Ein gelungener Tag

Datum: 16. April 2017 (Tag 191)
Position: Horta, Azoren
Etmal: 168 nm
Wetter: Luft 17°C, 1012 hPa, durchwachsen, sonnig und Regenschauer
von Amira

amiraHeute war mal wieder so was wie Ausschlafen angesagt, denn es gab erst um neun Frühstück. Mein Tag begann trotzdem früh mit ein bisschen Frühsport mit Steffen und Lara. Wenn auch ein wenig eingeschränkt, da es 1. in Strömen geregnet hat und wir 2. noch von unseren vorigen Bergläufen strapazierte Muskeln hatten. Belohnt wurden wir mit einem grandiosen Frühstück. Es gab eine Fülle, wie ich sie seit mindestens sechs Monaten nicht mehr erlebt habe. Sogar ein Obstsalat aus ECHTEN Früchten, anstatt aus Dosenfrüchten. Außerdem mal mindestens 5 Käsesorten, anstatt der sonst üblichen einen zur Auswahl. Dazu Schokocreme, Joghurt, Brötchen, Seranoschinken und vieles mehr.

Nach dem ausgedehnten Frühstück räumten wir nochmal die nötigsten Sachen aus der Last, die wir für morgen brauchen werden.  So gegen elf Uhr, als gerade die Kirchenglocken läuteten (ich würde mal sagen, perfektes Timing), versammelten wir uns mit Siggi, einem unserer Steuermänner und gleichzeitig auch noch Pastor, in dem Seegarten, um eine kleine, improvisierte Ostermesse abzuhalten. Gelungen ist es ihm in jedem Fall.

Um 13:00 Uhr dann der nächste Programmpunkt: Ostereier suchen! Auf einer kleinen Grünfläche hier am Hafen haben unsere Lehrer sie versteckt. Leider blieben, wie jedes Jahr, einige Eier auf mysteriöse Weise verschollen.
Möglichkeit a: Andere Sucher sind uns zuvor gekommen.
Möglichkeit b: Sie sind einfach zu gut versteckt.
Möglichkeit c: Die Eidechsen, die hier zahlreich vertreten sind, haben sich an unserer Schokolade vernascht.

Die gemeinsame Ausbeute wurde anschließend gerecht aufgeteilt. Um 15:00 Uhr gab es es dann für jeden nochmal ein großes Stück Kuchen. Der Nachmittag war für Landgang freigegeben. Ich blieb an Bord. Wir wollten nämlich noch unsere Antenne vom Satellitentelefon in Ordnung bringen. Dafür habe ich Sven bis in den Mast an der Topjolle hochkurbeln müssen. Zum Glück hat Steffen eigentlich den anstrengenden Part übernommen. Aber die Mühe hat sich in jedem Fall gelohnt. Wir können wieder von See aus telefonieren und Tagesberichte verschicken geht auch wieder.

Abgerundet habe ich den Tag mit ein bisschen Motorbootfahren, um für den SBF-See zu üben. Das Abendbrot war wieder ein echter Genuss. Es gab Braten, ECHTES Gemüse, Kartoffelbrei aus ECHTEN Kartoffeln und dazu eine Käsesoße. Ein Lob geht raus an die Backschaft, die heute tatkräftig von den Lehrern unterstützt wurde. Alles in allem ein gelungener Tag. Ich bin gespannt, was der morgige Tag so bringt. Allen Bloglesern wünsche ich, dass sie angenehme Ostern verbracht haben.
Gruß, Amira

Schicksal

Datum: 14. April 2017 (Tag 189)
Position: Horta, Azoren
Etmal: –
Wetter: Luft 16°C, sonnig & bewölkt
von Immo

immanuel17.01.1957, 08:30 pm
Die Kinder waren heute mal wieder unten an der Küste spielen und ich habe mich wie immer äußerst rechtschaffen um das Leuchtfeuer gekümmert. Sonst war mal wieder ein wunderschöner Tag: Es ist kalt, aber die Sonne spiegelt sich auf dem Atlantik. Mel Jolie hat heut‘ Abend ein vorzügliches Gallo pinto gekocht.

25.01.1957, 11:24 am
Grade eben waren die Walfischer da, sie erzählten von einem komischen Phänomen, bei dem nahe der Küste Fontänen aus dem Meer empor gespritzt wären. Zuerst hätten sie dies für Wale gehalten, die sich in Küstennähe begeben haben, hätten dann jedoch bemerkt, dass in der Nähe der Fontänen das Wasser nahezu gekocht hätte. Mysteriös! Aber Wale gab es weit und breit keine. Welches Ungeheuer mag die Ursache für dieses Phänomen sein? Alles ist ungewiss.

25.01.1957,  02:12 pm
Gerade eben hat es einige Erdstöße gegeben – alles hat gewackelt. Keiner weiß was hier los ist. Ich habe aber bereits bei der Presse angerufen, die wollen morgen kommen und einen Artikel über die merkwürdigen Ereignisse in kürzester Zeit berichten.

26.01.1957, 04:56 am
Vor drei Stunden hat der Ozean angefangen Lava zu spucken. Riesige Feuerfontänen erhellten die Nacht! Das Spektakel fand ungefähr eine Meile von unserem Leuchtturm entfernt statt. Was in Gottes Namen geht hier vor sich?

26.01.1957, 03:36 pm
Diese Reporter hatten einen Vulkanismusexperten mitgebracht. Dieser Narr meinte doch ernsthaft, es würde sich um eine seltene Erdaktivität handeln, bei der sogar neue Inselketten entstehen könnten. Dieser Mann ist doch nicht ganz bei Sinnen… Neues Land!

28.01.1957, 07:59 pm
In den letzten Tagen bebte die Erde immer öfter. Jetzt steigen auch tagsüber mystische Dämpfe aus dem Wasser auf. Kinder und Frau sind verängstigt, aber ich kann ihnen auch nichts genaueres sagen.

02.02.1957, 05:57 am
Letzte Nacht haben wir über 400 Erdstöße gezählt. Es ist schrecklich! Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugedrückt. Wir mussten das Haus verlassen und im Garten schlafen. Wir haben schreckliche Angst.

05.02.1957, 09:14 pm
Heute ist plötzlich eine riesige Aschewolke explosionsartig aus dem Meer aufgestiegen und hat überall eine Ascheschicht hinterlassen. Momentan kann man noch nicht sehen, was genau passiert ist, weil überall noch der Aschenebel steht. Mir wurde bereits die Nachricht überbracht, dass ich den Leuchtturm aufgeben soll. Die Arbeit ist mir aber zu wichtig. Mel Jolie und die Kinder haben versucht die Straße freizuschaufeln, damit wir nicht festsitzen. Aber wir können nicht weg, wir brauchen das Geld.

07.02.1957, 05:04 pm
Es gab noch mehrere Aschewolken, diese´haben sich aber jetzt gelegt. An deren Ursprung hat sich eine neue kleine Insel gebildet! Der verrückte Forscher hatte recht! Was soll das alles? Niemand kann es mir erklären. Es ist schrecklich!

15.02.1957, 06:46 am
Es reicht! Das war unsere letzte Nacht hier in dieser Hölle! Die letzten Tage konnte man geradezu beobachten wie die „neue Insel“ geradezu aus dem Atlantik geschossen kam! Erdstöße sind schon zur Gewohnheit geworden, durchgehend diese monströse Aschewolke über dem Haus, Vulkanexplosionen! Ich halte es nicht mehr aus.

17.02.1957, 04:30
Wir evakuieren jetzt das Haus. Wir verlassen diesen Platz. Das war mein letzter Eintrag. Wir sind weg.

Diese Geschichte ist nach einer wahren Begebenheit. Sie handelt von der Entstehung der neuen Insel, die Ende der 50er Jahre aus dem Ozean wuchs und sich heute mit dem Festland verbunden hat. Wir durften heute diese Insel besichtigen, in das Museum schauen und sogar auf den Leuchtturm gehen, in dem die Familie gelebt und gearbeitet hatte. In dem Text habe ich ungefähr versucht, die Informationen der Führung in einen Tagebucheintrag zu verwandeln, der hoffentlich so ähnlich existiert hat.

Für alle, die’s interessiert, wie’s weitergeht:
Die Familie hat wie gesagt nach einem Monat der Erderuption den Leuchtturm aufgegeben und ist geflohen. Es dauerte ganze 13 Monate, bis mit den Erdbeben, den Explosionen, Lavaströmen und Aschewolken ein Ende war und die neue Insel komplett fertig und mit dem Festland verbunden war. In dieser Zeit wurde der Ort ein beliebter Ausflugsort der Insulaner. An freien Wochenenden, Ferien oder Feiertagen unternahmen sie gerne Ausflüge zu dem ständig aktiven Vulkan. Außerdem machten die USA allen Einwohnern der Azoren das Angebot, in die USA einzuwandern, was die Azoren ganze 50% ihrer Bevölkerung kostete!

Ich hoffe mein Tagesbericht hat euch gefallen und er war einigermaßen informativ und ihr habt was dazugelernt!
Es war mein letzten Tagesbericht, wir sehen uns in Hamburg!
Immo