Hort des Friedens & der Liebe

Datum: 13. März 2017 (Tag 157)
Position: 22° 55,6′ N, 084° 25,7′ W
Etmal: 148 sm
Wetter: Luft 27°C, 1015 hPa, sonnig, Wind S, 1 Bft.
von Jesko

jeskoBisher war die Johann Smidt immer ein Hort des Friedens, der Gesetzestreue und der Liebe. Jeder kannte und achtete die an Bord unseres Schiffes herrschenden Regeln, aus Respekt vor sich selbst und den anderen. Schon seit unserer Ankunft in den Ländern der dritten Welt Mittelamerikas beäugten wir die hiesige Kriminalität äußerst argwöhnisch und versuchten mit allen Mitteln nicht selbst Opfer eben dieser zu werden, so wie es bereits einer Lehrerin von uns widerfahren ist. Nicht immer gelang uns dies zu unserer Zufriedenheit. So kam es doch zum ein oder anderen hinterlistigen Taschendiebstahl. Jedoch erlitt niemand mehr, wegen der in den betreffenden Ländern so zahlreich vorhandenen Verbrecher, körperlichen Schaden.

Aufgrund dessen waren wir in unserer unschuldigen Naivität bis zum heutigen Tage der Meinung, dass auch, wenn der ein oder andere schon unter den hier herrschenden Umständen leiden musste, wir diese doch immer von Bord hatten fernhalten können. Ein Trugschluss, wie sich bald herausstellen sollte. Als eine unserer Lehrerinnen heute Morgen nichtsahnend bei der Hygienekontrolle der Sanitäranlagen im Vorschiff einen Blick in die Toilettenpapierrollenaufbewahrungsboxen warf, muss sie der Schreck wie ein Schlag getroffen haben. In Plastiktüten verpackt lagen dort 10 Zigarren und 4 Zigarillos, überwiegend der Marke Guantanamera, welche zudem für die schlechte Qualität ihrer Produkte bekannt ist. Das Wissen, dass Drogenhandel in den von uns besuchten Ländern vorkam, war bei den meisten von uns durchaus vorhanden. Dass allerdings so verantwortungsbewusste, obrigkeitshörige, deutsche Staatsbürger wie wir sich mit der hier so omnipräsenten Kriminalität, man möchte fast sagen, angesteckt haben, hätten wohl auch die pessimistischsten unter uns nicht für möglich gehalten.

Noch dazu bin ich durch den beschriebenen Vorfall besonders betroffen, da ich die Person, welche für den versuchten Drogenschmuggel inzwischen verantwortlich gemacht wurde, bis Dato zu meinen Freunden zählte, jedoch nie von ihr erwartet hätte, dass sie über so viel kriminelle Energie und einen so schlechten Geschmack verfügt. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Aufgrund des Fundes wurde direkt nach dem Mittagessen eine großangelegte Drogenrazzia angekündigt und direkt im Anschluss mit aller Gründlichkeit durchgeführt. Im Zuge dieser stellte sich heraus, dass wir es tatsächlich mit einem noch viel größeren Problem zu tun hatten, als befürchtet. Als sich unser Lehrer Michi gewissenhaft an die Inspektion der 6er-Kammer machte, entdeckte er eine weitere Tüte mit Schmuggelware in ungeahnten Mengen. So kam hier zu einigen Zigarettenschachteln und Zigarren eine Flasche mit alkoholischem Inhalt, jedoch nicht etwa ein viele Jahre gereifter, guter, kubanischer Rum, sondern absolut ekelhafter spanischer Apfelwein zum Vorschein. Da hierfür jedoch noch kein Crewmitglied dingfest gemacht werden konnte, bleibt nur zu hoffen, dass wir alle heil in Hamburg ankommen, bevor die hier an Bord nun als nächster logischer Schritt folgenden Drogen- und Bandenkriege überhand nehmen. Sich in seiner Kammer verschanzend,
Jesko

P.S.: Auf Bitte einiger Personen hin stelle ich hier noch einmal klar, dass es sich bei den betreffenden Ländern wie Costa Rica, Panama, etc. natürlich nicht um Länder der dritten Welt mit einer unglaublich hohen Kriminalitätsrate handelt, dass unsere Lehrerin genau genommen auf Martinique, also französischem Boden überfallen wurde, dass die meisten Taschendiebstähle auf unser Verschulden zurückzuführen sind, und dass auf unserem Schiff (bisher) keinerlei illegale Drogen gefunden wurden, was möglicherweise durch eine (beabsichtigte) missverständliche Ausdrucksweise im Text geschlossen werden könnte. Dieser Zusatz sollte jedoch für alle nicht vollkommen Sarkasmus resistenten Leser überflüssig sein.

Reisebericht – In einem Gedicht

Datum: 12. März 2017 (Tag 156)
Position: 21° 36,0′ N, 084° 00,6′ W
Etmal: 133 sm
Wetter: Luft 28°C, 1016 hPa, sonnig
von Pia

piaLange sind wir schon unterwegs,
haben viel gesehen,
dass muss ich schon gestehen.
Erst der große Teich,
der spielte uns einen Streich:
wir fuhren anders als gedacht,
das hat uns nichts gebracht.
Doch dann bei der Schicht
hatten wir Land in Sicht.
Im Hafen von Martinique legten wir an
und dann ging´s zum karibischen Strand.
Nun gab es auch den einen oder anderen Sonnenbrand…

Nun ging es weiter und es gab einen Zwischenfall:
Wir schleppten LITA ab,
dass war ziemlich  knapp.
Einen Tag später gab es einen Knall!
Als die Schleppleine riss,
war der Kapitän ziemlich piss,
denn die Crew der LITA schlief
und reagierte nicht als er sie rief.
Am Ende ging dann doch alles gut
und wir segelten weiter mit neuem Mut.

Auf Grenada machten wir einen Tauchkurs.
Zuerst ging es in de Pool,
dass fanden alle ziemlich cool.
Dann ging es ins große Meer,
auch da fiel uns das gelernte nicht schwer.
Wir sahen viele Fische und Korallen,
wurden aber zum Glück von keinen befallen.

An Weihnachten gab es Leute,
die leckeres Essen machten
und Wichtel, die Geschenke brachten.
Paar Tage später auf hoher See:
War dann das neue Jahr schon da!
Um kurz vor zwölf gab das Tyfon
jede Sekunde einen lauten Ton.

Die San Blas Inseln bestanden hauptsächlich aus weißem Sand
und wir chillten viel am Strand,
die Indianer verkauften Schmuck
doch machten uns keinen Duck.

In Panama gingen wir von Bord
und erkundeten die Gegend dort.
Zu fünft fuhren wir durchs Land
und auch zum pazifischen Strand.
Auch nach Costa Rica sollte es gehen,
doch blieben wir lange an der Grenze stehen.
Einige Zeit später zogen wir bei unseren Gastfamilien ein,
die waren nicht gerade klein.
Wir aßen viel Reis mit Bohnen
so wie alle Leute, die dort wohnen.

Zurück an Bord fuhren wir fort,
nach Mexico sollte es gehen.
Doch blieben wir bei den Cayman Islands stehen.
Dort wurde verproviantiert und an Bord alles einsortiert.

Einige Tage segelten wir
und sahen kein einziges Tier.
Dann erreichten wir Kuba.
Dort reisten wir viel mit dem Bus
und mit segeln war für 14 Tage erstmal Schluss.
Wir besuchten die Hauptstadt
und aßen uns mittags dank Edalia satt.
An unserer Partnerschule erfuhren wir viel über das Land
und machten uns mit den Leuten bekannt.
Viel zu schnell waren wir wieder an Bord
und vor ein paar Tagen segelten wir schließlich fort.
Jetzt soll es nach Bermuda gehen,
dass kann ich gut verstehen,
denn es muss langsam wieder Richtung Hamburg gehen.

LG, Pia

P.S.: Schöne Grüße gehen raus an alle Zuhause 🙂 – Pieps
P.P.S.: hallöööchen popöchennnn – viele Grüße an Raggiiiiii und meine Großeltern von Johanna
P.P.P.S.: Liebe Grüße an Lucie von Cläri
P.P.P.P.S.: Herzliche Grüße an meine Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde. Ich vermisse euch und freue mich euch bald wieder zu sehen. Danke für eure regelmäßige Post, Mama und Dani <3 – Melanie