Uwe

Datum: 19. Dezember 2016, (Tag 73)
Position: 11° 59,8′ N, 061° 46,1′ W
Etmal: 140 sm
Wetter: Luft 29°C, 1015 hPa, sonnig, NE 3 Bft.
von Johann

johannHeute war die Tauchprüfung und ich habe den ganzenTag am Strand verbracht, während sich die anderen, glaube ich, fünf Filme übers Tauchen anschauen mussten. Am Abend wurde die theoretische Prüfung abgenommen und weiter ist heute nichts passiert! Dafür erzähle ich euch heute etwas über den Maschinisten Uwe. Er hat jede Menge Sprüche auf Lager und sagt zu allem irgendetwas. Als jemand gerade (als ich den Tagesbericht schrieb) meinte, er sei ein toller Hecht, meinte Uwe: „Du bist ein süßer, kleiner Scheißer!“, und so geht das den ganzen Tag. Ich finde ihn sehr lustig, man muss nämlich noch wissen, dass er einen norddeutschen Akzent hat! Hier ein paar Zitate, die er gerade in den Raum wirft: (da gerade über den Padi-Schein viel gesprochen wird): „Lieber zu dritt im Bett, als allein‘ im Sarg, doch mit Padi macht das auch viel Spaß!“

Nun spricht er leider zu schnell zum Mitschreiben und nur über Padi. Das Thema wird abgelenkt zu seinem Lieblingsthema der Letzten Woche, denn es wurde ein Greifer (so einen zum Müllaufsammeln) auf dem WC gefunden. Er vermutet, jemand habe etwas ins Klo geworfen und wollte es dann wieder herausholen. Anschließend droht er immer damit, wenn er etwas im Filter findet, was nicht hinein gehört, sodass wir (typischer Satz von Uwe) „Knietief in der Sch***e stehen müssen“, dann müssen immer zwei Schüler „in die Kacke greifen, und den Filter rausholen“.

Das Gespräch geht zum nächsten Thema und zwar seine Feuerwehrzeit (30 Jahre), von der er sehr gerne erzählt. Er war in Hamburg im Dienst, wo wir schon beim nächsten Thema sind, denn er findet es die schönste Stadt, doch leider ist er dort nur zwei Monate im Jahr. Den Rest ist er auf Teneriffa (nächstes Thema). Dort hat er ein altes Motorrad, mit dem er dort zur Jonny gefahren ist, doch ich habe ihn und sein Motorrad nicht gesehen, deswegen meinte er „Ich glaube, ich habe einen Augenfehler, muss zu Fielmann gehen, brauche eine Brille! Aber keine Klobrille von denen haben wir schon vier hier!“
„Heute gab`s Eier mit Klammern zu sehen -“ die Glocke läutet zum Abendessen, „aber jetzt hat’s geläutet und nun gibt es Essen!“ Frohes Fest und Guten Rutsch
Johann

Ankunft in Grenada

Datum: 18. Dezember 2016, (Tag 72)
Position: 11° 59,8′ N, 061° 46,1′ W
Etmal: 140 sm
Wetter: Luft 29°C, 1014 hPa, sonnig, cloudy NE 3-4 Bft.
von Manuel

t_manuelSeit Samstag 22 Uhr fährt die Johnny, endlich endlich, wieder unter Segeln. Wenn wir segeln, ist meine Laune gleich um mindestens eine Stufe besser, als wenn wir motoren, und außerdem geht die heftige Schaukelei von über 20 Grad in beide Richtungen in eine sanfte, sehr schlafbare Schräglage von 0 bis 10 Grad nach steuerbord über. Sobald wir aus der Landabdeckung durch die Insel St. Vincent heraus waren, machte die Johnny auf Halbwindkurs beständig 8 bis 10 Knoten. Um 9 Uhr sind die Segel geborgen, wenig später ankern wir in der „True Blue Bay“. Wirklich kitschiger Name. Außerdem sachlich falsch: Das Wasser ist nicht blau, sondern türkis.

Die Zeit bis zum Mittagessen nutze ich, um die Klassenarbeit Spanisch für Anfänger fertig zu korrigieren. Das ist logistisch gar nicht so einfach. In unserem „Lehrerzimmer“ haben wir keinen Tisch, und gebeugt in der Koje korrigiert es sich schlecht. Messe und Seegarten scheiden von vorne herein als Korrekturräume aus – zu öffentlich, zu viele Zuschauer. Bleiben die Steuermanns- und die Kochskammer. Zum Glück sind die Bewohner dieser Kammern sehr entgegenkommend und duldsam. Ulli schafft es sogar zu schlafen, während ich den Rotstift ansetze. Nach dem Mittagessen fährt das Schlauchboot zur Tauchbasis, um den Ablauf des Tauchkurses zu besprechen, der morgen beginnt. Für uns an Bord Verbliebene heißt es nun erst einmal warten – warten, Kammern aufklaren, Kombüse in Ordnung bringen, Expis planen und hoffen, dass wir uns bald in das türkisfarbene Wasser neben dem Schiff stürzen dürfen.

Später schlachten wir fünf frische Ananas. Uwe meint, dass sie wie Ananas aus der Dose schmecken. Mehrere Menschen widersprechen. Die Ananas gibt es zum Kaffee, und außerdem gibt es Plätzchen, vier pro Person. Vanillekipferl vor Grenada … großartig. Nach dem Kaffee ist Lernen angesagt. Dabei haben wir doch schon Weihnachtsferien. Aber bis morgen (!) müssen wir für die theoretische Tauchprüfung die Teile Eins, Zwei und Drei des „Open Water Diver Manual“ gelesen haben, volle 150 (!) Seiten. Es tut mir leid, aber ich kann nun nicht mehr die wunderbare Abendstimmung, den prächtigen Sonnenuntergang und den Filmabend an Bord schildern, keine Zeit, ich muss lernen. 150 Seiten. Bis morgen. Puh. Schöne Grüße von einem ganz normalen 4. Advent in der Karibik.
Manuel

P.S.: Ich möchte die Klasse 9c des Albertus-Gymnasiums Lauingen ganz herzlich grüßen und ihr für den unterhaltsamen und umfangreichen Brief danken. Ihr habt mal wieder jede Erwartung übertroffen!