Que sera?

Datum: 12. April 2018
Position: 50°36,5’N, 002°26,7’W
Etmal: 12 NM
Wetter: Wasser 10°C, Luft 15°C, Windstärke 3-4
von Ly und Isa

Der Tag war nicht sehr interessant,
wir sind nicht mehr auf festem Land.
Zu segeln haben wir nicht viel,
denn Portsmouth ist das nächste Ziel.
Das ist vermutlich der letzte Halt,
denn zu Hause sind wir sehr sehr bald.
Unsere Nerven spielen langsam verrückt,
weil das Ende immer näher rückt.
Wir fragen uns: Wie wird es dann?
Ich bin nicht mehr derselbe Mann.
Ich hab die Welt gesehen und noch mehr,
zurück in den Alltag, wird das schwer?
Nach all dem was passiert ist,
ist das Leben Zuhause nicht trist?
Wird das Leben nicht komisch sein,
ohne die Leute die ich sehe Tag aus, Tag ein?
Sie sind die, die mich richtig kennen
und ich kann sie getrost meine 2. Familie nennen.
Sie erlebten mich in jeder Lage,
die guten, wie die schlechten Tage.
Sie machten uns zu dem was wir jetzt sind.
Liebe Eltern, wir sind nun sehr viel mehr als nur ein Kind.
Ihr werdet staunen wie wir uns verhalten.
Unser Leben anders gestalten,
denn wir sind nicht mehr ganz die Alten,
in unseren Köpfen viele neue Ideen und Ideale walten.
Auch daheim will ich jetzt mehr selber entscheiden,
vielleicht lassen sich manche Konflikte nicht vermeiden.
Ihr habt unsere Veränderung nicht mitbekommen
und alle die Erfahrungen, die wir haben gewonnen.
Die Zeit hier lebten wir in unserer eigenen Welt,
die nicht wie Zuhause ist, aber uns gut gefällt.
Ihr kennt sie nur aus unseren Geschichten
unseren Erzählungen und unseren Gedichten.
Unsere Gefühle drehen im Moment am Rad,
denn wir haben diese Welt noch lange nicht satt.
Vielleicht erscheinen wir euch fremd,
aber seid davon nicht gehemmt.
Ihr wollt wahrscheinlich alles wissen, das können wir verstehen,
ihr habt uns ja auch lang nicht mehr gesehen.
Hoffentlich löchert ihr uns nicht zu sehr mit Fragen,
denn wir müssen auch erstmal ankommen in den ersten Tagen.
Versteht“s nicht falsch, wir freuen uns sehr euch wieder in die Arme zu nehmen,
aber wir sind auch sehr traurig von hier weg zu gehen.
Wir selber haben noch gar nicht kapiert,
was in den letzten Monaten ist passiert.
Vielleicht haben wir auch ein wenig Schiss,
wie es dann zu Hause ist.
Wie werden meine Freunde reagieren?
Kann ich mich je bei meinen Eltern für die Reise revanchieren?
Wie kann ich diese zwei Leben kombinieren?
Warum steht Martin immer beim Fieren?
All diese Fragen beschäftigen uns sehr,
und machen uns den Abschied schwer.

Wir werden euch alle (un)endlich vermissen und die Zeit war unvergesslich. Wir danken den Eltern dafür, dass ihr diese Reise möglich gemacht habt und freuen uns auch auf euch, keine Angst. LIEBE GEHT RAUS!!
Ly & Isa

Schiffserhalt und ziemlich viel gutes Essen

Datum: 11. April 2018
Position: 50°36,5’N, 002°26,7’W
Etmal: 12 NM
Wetter: Wasser 10°C, Luft 15°C, Windstärke 3-4
von Rosa

Der Tag, über den ich schreiben muss, ist schon ein paar Tage her, ich glaube, es war der 11.04., zum Glück weiß ich noch mehr oder weniger genau, was an dem Tag passiert ist: Der Tag ging los, wie jeder andere im Hafen auch, mit Wecken um 7:00 Uhr, Frühstück und anschließend All-Hands. Bei diesem wurde verkündet, dass heute den ganzen Tag Schiffserhalt anstehen würde. Damit das Ganze etwas entzerrt wird, würden wir das in zwei Gruppen machen. Die eine Gruppe vormittags und die andere nachmittags, wer nicht Schiffserhalt hat, dürfe an Land gehen.

Da ich in der ersten Gruppe war, beschäftigte ich mich zunächst einmal mit Schiffserhalt. Nockzeiser erneuern, Gordingleitbänsel austauschen, Bretter verschieben (das hat bestimmt 3 Stunden gedauert, in denen Max in seinem Gurt mit der Hilfe von zwei Grummets in den Wanten hing und der gesamte Bereich unter dem Brett abgesperrt war), Taklinge nähen, Spleißen, Segel nähen… es gab allerlei zu tun. Ich für meinen Teil erneuerte erst ein Gordingleitbänsel, das ist so ein kleines Tau, das an der einen Seite am Jackstag fest ist und an der anderen Seite am Gording fest gespleißt ist, damit der Gording „weiß wo er hin muss“, und dann half ich Anouk beim Tausendfüßler festmachen. Das war eigentlich recht witzig, sie saß doppelt und dreifach gesichert auf einem Bootsmannsstuhl, mit dem sie am Großstengestag Fall hochgezogen war, um den Tausendfüßler (ein langes Stück Hüsing, an das ganz viele kleine Stücke Tau geknotet sind), um das Stag zu wickeln. Ich saß auf der Obermars, auch mehrfach gesichert, um ihr den gefühlt hundert Meter langen Puschel anzugeben und ihn bei Bedarf zu „enttüddeln“ oder festzuziehen. Diese Arbeit machten wir immer so lange, bis ein Schiff an uns vorbei fuhr, dann pausierten wir kurz, winkten und nahmen dann unsere Arbeit wieder auf. Mein Job war jetzt nicht sooo anspruchsvoll, aber echt entspannt und durch das Gespräch mit Nuuuki auch recht unterhaltsam.

Zum Mittag gab es dann Burger, die sich jeder selbst so zusammenstellen konnte, wie er wollte. Verschiedenste Soßen, Avocado, Paprika, Tomaten, Gurken, Käse, angebratene Zwiebeln, Peties, Spiegeleier für die Veggies…. High-Seas-Schüler und Lehrer sowie Stammcrew im 7. Himmel und dann auch noch jeder zwei! Das war echt ein Highlight, das wir uns durch vier Stunden Schiffserhalt aber er auch echt verdient hatten. Am Nachmittag gab es dann noch einmal Landgang, während die andere Gruppe werkelte. Abends, als alle Arbeiten beendet waren, kam dann noch der Proviant, mit ziemlich vielem, ziemlich leckerem Zeug: Erdbeeren, Pflaumen, frischer Spinat, Cornflakes, Lachs und große Mengen an Gemüse und Obst – das wird ein Festschmaus!

So gegen 20:00 Uhr gingen dann die meisten von uns an Land und ich feierte mit ein paar anderen Leuten meinen Geburtstag nach. So ging auch dieser schöne Tag in Weymouth zu Ende, der vermutlich auch unser letzter war, da der neue/alte Kapitän (Thomas) – wie er uns mitteilte, als wir ihm zufällig auf der Straße begegneten – am liebsten morgen auslaufen würde! Naja, mal schauen. Ach ja heute sind schon die ersten Mitglieder der neuen Stammcrew bei uns aufgelaufen. Vor allem Heike und Andreas wurden stürmisch begrüßt und Thomas auch, zumindest von denen, die ihn auf der Straße getroffen haben.
Rosa