Unterricht an Board vs. Unterricht zu Hause

Datum: 27. Februar 2018
Position: 24°28,0’N, 075°11,4’W
Etmal: 136 NM
Wetter: Wasser 25°C, Luft 24°C, Windstärke 4
von Max

1. Runde: Ding, Ding, Ding
DER SCHULWEG
zu Hause: 10 Minuten Fußmarsch, dann 4 Stadtionen S-Bahn, darauf folgen 3 Stadtionen mit dem Bus und dann noch einmal 5 Minuten zu Fuß laufen.
an Bord: Circa 5 bis 15 Sekunden „Fußmarsch“ in die Messe (= Klassenraum/ Esszimmer/ Wohnzimmer) – jeweils abhängig von der Kammerlage innerhalb des Schiffes.

2. Runde: Ding, Ding, Ding
DER DRESSCODE
zu Hause: Keine Leggins, keine Hotpants, keine Jogginghosen.
an Bord: Oberkörperfrei ist verboten, (angesichts der „karibischen“ Temperaturen) wird oft gesehen die Shorts/ Badehose.

3. Runde: Ding, Ding, Ding
DIE LEHRER
zu Hause: Mindestens über 10 verschiedene Lehrer, man siezt diese und kennt sie kaum persönlich.
an Bord: Maximal 4 Lehrer für alle Fächer, wir duzen diese, wir leben mit ihnen auf einem ganz engen Fleck den ganzen Tag/ Woche/ Monate zusammen, im umfassenderen Sinne sind
sie unsere Bezugspersonen an Board.

4. Runde: Ding, Ding, Ding
SÄTZE DIE MAN IM UNTERICHT HÖRT
zu Hause: „Tut mir leid, dass ich zu spät komme, mein Wecker hat nicht geklingelt“; „Darf ich auf die Toilette gehen?“, …
an Bord: „Katharina, können wir gleich kurz den Geschichtsunterricht unterbrechen und hoch an Deck gehen, um uns die Bucht von Guantanamo Bay, an der wir gerade vorbeifahren, anschauen?“; „Verena, können wir uns die Delfine am Bug anschauen?“; Katharina kommt gegen Ende des Mathe-Unterrichts in die Messer und hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Deutsch entfällt heute – spontaner Badestopp!“ oder: „Tut mir leid, dass ich zu spät bin, ich musste noch helfen, das Großsegel zu bergen.“ oder auch: „Christine, eine große Welle hat mich an Deck und mein Heft erwischt, das jetzt, inklusive mir, komplett nass ist.“

Obwohl mir während des Unterrichts aufgrund des Seeganges oft die Stifte und die Hefte herunterfallen und ich mich verschreibe, mag ich den Unterricht auf der Roald gerade deswegen lieber als zu Hause, weil man das Wissen, das man sich aneignet, gleich darauf anwenden kann. Ich mag es sehr, in den Pausen an Deck zu gehen, um frische Luft zu schnappen und aufs Meer zu schauen und sich einfach den Wind um die Ohren pusten zu lassen. Das ist besser als jeder Schulhof der Welt! Den „Fight“ gewinnt für mich eindeutig der Unterricht an Bord!
Max

P.S.:
1. Mama, ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag! Ich hoffe, du hast einen schönen Tag und ich schick dir ganz viele sonnige Grüße! Hab dich ganz doll lieb!! Milena

„Klar zum Manöver!“

Datum: 26. Februar 2018
Position: 22°31,5’N, 074°25,0’W
Etmal: 146 NM
Wetter: Wasser 26°C, Luft 25°C, Windstärke 5
von Rasmus

„All-Hands mit Gurt, All-Hands an Deck in 5 Minuten“, so schallte es aus dem Gang in meine Kammer herein. Ich wurde mal wieder durch ein All-Hands-Ruf geweckt. In drei Minuten war ich „klar zum Manöver“ an Deck. Ich glaube, mittlerweile ist das das 24-igste All-Hands unter der Leitung von Uli gewesen. Beim All-Hands hieß es dann auch sofort: „Klar machen zur Halse!“. Da wir irgendwann das Schiff (weitestgehend) selbstständig führen wollen, wird seit einer Woche konsequent in jeder Wache ein Schüler-Toppsgast ausgewählt, der die Manöver unter Aufsicht und mit Unterstützung des Profi-Toppsgastens fährt und die Kommandos gibt.

Man muss sich erst ein bisschen daran gewöhnen, dass auf einmal die eigenen Mitschüler einem Kommandos geben (dürfen) und dir also etwas befehlen können! Aber mittlerweile klappt das schon doch recht gut bei uns! Nachdem wir die erste Halse gefahren sind, wollten wir wieder auf unseren alten Kurs zurück, deshalb hieß es erneut vom Kapitän Uli: „Klar machen zur Halse!“. So mussten wir das ganze Manöver erneut fahren. Anschließend wurde das Manöver ausführlich besprochen: Was ist gut gelaufen? Wo besteht noch Verbesserungsbedarf. Glücklicherweise war das All-Hands genau um 15:30 Uhr zu Ende, so dass wir gleich danach Kaffee und Kuchen an Deck genießen konnten. Für mich war der Tag noch nicht vorbei, da ich als 4-8-Wachler im Anschluss noch vier Stunden Wache gehen musste.

Zudem wurde heute bekannt gegeben, dass wir demnächst Nassau, die Hauptstadt der Bahamas, anlaufen werden. Zum Glück werden wir es voraussichtlich noch schaffen, an den Bahamas zu halten, weil ich mich schon lange auf die Bahamas und die schönen Strände gefreut habe. Ich bin sehr gespannt, ob es auf den Bahamas wirklich genauso traumhaft schön aussieht wie auf all den Postkarten und Bildern.
Rasmus

P.S.:
1. Liebe Grüße aus der Karibik nach Hause! (Rasmus)
2. Carlotta grüßt ihre ganze Familie zu Hause!
3. Ich grüße Ree; Ich brauch die Anleitung für die P.Hochtzeit JETZT! Wir sind, wenn du das liest, auf den Bahamas und du weißt, was das heißt…Heute ist Jungesellenabschied, am 1.03. die Hochzeit (für alle Verwirrten, ist nicht ernst zu nehmen, keine Angst, keiner heiratet). An Mama, kannst noch mehr Brühe und Schokolade schicken. In LIEBE Ly:)
4. Liebe Grüße an meine Familie von den Bahamas! (Benedict)
5. Liebes Beer-Brüderchen, es wird Zeit, dass ich mich bei dir noch einmal ausdrücklich für mein von dir mit weiser Voraussicht und, wie sich gezeigt hat, sehr professionell zusammengestelltes rotes „Arztköfferchen“ bedanke, dessen Wert sich inzwischen nicht nur mir, sondern auch so manch einem anderen hier an Bord offenbart hat! Hab großen Dank dafür!!! Liebe Grüße, dicken Kuss und eine feste Umarmung von den Bahamas, deine Katharina.