen. Es hat wohl – das hoffe ich zumindest – allen ganz gut geschmeckt. Danach mussten wir uns um die Küche kümmern. Es sah schlimmer aus als auf einem Schlachtfeld. Der Teig für die Reibekuchen hatte seine Spuren hinterlassen: Es sah aus, als hätte ein Schwarm Möwen über Wochen ihr Geschäft in der Kombüse verrichtet. Fünf Stunden später wurden wir fertig und die Kombüse war nahezu aufgeräumt. Abschließend erzähle ich euch noch etwas über den Papageifisch, über den Tom C., Patrick und ich im Biounterricht spontan einen kleinen Vortrag in Form eines Raps erarbeitet und präsentiert haben. Über den Beat von „Livin Proof“ rappten wir:

Der Papageifisch ist ein Lippenfisch,
bei ihm kommen Algen auf den Tisch,
zu den Algen kommt noch Korallenstein,
diesen zerreibt er mit seinem Schnabel ganz fein.

Er lebt im Korallenriff und scheißt viel Sand,
das ist wichtig fürs Riff, das liegt doch auf der Hand,
nachts schützt er sich mit einem Kokon aus Schleim,
88 Elefanten können sich auf seinen stabilen Zahn stellen.

Ein Männchen befruchtet sein ganzes Harem allein,
dies beschützt er mit Floss und Stein,
er lässt keinen anderen zum Schuss,
bis er den Löffel abgeben muss.

Gibt es keine Männer mehr,
bedrückt das die Weibchen sehr,
ein Weibchen wandelt ihr Geschlecht dann um,
Das ist gar nicht so dumm!

Ich grüße meine Familie und Freunde!
Mit lieben Grüßen, Severin

Wasser über Wasser!

Datum: 7. Dezember 2018
Position: 19° 15,6’N, 037° 48,9’W
Etmal: 156 sm
Wetter: Wasser 25°C, Luft 25°C, Wind NNE 4-5 Bft.
von Aaron

Knapp nach Geisterstunde wurde ich heute voller Empathie von meinen zwei liebsten Mitseglerinnen Locke und Bianca geweckt. Vier Stunden Seewache lagen vor mir, bei einer schönen Nacht mit trockenen 25°C. Kann schlimmer kommen… Ich fing mit dem Brückendienst an und rotierte dann alle halbe Stunde zum Ausguck und zum Ruder. In der Brücke fing ich ruckzuck mit der Aufgabe „Großwetter“ an und stellte hierbei einen Rekord von 9 Minuten auf. Da der Tag bis auf einen kurzen Besuch von Walen ohne spektakuläre Ereignisse verlief, lege ich mein Augenmerk in diesem Bericht auf die Wache – insbesondere auf den Verantwortungsbereich „Großwetter“.

Großwetter beschreibt eine zeitlich abgestimmte Meldung des aktuellen Wetters an den meteorologischen Dienst. Dazu füllen wir ein Formular auf dem PC aus, in welchem wir unsere gemessenen Werte eintragen. Anschließend senden wir das Formular dann per Satellit nach Hamburg. Um die von uns erhobenen Daten – wie etwa Lufttemperatur, Wassertemperatur, Luftdruck bzw. Luftveränderungen, Wolkenbedeckung und Art und Weise der Wolken – fachgerecht anzugeben, werden all diese Informationen in Form von Kodierungen an den Deutschen Wetterdienst (DWD) von uns weitergegeben und dies machen wir alle drei Stunden! Zuhause könnt ihr die von uns eingetragenen Werte dann unter dem Link www.sail.wx verfolgen! 🙂

Nach meiner Nachtwache nahm ich genüsslich einen verspäteten Mitternachtssnack ein und kämpfte mich zu meiner Koje. Ausgeschlafen wusch ich dann um 9:00 meine Wäsche, ging dem Rudergänger auf die Backen und duschte heiß. Zum Mittagsessen nahm ich genüsslich Labskaus, Rollmops und Rote Beete ein. In dem Ablauf Lesen, Wache, Essen, Schlafen, Essen, Sonnen, Wache, Essen wird es nun erstmal weitergehen… Grüße an die Steinzeitpunkerfrau & an die Hühnerknochen. Arividerci,
Aaron.