Mord auf der Roald

Datum: 26. Dezember 2015
Position: 12°40,1N, 070°57,8W
Etmal: 171 NM
Wetter: Wasser 26°C, Luft 28°C, Wind 6 Bft.
von Sabine

„Felix ist tot!“ schrie es vor Kammer 4, wo immer die neuen Bordnachrichten hängen. Als ich fragend ankam, erklärte mir Tabea ganz aufgewühlt, dass heute Morgen um 04:20 Felix in einer Blutlache in der Messe aufgefunden wurde. Ich konnte es nicht fassen. Mord auf der Roald? Wo ich mich immer so sicher gefühlt habe… Ich las mir den Zeitungsartikel unseres Weltnachrichten-Teams nochmal durch: „Felix (17) wurde in der Messe um 4:20 am 24.12.15 von einem noch unbekannten Täter ermordet. Seine Tatwaffe ist unbekannt, jedoch trägt er ein Zeichen mit sich: einen weißen Bauer, den er seinem Opfer kurz vor dem Mord zeigt. Die Bordpolizisten, Johannes und Ana, vermuten der Mörder sei ein Mitglied der Wachen 1 oder 2. Da zu dieser Zeit der Wachwechsel stattgefunden hatte und die Wahrscheinlichkeit sehr niedrig sei, dass eine Person der Mannschaft, die nicht zu den Wachen gehörte, unauffällig durch das Schiff gehen konnte. Die Verhöre sind noch im Prozess. Wir raten den Schiffsbewohnern, sich nicht alleine auf der Roald aufzuhalten, solange der Mörder frei herumläuft.“ Chefredakteur Tobias Raskob

Ich bemerkte, dass ich alleine im Gang stand und begab mich deshalb zügig an Deck, wo ich auf die fahrende Wache stoßen würde. Diese saß lachend auf der Brücke und unterhielt sich über den Tratsch und Klatsch an Bord. Anton, Saskia, Lisa und Lukas hatten noch nicht von dem Artikel gehört. Doch dies änderte sich schnell, denn Robin, der Schiffspsychologe, kam mit Tränen in den Augen an und erzählte uns, dass Olivia, seine geliebte Ehefrau, in der Navi mit auffälligen Spuren am Hals womöglich erwürgt wurde. Eine kleine weiße Figur lag neben ihr. „An Heiligabend!“, brach er noch heraus und setzte sich zu uns. Lisa war die einzige, die nicht sprachlos da saß: „Diese Morde machen mir Angst. Zwei am gleichen Tag und dann auch noch keinen einzigen Hinweis, wer das sein kö-…“ „Aaaaaah!“ Ein schriller Schrei kam von unter Deck. „Das ist Melli“, schrie Lisa und rannte den Niedergang zu ihrer Kammer runter. Wir rannten ihr alle hinterher. Was ich dann sah, war unbeschreiblich: Mellis Körper lag in der Koje, doch etwas fehlte. Der Kopf lag neben der Kojenkante. Wie eine Guillotine hatte der Mörder ihren Kopf abgehackt. In einem gleichmäßigen und schnellen Zug. Dieser Mörder war kein Anfänger… Hannah stand neben ihrer Koje: „Ich habe alles mitgehört. Ich dachte, es sei ein Traum gewesen. Es war eine dunkle Männerstimme. Er dachte, ich schlief. Ich hatte zu viel Angst, etwas zu sagen. Er hat gefragt, ob sie alleine sei und dann habe ich nur noch Mellis Schrei gehört.“

Nun waren es schon drei Menschen, welche dem Mörder innerhalb von 30 Minuten zum Opfer gefallen waren. Panik brach im gesamten Schiff aus. Niemand war mehr alleine anzutreffen und es herrschte eine unheimliche Stille. Ich beschoss, mit Jona einen Pakt zu schließen. Bis der Mörder gelyncht wäre, würden wir uns nicht mehr von der Seite weichen. Gemeinsam setzten wir uns in den Ausguck und vertrieben uns mit der Polynomdivision des Matheunterrichts die Zeit. Danach zerbrachen wir uns den Kopf darüber, wer wohl der Mörder sei. Wir kamen zu dem Schluss, dass David es sein könnte, da er auffällig überall im Schiff grundlos rumlief und immer in der Nähe war, als eine Person umgebracht wurde. Währenddessen starben zahlreiche Menschen: Obi, Bärbel, Benji, Dieter, Jakob, Leo, Luisa, Lukas, Markus, Ole, Robert, Robin, Svenja, Tabea und Tobi. Sie waren alle tot.

Durch meine Leichtsinnigkeit legte ich mich an Deck hin, als Jona Ruder gehen musste. Zu diesem Zeitpunkt war ich also alleine, dachte mir aber nichts dabei, weil ich sowieso viel zu müde war um wachsam zu bleiben. Jona fing plötzlich an, von der Brücke meinen Namen zu schreien und ich verstand nicht wieso. Auf einem Mal fiel mir auf, dass ja noch der Mörder frei herumlief und Jona alleine am Ruder stand. Also lief ich schnell dahin, damit Jona noch am Leben blieb. Als Kaffee und Kuchen war, entschied die noch lebende Besatzung des Schiffes, zu wählen, wer der Mörder sein könnte und ihn dann zu erhängen. Mit vielen Indizien und einer Mehrzahl von Stimmen wurde entschieden, dass David, die Deckshand der Wache 1, der Mörder ist und umgebracht werden soll. Der Mörder war also endlich tot und ich konnte beruhigt schlafen gehen.

Am folgenden Tag wachte ich auf und las mir mal wieder die Nachrichten durch. Es sind in der Nacht schon wieder welche gestorben! Ana, Ceci, Ella, Johannes, Fanny, Hannah, Jorge, Lisa, Saskia und Stella. Sie waren alle tot. Schon wieder. Diesmal soll der Mörder aber auf eine ganz andere Art und Weise gemordet haben und hatte als Zeichen einen schwarzen Bauer. Ich musste nun wieder aufpassen und durfte nicht mehr alleine rumlaufen. Also war Jonas und mein Pakt wieder in Kraft gesetzt. Der zweite Mörder schien allerdings ganz anders, viel unauffälliger als der Rambo David vorzugehen. Eine Person nach der anderen starb, um 9:30 Jorge in Kammer 10, um 9:32 Hannah auf der Brücke am Ruder und keine 3 Minuten später Ana (sogar eine Polizistin) im Tigergang, entweder der Mörder besaß einen Tarnumhang oder war ein Genie. Da es bis zur nächsten möglichen Hinrichtung noch kappe 6 Stunden hin war, galt es nun zu überleben. Jona, Sherlock Niko, Julian Watson und ich schlossen uns zusammen und berieten uns, wer war bloß der zweite Mörder? Viele zur Auswahl gab es nicht, schließlich war die halbe Besatzung des Schiffes bereits tot.

Jona war der festen Überzeugung, dass Bene der Mörder sei, denn er habe ihn wohl um 10:45 am Vorschiff gesehen, 5 Minuten später wurden Saskia und Daniel dort ermordet. Ich war der Meinung, dass Bene auf dem Mitteldeck saß. Also war ich mir nicht sicher, ob die mir von Jona erzählte These richtig war. Nun musste ich aber in den Unterricht, wo ich mit Anton nur darüber diskutierte, wer der Mörder sein konnte. Susi und Daniel konnten es nicht sein, da sie Backschaft hatten, als Ceci und Ana auf den vorderen Backskisten ermordet wurden. Die Übrigen: Josha, Julian, Vitus und Niko waren zu diesem Zeitpunkt unter Deck, also kamen sie auch nicht als Mörder in Frage.

Es konnte also nur noch Bene sein, doch eins hatte ich vergessen: Ich habe nie die Frage gestellt, ob Jona der Mörder sei. Es könnte sein, dass er Bene alles in die Schuhe schieben wollte, damit Bene gelyncht wird und er weitere Morde begehen kann. Während des Unterrichts überredete ich Anton, Niko und Judith, für Jona als Mörder zu stimmen. Gleichzeitig, als würden wir telepathieren, kam Vitus auf dieselbe Idee und überredete die schon vorhandenen Leute auf der Brücke. Bei der Versammlung wurde Jona letztendlich umgebracht. Die Mörder waren nun endlich beide tot.

Diese Geschichte basiert auf einem Spiel, das wir während der Weihnachtszeit gespielt haben. Wir haben gelost, wer der Mörder sein sollte. Keiner wusste es und es ging darum zu erraten, wer der Mörder sein könnte, bevor alle gestorben sind. Zum Schluss haben wir es geschafft, alle Mörder rechtzeitig zu entlarven. Doch ein großes Lob an beide Mörder muss sein, die geschafft haben 31 von 41 Menschen innerhalb von 2 Tagen „umzubringen“.
Sabine

P.S.: Alles Gute zum Geburtstag Papio. Ich hoffe ihr habt viel Spaß in Norwegen. Frohe Weihnachten an alle, die ich kenne.
Grüße: Softschubibubi wünscht Wetcrazycandy einen guten Flug und schon mal viel Spaß in Costa Rica! Wir flitzen nur so dahin. Außerdem heute mal besonders liebe Grüße an Carla, Doro und Elias!

HSHS Hauptquartier

Datum: 25. Dezember 2015
Position: 12°41,1’N, 068°05,2’W
Etmal: 155 nm
Wetter: Wasser 26°C, Luft 26°C, Wind 6 Bft.
von Leonard

„Ihr Tee, Master Fock“ „Sehr wohl, Jolltau, stellen Sie ihn bitte einfach auf den Tisch. Und bitte einmal den Focus dort drüben“, antwortete der hochgewachsene Mann, der in seinem grauen Anzug und Krawatte genau so aussieht, wie es sich für Regierungsbeauftragte im Geheimsektor gehört. Einem genauen Auge wie Butler Jolltau fällt der Verband auf dem linken Mittelfinger des Mannes sofort auf. Entgegengesetzt zu der Meinung der meisten Menschen, dieser käme von einem blutigen Agentenauftrag, war dies nur einer scharfen Kante in der Küche zuzuschreiben. Master Fock hatte keine Aufträge mehr, er hatte ein langweiliges, aber ertragreiches Leben der Bürokratie im HQ der HochSeeHeimatSchützer vor sich. Ganz im Gegensatz zu seinen zwei besten Agenten, die an Bord des Schmugglerschiffes Rauld Johandsen Informationen zu Schmugglerrouten suchen sollen.

Karibische See – 12°39,40’N, 069° 09,2’W „Uhaaajaaaaauuuuaaaaaa…“ schrie Bram, der jüngere der beiden, als ihm ein Wasserpistolenschuss die rechte Wade versengte. Er hatte sich gerade rechtzeitig zu seinem Kollegen Royal in den Quergang retten können. Seine kurze Lederhose hatte schon bessere Tage gesehen, wie auch seine Sandalen, schwarze, kniehohe Socken und das bunte Hawaiihemd, das kläglich daran scheiterte, seinen leichten Bierbauch zu verbergen. Eine Stunde Dauerkampf mit den Schmuggleragenten der KümmelUnterkunftSpitzbergen, der erfolgreichsten Kümmelmafia nördlich des Polarkreises, drohte ihn in Form zu bringen und gleichzeitig die Munitionsvorräte zu leeren. Royal, schon immer in Topagentenform, sprang in die nahegelegene Kombüse, schwang sich über die Mittelkonsole mit den Messbechern, stützte sich auf der Herdplatte ab („Au!“) und landete neben einer großen Munitionsschale vom Weihnachtsfeuergefecht am Vortag. „Super, Kekspatronen, schnell in die Messe, da können wir nachladen“ rief er Agent Bram zu, hechtete durch die Durchreiche und schlitterte direkt das Geländer hinunter. Bram folgte, so schnell er konnte, was immerhin langsam genug war, um einen weiteren Wasserspritzer schmerzhaft auf dem Rücken zu spüren. In der Messe befanden sich weniger Zivilisten als erwartet, genauer gesagt gar keine. Dies verwunderte beide Agenten, da doch an diesem Nachmittag eigentlich regulär Unterricht vorgesehen war. Irgendetwas lief gehörig schief. Sie rannten durch den Tigergang, verfolgt von den lauten Rufen der Verfolger. Jetzt schnell noch den mittleren Niedergang herauf.

Oben angekommen, sahen sie die Zivilisten, sie waren am Vormast angekettet und versuchten, so etwas wie Unterricht durchzuführen, was ihnen mangels Handfreiheit misslang. Bram und Royal wollten sie befreien, doch ihre Gegner erreichten just in diesem Moment ebenfalls das Deck. Die Agenten stürmten hinter den Mast, doch Bram war nicht schnell genug. Er wurde von dem Pistolenwasser mehrfach erwischt, aus dem Gleichgewicht geworfen und knallte auf eine Bierbank. Diese gab unter ihm nach und brach zusammen. Plötzlich war das gesamte Deck still, bis auf einen gelegentlichen Schmerzheuler Brams. Verdammt, dachte Agent Royal. Ihre Widersacher, die Mars-Brüder, waren weithin bekannt, er hatte sie aber trotzdem unterschätzt. Es war ein einfacher Informationsauftrag, doch nun hatten sie seinen Kollegen, seinen Freund in ihrer Gewalt. In zwei Minuten wäre die Rauld nahe genug an der Insel Aruba, um die geheimen Informationen zu übertragen. Dann wäre der Job vorbei und sie könnten mit den speziell darauf zugerichteten Delfinen vom Schiff fliehen. So kurz vor dem Ziel schaltete das Gehirn von Royal noch einen Gang höher. Er entdeckte eine Schüssel mit Kürbissuppe. Diese diente nicht nur zum Verzehr, sie konnte (dank 20% Tabascoanteil) auch gut als Waffe genutzt werden. Die Schüssel ergreifend, schleuderte Royal sich in einem Rückwärtssalto nach hinten, so dass der orange-rote Inhalt die Marsbrüder übergoss. Sofort bei der Landung drehte er sich auf einem Fuß um, zückte seine Spritza Mk V und die neu geladene Kekskanone 42 und schoss beide Feinde mit einer großen Salve bewusstlos.

„Immer machst du die geilen Sachen…“ würde sich Bram noch Jahre später beschweren… aber davon ein andermal. Gruß an alle, die sich beschweren, dass man an langweiligen Tagen nicht viel schreiben kann. Höhö.
Leonard

Grüße: Anton Meyer grüßt seine ganze Familie und wünscht Frohe Weihnachten!
Jona wünscht seiner Familie schöne Weihnachtstage!
Ganz liebe Grüße an Thomas auf seiner Hallig, hab deinen Brief gestern nach der Wache gelesen.
Luisa grüßt ganz lieb ihre Familie und Freunde und wünscht ihnen eine schöne Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr. Hab euch lieb!
Liebe Grüße an alle aus Wetter. Ich hoffe ihr hattet ein besinnlichen Heiligabend und ein schönes Weihnachtsessen. Besinnliche Feiertage wünsch ich Omi und Opi aus Krefeld und Klicks+ seinen Mädels. Saskia