Auf ewig

Datum: 12. April 2016
Position: 37°44,3 N, 025°39,4 W
Etmal: 3 nm
Wetter: Wasser 15°C, Luft 16°C, Wind 4-5 Bft.
von Saskia

Als wir letztens durch die Stadt gegangen sind, hat Jona zu mir gesagt, dass es mittlerweile egal wäre, wo man hinsegelt, solange man dies mit den richtigen Leuten tut. Und glaubt mir, zu Anfang der Reise hätte niemand diese Aussage auch nur im geringsten für möglich gehalten. Wir waren von zu Hause getrennt, waren ständig seekrank und die meisten fragten sich: „Was tue ich hier eigentlich?“ Man hat den ganzen Törn lang die Tage gezählt bis man den nächsten Hafen erreicht hat und die meisten von uns hatten Freudentränen im Gesicht, als wir endlich Vigo erblickten.

Aber wie man so schön sagt: Der Weg ist das Ziel. Und das ist uns allen das erste Mal auf der Atlantiküberquerung bewusst geworden. Zum ersten Mal hat man nicht an den nächsten Hafen, sondern nur noch an die nächste coole Wache gedacht und es hätte keinen gestört, nein ganz im Gegenteil, wenn wir eine Woche länger gebraucht hätten. Obwohl ich es niemals für möglich gehalten hätte, ist die Zeit hier auf See eine der besten und wichtigsten Zeiten auf der ganzen Reise. Und genau das werde ich vermissen: Das Schiff, das Leben, die Freiheit. Ich werde es vermissen, jede Nacht zur Wache geweckt zu werden, ich werde es vermissen, Leute, denen man auf eine völlig neue Art und Weise vertraut ist, jeden Tag um mich herum zu haben, ich werde es vermissen, bei Sonnenuntergang bis hoch auf die Royals zu klettern, während unter einem die Delphine aus dem Wasser springen und ja, ich werde es sogar vermissen, jede Woche die Glocke zu polieren.

Ich glaube wir haben auf der Reise alle eine neue Art des Denkens und des Handelns gelernt, und es liegt bei jedem einzelnen von uns, inwiefern uns das auch zu Hause noch weiter voran treibt.

Als ich letztens mein Tagebuch durchgeblättert habe, habe ich einen Eintrag vom Anfang der Reise gefunden, in dem ich schreibe, dass hier alle total nett sind, aber man hier wahrscheinlich keine Freunde fürs Leben findet. Und ich glaube ich habe Recht, denn wenn ich in einem Monat von Bord gehen werde, werde ich nicht bloß Freunde zurücklassen, sondern eine Familie. Ich werde nicht von einem Schiff steigen, sondern ein Zuhause verlassen. Und so unterschiedlich wir auch alle sein mögen, ich glaube wir alle tragen dasselbe Gefühl in unserem Herzen. Ein Gefühl das uns verbindet. Auf ewig.
Saskia

Unsere Eltern sind aufgeregter als wir

Datum: 11. April 2016
Position: 37°44,1 N, 025°40,1 W
Etmal: 0 NM
Wetter: Wasser 15°C, Luft 14°C, Wind 4 Bft.
von Melinda

…und wieder neigt sich ein Landaufenthalt dem Ende zu. Für die meisten von uns der letzte Aufenthalt mit Handys, da wir unsere Handys auf freiwilliger Basis nach den Azoren abgeben werden (für die Handyboje in der Biskaya werden diese natürlich einmalig für eine kurze SMS nach Hause ausgeteilt). Jetzt stell‘ ich mir schockierte Elterngesichter stumpf in den Laptopbildschirm blickend vor! Ja, jetzt könnt ihr eure Kinder für einen ganzen Monat nicht sprechen! Frechheit…. Aber sind wir doch mal ehrlich… wir lieben alle unsere Eltern und freuen uns total auf zu Hause, aber auch uns bleiben die ein oder anderen Dinge nicht vorenthalten, für die unsere Eltern in unserer Abwesenheit das Internet genutzt haben! Tägliche E-mails mit dem Inhalt: es sind noch 34 Tage, es sind noch 33 Tage, es sind noch…etc. Ich freue mich sehr darüber, dass ihr wisst, wann wir ankommen, aber das weiß, glaube ich, jeder. Jetzt sind es noch übrigens…keine Ahnung wie viele Tage! Zudem gibt es Eltern, die uns schon in Rendsburg in Empfang nehmen wollen und von der Brücke im NO-Kanal vor haben zu winken! Wir kommen nicht ohne Grund in KIEL an, oder? Oder vielleicht begrüßt man uns doch mit einer Reihe Eltern, die auf ihren T-Shirts „H-E-R-Z-L-I-C-H W-I-L-L-K-O-M-M-E-N!“ gedruckt haben. Wenn es dann mal zu einer Koordinatenverwechslung kommt, denken manche Eltern ernsthaft, dass wir im Himalaya sind… so schnell sind wir mit der Roald jetzt auch wieder nicht, meine Lieben! Auch bis in die Karibik nach Kuba haben uns die Eltern begleitet mit 9kg-Paketen! 9 verdammte Kilo?! Naja, eins muss man euch lassen: Kreativität altert nicht! 🙂

Ein ganz großer Tipp für alle Eltern da draußen, die sich Gedanken über unsere Ankunft, unsere Entwicklung und unsere Geschichten und Erlebnisse machen: Wir waren jetzt 7 Monate auf See und machen uns keine Gedanken darüber, wie wir in Kiel aussehen werden, was wir anhaben werden, was wir essen werden [Naja, zumindest das Essen an Tag 1 ist hier schon ein häufiges Gesprächsthema, Anm.]. Wir lassen diesen Tag einfach auf uns zukommen! Auch diese Fragen: Wann GENAU kommen die Schüler in Kiel an? Wann dürfen unsere Kinder von Bord? Sollen alle gemeinsam noch was essen? Wisst ihr was? Wir konnten noch nie auf die Minute genau sagen, wann wir in einem Hafen einlaufen werden und das wird sich bis zu unserem Anlegen am 8. Mai in Kiel auch nicht ändern. Aber ich hoffe die Sonne wird scheinen, damit ihr beim Warten keine kalten Füße bekommt. Wir freuen uns alle riesig auf den 8. Mai und auf unsere Familien, Freunde und Verwandten, aber ihr könnt nichts von uns erwarten. Ihr könnt keine Jugendlichen erwarten, die immer noch dieselben wie vor 7 Monaten sind oder Jugendliche, die diese Reise bis auf das kleinste Detail mit euch teilen möchten. Ich weiß, dass viele Eltern ein Teil dieser Reise sein möchten, weil sie stolz auf ihre Kinder sind, aber ich weiß auch, wie enttäuscht wir wären, wenn Eltern schon in Rendsburg antanzen würden. Wir wollen jetzt noch die letzten dreieinhalb Wochen miteinander genießen und dann habt ihr uns endlich wieder.

Aber bitte lasst uns jetzt noch diese letzten Wochen für uns haben und uns am 8. Mai in Kiel, wie es vorgesehen ist, ankommen! Wir brauchen diese Zeit für uns! Damit ihr auf dem neusten Stand seid: Heute hatten wir Crewwechsel und Patrick hat uns verlassen. Er war einer der Kapitäne, die uns mit am meisten nochmal für die letzten Meter mitgegeben hat. Danke! Zudem müssen wir uns von Verena verabschieden und somit auch von der besten Schwarzwälder Kirschtorte der Welt! Tschüss Georg, Katha, Johannes, Helmi und Marion! Danke für den tollen Törn! Wir hoffen natürlich, dass der nächste Törn mit der neuen Stammcrew genauso toll wird.
Melli

Grüße: Ich grüße ganz herzlich meine Tante Margarete und den bestimmt schon groß gewordenen Alexander, Onkel Peter und Onkel Hanne und natürlich auch meine 2 Lieblingscousinen Linnea und Louisa, Krisztina und Jutta Oma und Onkel Hanne! Nochmal alle Gute nachträglich Ganz viele Grüße auch nach Kronberg an Juliana <3 Es war schön wieder mit dir zu telefonieren 🙂
Trixi grüßt alle an Land!
Ole: Ich grüße ganz ganz herzlich meinen Bruder und wünsche ihm alles alles Gute zur Konfirmation. Hab leider die Wochentage vergessen. Hoffe, du hattest eine schöne Feier. erzähl mir in Kiel, wie es war 🙂