Datum: 25. November 2017
Position: 20°58,6’N, 019°07,0’W
Etmal: 167 NM
Wetter: Wasser 23°C, Luft 24°C, Wind 3 Bft.
von Kjell
Der Tag begann für mich und die 4-8-Wache pünktlich um 04:00 Uhr zum Wachwechsel. Leider fahren wir immer noch unter Maschine, weil wir Winde von vorne haben. Wir hoffen jeden Tag aufs Neue, dass wir die Roald zum Segelschiff verwandeln können und wir die Stille des Atlantiks genießen dürfen. Als es dann zu dämmern begann, haben wir die achteren Nagelbänke weitergeschliffen. Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang und ganz vielen Delfinen, haben wir nach unserer Wache gefrühstückt und die meisten von uns sind bis zum Mittagessen in ihre Kojen gegangen. Tagsüber haben die „fahrenden“/ „stehenden“ Wachen (Wache, die das Schiff fährt) und „friends“ (so nennt man die Crewmitglieder, die keine Wache und somit Pause haben, aber der stehenden Wache bei anfallenden Arbeiten freiwillig helfen) die angefangenen Holzarbeiten weitergeführt, damit wir so schnell wie möglich fertig sind und die Nagelbänke wieder in Betrieb nehmen können.
Am späten Nachmittag wurde dann bekannt gegeben, dass wir heute Abend einen Film auf dem Großstengestag-Segel schauen werden. Also haben wir alles vorbereitet für unseren ersten Kinoabend auf der Roald. Das Segel wurde gesetzt, der Beamer eingestellt und dann ging es auch schon los. Wir haben den Film „In the heart of the sea“ geguckt. Der Film spielt in der Walfangzeit und erzählt die Geschichte einer Crew, die auf einem Walfangboot ganz weit auf den Ozean rausfahren muss, um noch nicht überfischte Gewässer zu erreichen. Dort trifft sie dann auf einen großen weißen Wal. Dieser Wal bringt das Boot der Walfänger zum Untergehen und die Mannschaft gerät in Seenot. In dieser Notsituation ereignen sich dann verschiedene „Dramen“ zwischen den Crewmitgliedern. Die Geschichte dieser Schiffskatastrophe diente Herman Melville als Grundlage für seinen Roman „Moby Dick“. Der Film hat uns allen unendlich gut gefallen!!! Allein die Tatsache diesen Film auf einem fahrenden Großsegler, der fast so aussieht wie das Schiff in dem Film, das gerade den Atlantik überquert, war atemberaubend. Jetzt haben wir erst einmal alle Angst vor Walen. Ich grüße meine lieben Eltern (auch meinen Hund) und Großeltern, ich vermisse euch und hoffe, euch geht es gut. Außerdem grüße ich Alisa, Silvia und Jens ich wünsche euch alles Gute vom Atlantik.
Kjell
P.S.;
1. Ly grüßt die Deutsch-Cracks, Julia&Jessy und alle anderen, die ich mag…
2. Chère Tati joyeaux anniversaire, pour ton nouvelle année de vie je te souhaite que du bonheur
et de la santé. J“ai hâte de te revoir bientôt. (Yara)
Herzlich willkommen bei „Gewöhnliche Berufe an ungewöhnlichen Orten“! Heute befinde ich mich auf der Brigg Roald Amundsen, wo ich mich mit Laurine Baier treffe, um ihr bei ihrer Arbeit als Bordfrisörin über die Schulter zu schauen. Da steht sie schon, ein blondhaariges, sympathisch lachendes Mädchen, inmitten einer Gruppe anderer Jugendlicher. Noch ist weit und breit keine Schere in Sicht… Langsam bin ich verwirrt und frage nach, wem Laurine alles schon die Haare geschnitten hat. Da meldet sich Nico zu Wort und berichtet, dass er schon zwei Mal bei Laurine zum Kürzen seiner Haare gewesen ist, die schon bedrohlich nah an seinen Augen waren, und dass er sehr zufrieden mit dem Ergebnis ist. Auch die anderen bestätigen, dass Laurine das wirklich gut gemacht hat! Sogar schon in einem echten „Haar-Notfall“ – als die Schneidemaschine falsch eingestellt gewesen war und somit die Seitenhaare von Andy (Andronikus) einen Zentimeter statt nur einen Millimeter kürzer geworden waren – habe sie ganze Arbeit geleistet und eine tolle Frisur gezaubert, sodass man jetzt gar nicht merke, dass das eigentlich nicht so gehöre. Gut, dann bin ich hier also zumindest nicht falsch. Plötzlich kommt ein etwas größeres Mädchen (Vroni) mit relativ langen, dicken, dunkelblonden Haaren an Deck, das strahlt als sei Weihnachten und Sylvester an einem Tag. Sie bespricht sich kurz mit Laurine, dann verschwinden beide nach Achtern (hinters Deckshaus). Neugierig folge ich ihnen und werde Zeuge davon, wie sie in Sekundenschnelle das „achtere“ Schiff mit einem Hocker, einem Handtuch (über Vronis Schultern) und einer Schere (in Laurines Hand) in einen Frisörsalon verwandeln.