Wetterumschwung

Datum: 10. April 2019
Position: Horta, Azoren
Etmal: k.A.
Wetter: kühl und wolkig
von Max Reimer

Entgegen meiner Vorstellung stellten sich die Azoren nicht als Schönwetter-Whale-Watching-Paradies mit türkisfarbenem Wasser und weißen Stränden heraus. Tatsächlich sind die Azoren mit einer Durchschnittstemperatur von 19°C im Sommer weit davon entfernt. Das Wetter erinnert mich eher an England im Herbst, ist regnerisch, kalt und nass. Aber immerhin: Wir sind wieder in Europa und genießen den Luxus von mobilem Internet auf den Handys und endlich sind auch die Preise im Supermarkt wieder vernünftig. Vormittags standen heute einige Decksarbeiten auf dem Programm, beispielsweise das Nähen und Zusammenlegen von Segeln, das Ausscheren des Großfalls, das Abkratzen von Rost und das Freischlagen von Rutschern der Baumfock.

Nach erledigter Arbeit gab es Mittagessen und dann Landgang. Für mich ging es ins Peter Café Sport, wo ich mir noch ein Knoblauchbrot und Burger mit Pommes gönnte. Außerdem kaufte ich mir noch ein paar Dinge im Supermarkt und genoss es, mal wieder WhatsApp-Nachrichten empfangen und senden zu können. Auslaufmöglichkeiten gibt es hier übrigens auch genug. Direkt in Hafennähe gibt es ein paar Hügel und schöne Wanderwege. Außerdem erahnen wir hinter den Wolken den höchsten Berg Portugals, den Pico, Einige von uns planen für den morgigen Tag eine Exkursion zur Spitze. Ob sie dort ankommen werden, wird Josi euch morgen berichten…
Max

Land gesichtet, Rekorde gebrochen

Datum: 9. April 2019
Position: 38°19,9’N, 028°20,2’W
Etmal: 147 sm
Wetter: Luft 16,7°C
von Philipp Spannheimer

Servus, heute Morgen bin ich noch in der Routine eines regulären Wachtages zu meiner 4-8-Wache gegangen. Wie immer stand einer von uns am Ruder, an Backbord und Steuerbord waren jeweils beide Ausgucke besetzt und einer kümmerte sich um alle in der Brücke anfallenden Aufgaben. In unserer Wache geschah es dann auch, dass der Backbordausguck ein Leuchten am Horizont meldete: die Azoren. Nach einem müslireichen Frühstück habe ich den Vormittag dann verschlafen und bin erst zum Mittagessen (leckere Spaghetti Bolognese) wieder aufgestanden. Unsere Schülerkapitänin informierte uns hierbei auch darüber, dass unser Einlaufen in Horta auf 15:00 angesetzt war. Also wurde um 14:00 ein All-Hands zum Bergen der Segel ausgerufen. Zunächst bargen wir die Vortoppsegel und die Breitfock und zuletzt das Großsegel. Anschließend schaukelten wir mit eifrigem Seegang (laut Norbert mit einer Krängung von 15 Grad) auf Horta zu.

Vor uns bot sich ein herrlicher Ausblick und wir fühlten uns an die Landschaft von Madeira zurückerinnert. Die Vorbereitung des Einlaufens verlief wie gewohnt: Fender und Leinen wurden herausgeholt und bereitgelegt und die Stationen wurden verteilt. A- und C-Wache waren wie immer zuständig für die Vor- und Achterleinen und für die Vorspring und die B-Wache für Mittelspring und Fender. Das Manöver lief echt gut. Nur einer der kleinen Fender riss und fiel ins Wasser, konnte jedoch schnell von uns herausgeholt werden. Nachdem die Gangway aufgestellt war, hinderte uns nichts mehr daran, nach zwei Wochen zum ersten Mal wieder Land unter den Füßen zu spüren. Und dies übrigens auf einer wahnsinnig beeindruckenden Pier, die von Tausenden von Kunstwerken verziert war. Ob wir es auch schaffen werden, uns so künstlerisch auf der Pier zu verewigen?

Heute schafften wir es auf jeden Fall, einen Rekord zu brechen: Da Landgang ja immer erst nach Abnahme der Kombüse freigegeben wird, haben wir Geschirr und Kombüse nach dem Abendbrot heute in weniger als 20 Minuten blitzeblank geputzt. Normalerweise braucht eine Backschaft dafür übrigens etwa zwei Stunden. Was Motivation und Teamarbeit so ausrichten können… Mit lieben Grüßen nach Bayern
Phil