Ein Wizard-Spieler

Datum: 23. April 2016
Position: 49°22,8’N, 005°34,9’W
Etmal: 122 nm
Wetter: Wasser 10°C, Luft 10°C, Wind 6 Bft.
von Tobias

Ein Wizard Spieler geht Wache. Ein Wizard Spieler isst nach der Wache um 16 Uhr Kuchen. Ein Wizard Spieler wird bei dem Versuch, anschließend einen Verdauungsschlaf einzulegen, brutal von Robin überfallen: „He, Du schreibst heute Tagesmeldung!“ Ein Wizard Spieler hilft bei der regelmäßigen Konsumausgabe. Ein Wizard Spieler geht auf die Toilette. Ein Wizard Spieler isst zu Abend. Ein Wizard Spieler schaut sich Dokus über Plastik an. Ein Wizard Spieler trinkt dabei Schwarztee. Ein Wizard Spieler weiß, dass er später nicht wird schlafen können. Ein Wizard Spieler isst danach Müsli.

Einem Wizard Spieler wird dezent verspätet wieder bewusst, dass er noch eine Tagesmeldung schreiben muss. Ein Wizard Spieler schnappt sich Stift und Block und hockt sich in die Messe. Man könnte meinen, ein Wizard Spieler unterschiede sich kaum von einem gewöhnlichem HSHS-Schüler. Doch ein Wizard Spieler hat Wizardspielerfreunde. Sie sind sein Erfolg… und sein Verhängnis. Sie umkreisen schleichend den Tisch, an dem der eine Wizard Spieler unschuldig hockt und versucht, seine der Chinesischen Mauer gleichende Schreibblockade zu überwinden. Sie legen ihre Karten offen auf den Tisch und informieren den einen Wizard Spieler: „Du spielst jetzt mit Wizard!“

Der eine Wizard Spieler erkennt seine Niederlage und beginnt, die offen auf den Tisch gelegten Karten zu mischen. So, oder in ähnlicher Form, ist dieses Verhalten der Wizard Spieler nahezu täglich auf der Roald zu beobachten. Das Spiel beginnt. Es sind 6 Spieler, die vor Beginn der Runde die Menge der Stiche, die sie machen wollen, ansagen. Es gibt 10 Runden. In keiner einzigen dürfen die insgesamt angesagten Stiche mit den insgesamt möglich zu machenden übereinstimmen. In der ersten Runde gibt es eine Karte, in der zweiten zwei, … in der zehnten zehn. Ergo: Mindestens einer verliert immer.

Das Ergebnis ist ein Haufen von 6 Jugendlichen, die fluchend, jubelnd, deprimiert und manchmal auch heulend am Tisch sitzen. Dass ein Wizard-Spieler, nachdem er eine schreckliche Niederlage einstecken musste – Auf der Punktetabelle ganz knapp nur Platz 2 einzunehmen ist dabei übrigens schlimmer, als mit Abstand Letzter zu werden – verdrängt hat, die Tagesmeldung zu schreiben, ist eine der negativen Nebenwirkungen der „Wizard Runde“. Bei weiteren Risiken und Nebenwirkungen fressen Sie bitte die Packungsbeilage, oder schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Tobias

P.S.: Anmerkung zur Vermeidung von Missverständnissen: Besonders der letzte Satz ist nicht ernst gemeint und keinerlei Aufforderung zur Gewalt, auch wenn mir nicht wirklich bewusst ist, wodurch überhaupt irgendwelche Nebenwirkungen oder Risiken entstehen sollten.

Schlechtes Wetter

Datum: 22. April 2016
Position: 49°07,6’N, 008°49,5’W
Etmal: 116 nm
Wetter: Wasser 11°C, Luft 12°C, Wind 2-3 Bft.
von Mike

Feststellung: Wir haben schlechtes Wetter. Kein schweres Wetter, nix. Dem unerfahrenen Leser der Unterschied: Bei schwerem Wetter denkt das Schiffsvolk (beachte die genderneutrale Diktion): „De armen Lüet an Land.“ Bei schlechtem Wetter wird dagegen die ETA (estimated time of arrival) korrigiert, oder die Anker „klappern“ trotz sorgfältiger Zurrung oder der Kaffee ist mal kalt…. Aber nicht mal zu letzterem kommt es: Eva mit ihrem Kombüsenteam schaffen es immer schmackhafte Mahlzeiten und zusätzlich Kaffee und Kuchen zu zaubern. Meine Steuerkollegin Trixie hat sich vorgestern zu den Auswirkungen des Schlechtwetters geäußert, ich will mich deshalb auf die Ursachen des schlechten Wetters beschränken. Viele an Bord diskutieren über einen oder mehrere mögliche „Schuldige“ daran. Schuld ist aber eine religiöse Kategorie, um Herrschaftsdruck ausüben zu können, deshalb verfolgen wir das nicht weiter.

Die Frage nach der Ursache bleibt bestehen:
I. Die physikalische Erklärung: Die Natur hat die Isobaren so angeordnet, dass aus dem ?p Beaufort 7-8 mit Regen entstehen (die sind jetzt auch passé)
II. Die meteorologische Erklärung: Die Wetterfrösche haben die Isobaren falsch aufgemalt indem sie für unser Seegebiet 1020 HPa angaben, obwohl wir doch 1010 HPa haben, und dieses ?p…
III. Die sozio-kulturelle Erklärung – Damit verlassen wir die Physik und begeben uns in grenzenlose Möglichkeiten:
A) Einige Besatzungsmitglieder befanden sich bereits seit einiger Zeit auf Sao Miguel und haben vielleicht nicht alle in Anspruch genommene Dienstleistungen angemessen belohnt. Spontan fällt mir dabei unser Kapitän und das Lehrerteam mit seinen WLan – Ansprüchen ein.
B) Wir könnten einen „Jonas“ an Bord haben, der dieses ehrwürdige Amt innehat. (Nicht der fast gleichnamige Schüler) Das ist dann Schicksal.
C) Das Lehrerteam könnte die Wetterlage als „erzieherische Maßnahme“ verordnet haben.
D) Die Reise nördlich um Schottland herum hätte auf einige großen Reiz ausgeübt, unseren Kapitän zieht es nach Oslo, die Schüler eher zur dänischen Softeisbude. (Roald-Doku Teil 1)

Wie dem auch sei, der Chief, welcher seine Abgastemperaturen stets im Blick hat, kompensiert das alles und dreht den Propeller unverdrossen, sodass wir mit zunehmender Knotenanzahl Oostende näherkommen. Im Ausblick: In zwei Tagen wird sich das Wetter weiter verbessern, und wir werden hoffentlich segeln können. Wie gesagt, es ist nicht schwer, sondern nur schlecht.
Cheers, Mike

Grüße: Der Seelöwe grüßt Mike und meldet nach abendlicher Schatzsuche mit Käpt´n fünf frisch-fröhliche Funde.
Judith grüßt Schmiri
A grüßt L
Günther 183 grüßt Roald