Eine ziemlich kranke Tagesmeldung

Datum: 24. Februar 2018
Position: 19°58,8’N, 074°41,6’W
Etmal: 81 NM
Wetter: Wasser 26°C, Luft 26°C, Windstärke 7
von Rosa

Ich muss zugeben, ich bin jetzt gerade schon ein wenig überfordert. Warum? Also: Ich liege gerade so in meiner Koje, kurz davor einzuschlafen, da kommt Nico mit dem Schülerlaptop in meine Kammer, drückt mir das Ding in die Hand und teilt mir mit, dass ich morgen mit der Tagesmeldung dran sei. Ich reagiere total überrascht: „Über heute?“ „Ähm ja, du bist halt morgen dran.“ „Aber ich lag doch heute den ganzen Tag im Bett!“ „Ja, dann denk dir was aus.“ – und weg war er. Jetzt liege ich hier in meiner Koje, mit dem Schülerlaptop und soll eine Tagesmeldung über einen Tag schreiben, den ich aufgrund meiner Erkältung den ganzen Tag im Bett verbracht habe. Ja dann viel Spaß!

Mein Tag begann damit, dass ich feststellen durfte ein weiteres Mitglied der „Roald Amundsen Invalidentruppe“ geworden zu sein. Zu dieser zählen momentan unzählige Fälle von Erkältungen, ein paar Seekrankheitsbefallene sowie ein Fall von Bauchkrämpfen, ein Muskelfaserriss und eine Blasenentzündung. Komischerweise ist es nach langen Landaufenthalten öfters der Fall, dass fast die Hälfte der Crew krank ist. Vermutlich liegt es daran, dass für den Körper die Umstellung von Land zu See gar nicht so einfach ist. Plötzlich schaukelt wieder alles, der Wind peitscht einem um die Ohren, der gesamte Schlafrhythmus wird auf den Kopf gestellt…. Da wäre ich als Immunsystem aber auch überfordert, zumal in meinem konkretem Fall die kubanische Eiszeit auch nicht ganz unschuldig sein dürfte (da musste man in Kuba doch tatsächlich im Pulli im Bus sitzen und hat meistens trotzdem noch gefroren).

Nach dieser unerfreulichen Feststellung, entschied ich mich krank zu melden und so den Tag im Bett zu verbringen – bevor meine Erkältung noch weiter um sich greife kann. Dieser Überlegung stimmte Christine (mittlerweile fast seefest) zu, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich mindestens einen Liter Ingwertee trinken müsse. Mit diesem einfach umzusetzenden Auftrag ging ich in die Messe, machte mir besagten Tee und verschwand kurze Zeit später in meiner Koje. Dort angekommen blieb mir genug Zeit mir über „die wichtigen Dinge des Lebens“ Gedanken zu machen: „Was werde ich als erstes machen, wenn ich wieder zuhause bin?“, „Wer wird Schülerkapitän?“, „Werden wir Schüler überhaupt das Schiff „übernehmen“ dürfen?“, „Will ich überhaupt nach Hause?“ und „Wer duscht denn da so lange? Das Wasser läuft bestimmt schon wieder 10 Minuten!“ …. und Schwupps war ich wieder in der Wirklichkeit angekommen, in der man kurzzeitig in Panik gerät, wenn jemand von Deck „Warschau! Luk ist offen!“ ruft (letztens hat eine große Welle nachts das Messelogis zwei Zentimeter unter Wasser gesetzt. Das Ganze in der eigenen Kammer wäre ziemlich suboptimal) oder in der einen die Befehle zum Fahren einer Wende von Wache 1 wachhalten und in der ich eigentlich noch eine Mugg Ingwertee trinken sollte, dieser Pflicht aber nicht nachkommen kann, da die Messe aufgrund von Unterricht gesperrt war.

Weiterhin könnte ich euch noch ausführlichst den Geschmack von Ingwertee, den Geruch der Luft in Kammer 8 und die Farbe meiner Kojenwand beschreiben. Ich verzichte darauf aber und führe stattdessen einige der Sätze auf, die ich bei dem Versuch einzuschlafen in meiner Koje aufgeschnappt habe:

„Ist da noch Chemiekäse?“ (Backschaftschapo (-oberhaupt) zur Backschaft)
„Ich mache gleich einen Code in die scheiß Waschmaschine!“ (Wäscheteam, als schon wieder jemand unbefugt an die Waschmaschine gegangen ist)
„Hör mir auf mit Kuba, ich kann´s nicht mehr sehen!“ (ebenfalls kranke Projektleitung, als ein Schüler sie auf die kubanische Eiszeit ansprach und Kuba an Tag 5 auf See immer noch in direkter Sichtweite liegt)
„Schmeckt halt ein bisschen nach Tümpel“ (vermutlich ging es um das all beliebte, gebunkerte Tankwasser)
„Ich war doch gerade erst duschen!“ (vermutlich ein gerade von einer Welle überschütteter Wachgänger)
„Warum funken die von Guantanamo uns denn jetzt an?“ „Vermutlich wollen die uns fragen, ob wir mal auf einen Kaffee vorbei kommen wollen“ (schön wäre es)
So, dass war´s dann erst mal, ich hoffe ihr habt euch nicht zu sehr gelangweilt und euch geht es nicht ähnlich in euren höheren Breitenkreisen .
LG die fleißig Ingwertee trinkende und mittlerweile fast gesunde Rosa von Übersee.

P.S.:
Harry grüßt seinen Sandwichtoaster
Die Roald grüßt alle an Land gebliebenen Roaldies
Ich grüße meine Mama. Die ich krank iwie besonders vermisse Rosa

Kuba, immer noch Kuba

Datum: 23. Februar 2018
Position: 19°46,7’N, 075°20,2’W
Etmal: 115 NM
Wetter: Wasser 26°C, Luft 26°C, Windstärke 7
von Martin

Kubas Städte und Kultur sind voller Überbleibsel der Revolution. Neben Fidel Castro ist zweifelsohne Ernesto „Che“ Guevara eine der schillerndsten Persönlichkeiten dieser Zeit. Sein „Hasta la victora siempre“ ist auf Kubas Straßen allgegenwertig und gewinnt – obwohl wir mittlerweile seit 4 Tagen auf See sind – für uns leider immer mehr eine metaphorische Bedeutung. „Immer bis zum (völligen) Sieg“ bedeutet in unserem Fall allerdings den seglerischen Kampf gegen Wind und Welle, um unter Motor auf südöstlichem Kurs um die letzte Ecke Kubas zu gelangen. Dieser Kampf gegen die Naturgewalten fordert nicht nur das Schiff, sondern auch seine Besatzung. Mit vereinten Kräften macht die Crew das Beste aus dieser Situation.

Neben ungewollten Salzwasserduschen an Deck (zum Teil auch auf der Brücke) bedeutet dies im Detail, dass wir seit gestern wieder regulären Unterricht halten, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Dies hat zur Folge, dass in halben Wachen gefahren wird und 15 Schülerinnen und Schüler inklusive Lehrkraft dem Seegang trotzen und vorwiegend unter Deck in der Messe Unterricht stattfindet. Darüber hinaus ergibt sich für uns die erfreuliche Situation, dass noch ausstehende „Kuba-Referate“ (Che Guevara; Die Kubakrise und ihre Folgen; Die Regierungssysteme von Deutschland, Costa Rica und Kuba im Vergleich) mehr oder weniger vor Ort gehalten werden können bzw. konnten und das bereits gehaltene Referat zur „Guantanamo Bay“ insofern an Bedeutung gewinnt, als dass wir direkt daran vorbeifuhren. Der freundliche Hinweis der Marinestation per Funk, dass wir einen Mindestabstand von 6 Seemeilen nicht unterschreiten sollen, wurde selbstverständlich von der Schiffsführung eingehalten.

Alles in allem sind wir guter Dinge im Laufe der Nacht Kuba hinter uns zu lassen und mit den dadurch neu gewonnen seglerischen Möglichkeiten im Laufe des morgigen Tages uns von einem Motorschiff in ein reines Segelschiff zu verwandeln.
Martin

Grüße:
1) Grüße gehen raus an alle Burghauser, Regensburger, Würzburger und alle anderen Freunde. Ebenfalls grüß ich meine ganze Familie und alle Roaldis, die uns auf dieser Reise begleitet, unterstützt und eine tolle Zeit beschert haben. (Martin)
2) Jana G., Stefan P. und Uli K. grüssen Uli D.
3) Jü grüsst seine Kinder!
4) Andy grüsst seine Familie. Es geht mir gut und ich freue mich euch wiederzusehen, in 2 Monaten.
5) Ich wünsche Karsten und Udo alles Gute nachträglich zum Geburtstag (Janis)