Atlantik-Taufe

Datum: 10. Dezember 2017
Position: 15°04’N, 047°14,2’W
Etmal: 100 NM
Wetter: Wasser 27°C, Luft 27°C, Windstärke 4
von Milena

Hallo an alle da draußen, irgendwie wissen Sie ne ganze Menge über uns, aber wir nichts über Sie. Naja, ich glaube, dass ich für uns alle hier sprechen kann, wenn ich sage, dass das hier gerade einfach eine ganz neue Welt ist, eben ganz anders als zu Hause; natürlich gibt es auch Dinge, die zu Hause besser sind, aber es ist schon toll, was wir jeden Tag hier erleben. Man kann sagen, dass ich Ihnen gerne von meinem Tag berichte, um Sie vielleicht etwas neidisch zu machen. Bestimmt kennt das jeder, dass man einfach nicht mehr schlafen kann. Ich weiß ja nicht, zu Hause dreht man sich um, steht auf und es ist niemand da. Hier stehe ich einfach auf, treffe sofort jemanden im Flur, der meint, dass ich doch irgendwo hinkommen solle … So begann mein Sonntagmorgen. Es gibt bestimmt auch mal Momente, in denen man gerne alleine wäre! Stellen Sie sich das mal vor: Ganz für sich alleine isst man einen Keks, dann nimmt man sich noch einen zweiten, vielleicht genießt man auch noch einen dritten. Hier teilt man einen Keks sozusagen mit dreißig anderen Menschen, da merkt man erst einmal, wie viel so ein kleiner Keks wert sein kann.

Heute hatte die Luv-Klasse ihren freien Tag, das bedeutete für mich, die in der Lee-Klasse bin, von 08:00 -12:00 Uhr Wache gehen. Wir sahen einen großen Finnwal, der uns bestimmt eine Stunde lang begleitete. Um 10:00 Uhr durfte ich alle anderen wecken gehen, da heute Großputz angesagt war. Wecken ist für mich immer eine 50×50-Chance: Entweder bekommt man von den gerade Erwachten ein Lächeln oder man wird „angefrutzelt“ – allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht immer lächle, wenn ich geweckt werde… Heute war keiner begeistert, als ich ihn weckte und auch noch verkündete, dass gleich Großreinschiff ist. Als wir mit dem Putzen und Schrubben fertig waren, wurde zum All-Hands gerufen. Es war anders als sonst: Alles ganz durcheinander! Wir wurden alle unter Deck geschickt, um uns Badesachen anzuziehen und uns so bekleidet in der Messe zu versammeln. Langsam dämmerte uns, dass uns wohl die bekannte Atlantik-Taufe bevorsteht. Da saßen wir nun in Badesachen in der Messe. Immer zu viert wurden wir aufgerufen und mussten hoch an Deck gehen. Was uns da erwartete? Dazu sage ich nicht viel… das muss man leider selbst erleben! Ich sage nur, dass es nass, klebrig und schleimig wurde. Als alle das Gröbste hinter sich hatten, kamen wir zur richtigen Taufe: Jeder einzelne von uns wurde nach vorne gerufen, es wurden 1-2 Sätze über denjenigen gesagt, danach bekam er seinen neuen Namen und wurde von Poseidon und seiner Göttergattin Thetis getauft. Danach stand erst einmal Deckschrubben bzw. das Schrubben von uns selbst an. Dann gab es wie jeden Tag Kaffee und Kuchen.

Ich finde, man merkt hier so richtig, wie ein Tag so langsam zu Ende geht, da die Sonne mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verschwindet. Und schon klingelte die Glocke zum Abendessen. Zum krönenden Abschluss des Tages gab es dann auch noch einen Kinoabend auf dem Großsegel. Das Gefühl, auf einem Segelschiff zu liegen, mit dem man gerade die Welt „umsegelt“, und im regelmäßigen Schaukeln von links nach rechts einen gemütlichen Filmabend zu macht, kann man nicht anders beschreiben als „bombe“. Also zum Abschluss kann ich sagen, dass – auch wenn vier Wochen Atlantik (nur Wasser) sich echt hart anhören – ist auch dort jeder Tag etwas Besonderes – so wie die ganze Reise etwas Einzigartiges ist. Jeder Moment kann perfekt sein! Für jeden auf eine andere Weise!
Milena

P.S.
1. Isa wünscht allen ihren Freunden in Berlin (und im Rest der Welt) eine tolle Weihnachtszeit und vermisst euch ganz doll. Feiert für mich mit!
2. Andy grüßt Bruggi und Eppi.
3. Theo wünscht seiner ganzen Familie eine schöne Weihnachtszeit!
4. Nico wünscht seiner ganzen Familie eine schöne Weihnachtszeit und vermisst sie!
5. Vielen lieben Dank Mama und Papa für die Karten und das tolle Geschenk! Habe euch unendlich lieb! Und natürlich auch liebe Grüße an alle meine Freunde zu Hause. (Lukas)

Wer hat gesagt, dass es auf dem Atlantik langweilig wird?

Datum: 9. Dezember 2017
Position: 15°01,8’N, 045°30.8’W
Etmal: 133 NM
Wetter: Wasser 27°C, Luft 27°C, Windstärke 4
von Tom L.

Gestern begann der Tag so, wie ein schöner Tag eben beginnt: Mit Ausschlafen! Das bedeutet, dass es sich um einen Schultag handeln musste, was an sich eigentlich komisch ist, da man ja normalerweise an Schultagen nicht ausschlafen kann. Naja, „ausschlafen können“ heißt hier ja auch nur bis 7:30 Uhr, denn dann ist schon Frühstück. Und insgesamt kann ich mich auch nicht über mangelnden Schlaf beschweren, da ich in der 0-4-Wache bin und deshalb an „Wache-Tagen“ bis 11:30 Uhr schlafen kann. Nach dem Aufstehen frühstückte ich und hatte Mathe von 8:45 Uhr bis 10:30 Uhr: Sinus, Kosinus, Tangens – eigentlich wie daheim – bis auf den Seegang… Auf Mathe folgte Biologie von 10:30 Uhr bis 11:15 Uhr: Einen fliegenden Fisch aufschneiden und schauen, was drin ist. Im Anschluss gab es dann Spanischunterricht für die Anfänger, dort hatte ich dann erst einmal so meine Probleme mit den Zahlen, da ich mit Latein durcheinander gekommen bin. Ab 14:30 Uhr hatten wir dann noch Deutsch, wo wir über die Besonderheiten von Kommunikation gesprochen haben. Um 15:15 Uhr war auch das erledigt. Danach sind wir schnell zu Kaffee und Kuchen gestürmt und haben versucht, uns ein großes Stück Sachertorte zu angeln, dazu wurden Weihnachtslieder gesungen.

Nun hätten wir normalerweise Schiffserhalt gehabt, bei dem wir seit längerem nichts anderes machen als schleifen und tonkin (Tonki = ein spezieller (Schutz-)Lack, mit dem das komplette Holz an Deck angestrichen wird). Jedoch habe ich direkt bei unserem Bootsmann Ronald (Bootsmann = Person an Bord, die sich um den Erhalt des Schiffes kümmert) nach Arbeiten im Rigg gefragt und als Auftrag das Bekleeden der Vor-Royal-Fußpferde bekommen, das heißt eigentlich nur, dass ich die Stahlseile des obersten Segels am vorderen Mast, auf denen wir beim Segelein- und -auspacken stehen, wieder neu mit Kordel umwickeln sollte. Das Ganze haben wir natürlich bei Fahrt gemacht und Janis und ich bemerkten schnell, dass das heute, bei etwas mehr Seegang als sonst, eine schauklige Angelegenheit werden wird. Da das Bekleeden nicht die komplizierteste Angelegenheit ist, können wir uns dabei immer gut unterhalten, so verging die Arbeit wie im Flug.

Währenddessen genossen wir noch den schönen Sonnenuntergang. Als uns dann die Kordel ausging und es eh schon recht dunkel war, kletterten wir wieder runter und holten uns etwas vom Abendbrot. Um 19:00 Uhr begann auch schon die Schülerversammlung, in der wir über die „Expi-Gruppen“, das Proviantteam und – ganz wichtig – über die nächste Filmauswahl sprachen. Nach der Schülerversammlung hatte ich dann das erste Mal an diesem Tag nichts zu tun. Ich habe den Feierabend jedoch nicht lang genießen können: Gegen 21:30 Uhr habe ich mich in meine Hängematte geschwungen, da ich ja schon um 23:30 Uhr wieder aufstehen musste, um pünktlich zu meinem Wachwechsel zu kommen. Und so geht ein Tag dann auch schnell rum.
Tom L.

1. Ich grüße meine Familie und Freunde zu Hause, mir geht es gut hier. Hab euch lieb! (Tamina)
2. Vielen Dank für die tollen Geburtstagsüberraschungen, Mama und Papa hab euch ganz doll lieb. Vermisse euch alle! P.S. Lotte es ist (1). (Milena)
3. Küsschen für meinen allerbesten Geburtstags – Torge – Bruder. (Ketel)
4. Ich grüß meine Familie, Freunde und meinen Hund vom Atlantik aus. (Tom L.)
5. Vielen Dank liebe Mama – der Streifen ist nicht mehr so doll verrutscht und mir geht“s auch gut! (Johanna)