Auf in die weite Welt

Datum: 15. Oktober 2017
Position: 54° 53,5’ N, 009° 09,5’ E
Etmal: 74 NM
Wetter: Wasser 14°C, Luft 16°C, Windstärke 4 Bft.
von Anouk

Hallo an alle! Wir sind in Brunsbüttel vor der Schleuse und es geht endlich raus aus dem NOK (Nord-Ostsee-Kanal) auf die Elbe und dann auf die Nordsee. Bevor wir diesmal pünktlich um 12:00 Uhr ablegen wollten, musste noch Reinschiff gemacht werden. Messegänge und Niedergänge für meine Wache (Wache 3: Laurine, Greta, Rosa, Nico, Lukas, Arthur, Jerit, Tom B., Janis, Martin, Johanna (unser Toppsgast), Trixi (unsere Steuerfrau) und K.P. (unsere Deckshand). Danach haben wir das Setzen und Bedienen von diversen Segeln „trocken“ geübt, wie zum Beispiel von der Obermars (drittes Segel von unten bzw. oben). Dabei war es zuerst noch sehr neblig, sodass wir zwischendurch dachten, dass es mit dem Ablegen erst einmal nichts wird. Zum Glück ist es dann sehr schnell aufgeklart und der Tag wurde richtig schön sonnig.

Gegen 13:00 Uhr sind wir aus der Schleuse gefahren und durften das schön schlammige Brackwasser (Gemisch aus Salz- und Süßwasser) der Elbe erblicken. Ziemlich schnell wurde aus unserem Motorboot ein richtiges Segelschiff und so hatte der Maschinist auch mal eine Pause. Außerdem wurden unsere Borduhren bei der Ausfahrt aus der Schleuse von 13:00 Uhr auf 12:00 Uhr eine Stunde zurückgestellt, da unser nächster Stopp, Vigo, in der mitteleuropäischen Zeitzone liegt. Dadurch hatte ich Glückspilz eine Stunde länger „wachfrei“. Diese Zeit wurde sehr unterschiedlich genutzt: Es wurde viel geschlafen und gelesen, die Tagebücher noch mit den Infos der letzten 3 Tage aufgefrischt, und außerdem wurde ein erster neuer Haarschnitt verpasst. Nicos Haare, die ihn jetzt schon störten, da diese 4 Zentimeter zu lang vor seinen Augen rumhangen, stellten sich dem Risiko, von Laurine geschnitten zu werden. Da es leicht windig war, stellte sich dieses Unterfangen ein wenig kompliziert dar, da die Haarschere auf dem Achterdeck geschwungen werden musste, damit die Haare im Wasser landen. Am Ende waren sowohl Nico als auch Laurine sehr zufrieden mit dem Ergebnis, und Nico kann nun ungestört auch bei Wind seine Aufgaben im Rigg erledigen.

Auch wurden die Kammern fleißig aufgeräumt, da die ersten Kammerbewertungen anstanden. Ich war zugegebenermaßen ziemlich überrascht, dass die Kammer 2 (6-er Kammer der Jungs: Janik, Rasmus, Janis, Lukas, Nico, Paul) mit am besten bewertet wurde. Bei einem sehr schönen Sonnenuntergang und erstem leichten Seegang (mit ersten Seekranken) wurde leckerer Kuchen mit Schokoglasur serviert. Bei einem imposanten Sternenhimmel konnte abschließend auch die erste Nachtwache mit Bravour gemeistert werden, nach der alle müde und zufrieden ins Bett fielen. Ein Highlight war noch, dass am Abend der Halunder-Jet (Helgoland-Fähre) extra einen Umweg auf sich genommen hat, um uns eine gute Reise in die Karibik zu wünschen. Wir wünsche allen, die diesen Bericht lesen, einen schönen Start in die Woche bzw. eine schöne Ferienwoche!
Anouk

P.S.:
1. Ganz liebe Grüße an meine ganze Familie, an Simon, Philine und Co. sowie an meine Freunde. (Anouk)
2. Liebe Grüße an Mama: Ich hoffe, du hattest ein schönes Konzert!! Hdl! (Laurine)
3. Andy grüßt Steffen.
4. Carlotta grüßt ihre Familie und Großeltern!
5. LG von A² und L an L in L.
6. Lilly grüßt Mama und Papa.
7. Liebe Grüße an meine Familie und an mein Kaninchen. (Yara)
8. Liebe Grüße an meine Familie und an alle zu Hause. (Eike)
9. Liebe Grüße an den geilsten Hund der Welt, Vincent. (Tom L.)
10. Will grüßt Familie und Freunde.

Es geht ruhig los

Datum: 14. Oktober 2017
Position: 54° 22,1’N, 010° 08,3’E
Etmal: 0,5 NM
Wetter: Wasser 15°C, Luft 18°C, Windstärke 4
Name des Verfassers: Theo

Der 14.10.2017 nochmal aus Theos Sicht…
Hallo an Land, heute ist unser Abschiedstag. Als alle um 7:00 Uhr geweckt wurden, war ich schon seit 75 Minuten auf den Beinen: Backschaft, das heisst in der Kombüse helfen, Tisch decken – aber grösstenteils abwaschen. Nach dem Frühstück versammelten sich schon die ersten Eltern am Tiessenkai, wir aber durften noch nicht von Bord, da um 11:30h die Abschiedsreden begannen, die tatsächlich kürzer ausfielen als erwartet. Als alle Redner gesprochen hatten, durften wir noch einmal für 20 Minuten von Bord, um uns von unseren Verwandten und Freunden zu verabschieden. Als das Typhon (die Schiffshupe) ertönte, begaben wir uns alle wieder an Bord mit der Erwartung, dass wir von unseren Eltern in 10 Minuten nicht mehr allzu viel sehen würden.

Doch falsch gedacht. Denn der Kanallotse kommt erst, wenn die Schleuse auch wirklich frei ist. Das wusste aber keiner von uns, also haben wir alle Mann noch einmal 20 Minuten an Deck gestanden und gewartet. Alle wollten los oder zumindest wissen, ob man noch einmal an Land gehen könne, aber da der Lotse über Funk nur gesagt hatte, er komme gleich, konnte die Stammcrew nicht riskieren, dass alle von uns an Land sind und zu lange zurück aufs Schiff brauchen und womöglich noch unseren Schleusenplatz verlieren. Die sind nämlich heissbegehrt am NOK, dem Nord-Ostsee-Kanal. Schliesslich kam der Lotse dann auch mit dem gefühlt grössten Lotsenboot, was aufzutreiben war, und wurde mit Applaus an Bord der Roald begrüßt. Als es dann endlich richtig losging, haben natürlich alle gewunken und sogar der Regen, der uns den ganzen Morgen Gesellschaft geleistet hatte, lies kurz nach.

Das Ablegemanöver war schnell geschafft, und wir nahmen Kurs auf die erste Schleuse. Ich war schon längst wieder in der Kombüse, als wir in der Schleuse festmachten. Durch das achterlichste Fenster – das Fenster, was am weitesten am hinteren Ende des Schiffes liegt – konnte ich die Schiffe sehen, die mit uns geschleust wurden. Im Vergleich zu diesen wirkte unsere „40 Meter-Roald“ doch recht klein. Als alle Weinenden sich wieder beruhigt hatten, haben wir erst einmal unseren Proviant weiter gestaut. Das ist eine der mühseligsten Arbeiten an Bord, wenn man bedenkt, dass wir unter anderem 265 Gläser Nutella oder 200 Kilo Kartoffeln seefest verstauen mussten. Der Rest des Tages verlief ruhig. Eine Kanalfahrt ist ja auch nicht so anspruchsvoll für die Crew. Nur der Lotse musste die ganze Zeit konzentriert sein. Die ganze Zeit heisst: Trotz Wechsel in der Mitte des NOK circa 6 Stunden fahren, ausweichen, anhalten und weiterfahren.

Als wir am Abend in Brunsbüttel angekommen sind, hat es Lukas auf einem der „Festmacher-Dalben“ so gut gefallen, dass er gleich gesagt hat, er möchte da einziehen. Da wir im Kanal an „Bahnhofsdalben“ lagen, haben wir die Wache in zwei „Zwei-Stunden-Schichten“ geteilt, die jeweils von einem Mitglied des Stamms sowie zwei Vertretern der Schülercrew gegangen wurden. Abschließend kann man zum Tag sagen: Der Abschied fiel uns wohl allen schwer, aber wenn man daran denkt, was uns bevor steht, ist das wohl zu verkraften.
Theo B.

P.S.:
1. Trixi sendet Grüsse an alle an Land.
2. Andy schickt Grüsse an zwei Kartoffel-Wale am Ammersee.