Samanthas Rückkehr

Datum: 1. November 2018
Position: 42°31,2’N, 010°00′ W
Etmal: 84 sm
Wetter: Luft 15,5°C
von Philipp

Servus liebe Tagesberichtleser, der heutige Tag war so wie eigentlich jeder Tag an Bord wieder ereignisreich: Nach dem sehr wellenreichen gestrigen Tag waren die Wellen heute etwas schwächer. Die Höhe der Wellen scheint allerdings nicht mit der Anzahl an seekranken Schülern zu korrelieren, denn trotz geringerer Wellenhöhe spendeten heute immer noch viele Schüler ihr Essen den Fischen. Nahezu allein am Abendbrottisch sitzend fragte Claudi mich, wie es denn sein könne, dass fast niemand in der Messe sei oder Hunger habe. Aber das ist wohl einfach zu fragen, wenn man selbst noch nie seekrank war 🙂

Unserem Stamm schien der Anblick untätiger Schüler heute vermutlich ebenfalls nicht allzu sehr zu gefallen, sodass sie ein erneutes „All-hands-Manöver“ einleiteten, das einigen von uns dann wirklich den letzten Impuls fürs Fische füttern lieferte. Manchmal hat es aber auch Vorteile, sich über die Reling zu hängen und sich mal wieder der uns begleitenden Tierwelt zuzuwenden. Hätten wir nicht gestern sonst sogar übersehen, dass unser „Hauswal“ Samantha uns wieder begleitete? Servus nach München und liebe Grüße an meine Familie
Phil

PS: Fynn grüßt alle!

 

Über Routinen

Datum: 31. Oktober 2018
Position: 43° 44,3′ N, 008° 51,9′ W
Etmal: 107 sm
Wetter: 13°C, kalt und windig
von Linqui

Wir sind schon mehr als 20 Tage an Bord und die meisten von uns haben über die Tage ganz unterschiedliche Befindlichkeiten durchlebt. Manche von uns haben sich schon völlig an das Bordleben gewöhnt, andere hadern immer noch etwas mit Seegang und mit den Strukturen des Wachbetriebs. Auch heute gab es wieder seekranke Schüler, aber immerhin hat es diesmal nicht alle Backschafter getroffen. Wegen des Windes sind wir heute wieder einige Wenden gefahren, sodass der Schlaf einiger Schüler immer wieder von All-hands-Manövern unterbrochen wurde. Außerdem haben wir heute in der Ferne drei kleine Wale gleichzeitig gesehen. Völlig irre eigentlich, dass die Sichtung von Walen schon normal geworden ist, obwohl dieses Ereignis doch so etwas besonderes ist.

Ebenfalls besonders ist, dass heute Halloween ist. Geschminkt haben wir uns allerdings nicht und auch die Geister haben sich wohl nicht so weit aufs Meer rausgetraut. Wir scheinen hier gerade nahezu alleine auf dem Wasser unterwegs zu sein.

Das Leben auf dem Meer ist im Vergleich zum Leben an Land wirklich verschieden und faszinierend: Die Personen auf dem Schiff bilden eine Gemeinschaft und jedes Schiff als Ganzes ist dennoch so wie eine Person, die ihrem Weg folgt, auf dem es noch andere „Personen“ gibt, die aber wiederum für sich alleine sind. Zwischen ihnen gibt es zwar unabdingbar wichtige Signale, aber keine Kommunikation im eigentlichen Sinne. Jeder fährt seinen Weg für sich, den jeweils eigenen nächsten Zielort vor Augen. Und innerhalb des jeweiligen Mikrokosmos arbeitet die ganze Bordgemeinschaft für dessen Funktionieren und müssen hierfür auch manchmal das eigene Wohl zurückstellen.

Und so ist es dann auch eigentlich nicht mehr allzu schlimm für ein „All Hands“ aus dem Schlaf gerissen zu werden. „Einfach machen“ denken wir dann, inzwischen schon an Ungewöhnlichkeit gewöhnt. Und unser Mikrokosmos schlägt sich weiter seinen Weg durch die Wellen mit Kurs auf Madeira.
Mit lieben Grüßen, Linqui