Der erste Advent an Bord

Datum: 2. Dezember 2018
Position: 22°5,1’N, 027°24,5’W
Etmal: k. A.
Temperatur: Luft 24°C, Wasser 26°C
von Robin

Aloha, willkommen zu meinem Blogeintrag über den zweiten Dezember, den ersten Advent. Heute wurde ich weihnachtlich mit den ermunternden Worten „Es gibt Frenchtoast“ geweckt. Ich raste zum Frühstück und wurde von der Backschaft mit unangekündigtem French Toast überrascht… Das war auf jeden Fall eine angenehme Abwechslung zwischen dem ganzen „Do-it-yourself“-Brot, das wir normalerweise immer essen. Norbert kündigte heute beim Frühstück an, dass unser in Teneriffa zugestiegener Steuermann Lothar eine Unterrrichtstunde über den Umgang mit dem Sextanten durchführen wird. Diese Möglichkeit nutzte ich natürlich nach dem Frühstück aus und ging motiviert in die astronavigatorische Unterrichtsstunde. Nach zwei Stunden kam ich mit einem brummenden Schädel wieder heraus. Man mag mir sicherlich angesehen haben, dass ich nur 20% von dem verstanden hatte, was Lothar uns geduldig zu erklären versuchte.

Zum Mittagessen zauberte uns heute Norbert ein wundervolles Sonntagsfestmahl: Schweinebraten mit Kartoffeln und Rotkohl. Mit vollen Bäuchen mussten viele an Bord dann erstmal begreifen, dass sie für den Rest des Tages frei haben sollten. Das war man irgendwie gar nicht mehr gewohnt und jeder war natürlich auf Bereitschaft, die Gaffelgai zu fieren, den Schoner zu bedienen oder Walter einen Kaffee zu bringen. Die Backschaft verwandelte sich beim Kaffee in meine Lieblingsbackschaft, indem sie einen riesigen, leckeren Apfelkuchen auftischte. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, uns zu sonnen, zu lesen, Musik zu hören oder einfach zu schlafen. Das Abendessen mundete mir sehr und ich bin stolz auf meinen Verputzrekord über 10 Stücke des vom Kaffee übrig gebliebenen Apfelkuchens. Ich wünsche jedem, der dies gelesen hat einen schönen Tag und grüße meine Familie!
Robin

P,S.: Nathalie grüßt Mama. Myriam grüßt Yanika. Hannes wünscht einen frohen ersten Advent und grüßt ganz Norderney! Fynn grüßt seine Klasse und wünscht schöne Winterferien. (Die letzten Tage haltet ihr auch noch durch), Alex grüßt ganz lieb Catania, Justus grüßt Lotta, Michi grüßt Mama und Papa, Johanna grüßt Adi. Frohen ersten Advent euch allen!

Dezemberanfang auf dem Atlantik

Datum: 1. Dezember 2018
Position: 23° 59,4’N, 025° 39,1’W
Etmal: 140 sm
Wetter: 26,4°C, Wind NE 3-4 Bft.
von Tom

Der Tag begann heute früh für mich. Um 03:30 Uhr wurde ich zur Wache geweckt und erschien gleichzeitig mit meinen Wachkumpaninnen Johanna und Marlis und unserem Steuermann Siggi an Deck. Fynn war heute leider nicht dabei, da er uns als Backschaft, zusammen mit Lehan und Aaron bekochen durfte. Ich durfte zweimal das so genannte „Großwetter“ machen, bei welchem man alle drei Stunden eine ausführliche Wettermeldung (Wolkenbedeckung, Art und Höhe der Wolken, feuchte und trockene Lufttemperatur, Wassertemperatur, Taupunkt, Luftdruck und Veränderung des Luftdrucks, Kurs und Geschwindigkeit, Windrichtung und Stärke und natürlich noch die Position) an den Deutschen Wetterdienst schickt. So verging meine vierstündige Wache recht schnell und wir wurden zum Ende hin mit einem verdammt schönen Sonnenaufgang belohnt. Nachdem wir von Max Reimer, Myriam und Hannes abgelöst wurden, konnten auch wir vier Wachhabenden mit Siggi frühstücken.

Nun hatte ich 8 Stunden frei, bis ich um 16 Uhr wieder zu meiner Wache antreten musste. Was macht man nun mit so viel Freizeit? Erst absolvierte ich das Gesamtpaket der Körperpflege, wusch ein paar Hosen und T-Shirts mit „Rei“ und landete nach einer Stunde in der Messe mit der Frage: Was mache ich jetzt? Ich half Aaron und Konsorten beim Abwasch, was nach einer halben Stunde aber auch schon wieder gegessen war. Da ich mein Referat noch vor mir habe (jede/r Schüler*in muss im Laufe der Reise ein 45-minütiges Referat halten), setzte ich mich mit meinen Unterlagen in den Seegarten und übte ein wenig. Doch meine Ruhe blieb mir nicht lange: schon bald zwang meine Lehrerin Nathalie mich dazu, ihr mein Referat zu präsentieren 🙂 Nach kurzer Zeit kam unser Biolehrer Michi dazu und weil mein Referat von der Fischerei und dem Meer insgesamt handelt, musste ich nun aufpassen, dass ich keinen Quatsch mehr erzähle. So verging eine weitere von acht Stunden… Doch ich musste mir zum Glück keine neue Beschäftigung ausdenken, da zum Essen geklingelt wurde. Es gab Spagetti mit Tomatensoße. Lecker!

Nachdem sich die ganze Crew die Bäuche vollgeschlagen hatte, verteilten sich alle wieder übers ganze Schiff. Ich fand meinen Platz auf dem Vordeck in der Mittagssonne, wo ich es mir mit meinem Buch gemütlich machte. Nach eineinhalb entspannten Stunden wurde zum Großreinschiff geblasen und alle haben sich mit Lappen, Schrubbern, Pinseln und den dazugehörigen Putzmitteln bewaffnet wieder auf dem Schiff verteilt. Nathalie und ich schmissen alle Geschirr- und Bordhandtücher in Töpfe und kochten eine schöne, gutriechende Handtuchsuppe. Die ganze Aktion dauerte länger als erwartet und ich bin vom Handtuchauswaschen und -wringen direkt in die Rettungsweste und zur Wachübergabe.

Die Wache verlief zunächst ruhig, doch gegen 18 Uhr sollte eine Halse gefahren werden, angeleitet von mir… O Gott, O Gott! [Korrekturanmerkung von Claudi: Tom hat das Manöver bewundernswert gelassen und souverän angeleitet!] Nachdem alle Position besetzt waren, gab Norbert uns das Kommando – „Rund Achtern!“ – und Johanna steuerte das Schiff sicher vor den Wind. Das Großsegel ging herum und parallel dazu auch die Breitfock mit dem Rahtoppsegel. Nach ein paar Problemen mit dem Fockstag standen die Segel und es ging Richtung Süden, Richtung Wind.

Nach dem Sonnenaufgang am Morgen durften wir der Sonne auch beim Untergehen zusehen und nachdem wir von den alten Verdächtigen abgelöst wurden, konnten wir uns auf den anstehenden Kinoabend vorbereiten. Auf dem Programm stand heute James Bond mit Zucchinitoast, welches die Backschaft uns zauberte. So ging ein schöner, anstrengender und ereignisreicher Tag zu Ende.
Euer Tom

P.S.: Grüße gehen an meine Eltern, Chiara, Lotta und Jonas – eurem Geschenk widme ich mich in wenigen Tagen!